August-Hochwasser: Eine „Wurscht“ war für Prutting die Rettung

Der mobile Hochwasserschutz, auch „Hochwasserwurscht“ genannt, hat verhindert, dass beim Hochwasser am 4. August Wasser in die Pruttinger Turnhalle geflossen ist.
+
Der mobile Hochwasserschutz, auch „Hochwasserwurscht“ genannt, hat verhindert, dass beim Hochwasser am 4. August Wasser in die Pruttinger Turnhalle geflossen ist.
  • vonTina Blum
    schließen

Ein mobiler Hochwasserschutz, von der Feuerwehr liebevoll „Hochwasserwurscht“ genannt, verhinderte Anfang August, dass die Pruttinger Turnhalle voll lief.

Prutting– Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, die Feuerwehr im Dauereinsatz – damit sich dieses Szenario wie beim jüngsten Hochwasser im August nicht beim nächsten Dauerregen wiederholt, hat sich der Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung mit einem möglichen Hochwasserschutzkonzept beschäftigt. Zwei Varianten sollen dafür Sorgen, dass den Pruttingern in Zukunft  das Wasser weder sprichwörtlich noch buchstäblich bis zum Halse steht.

Feuerwehr zieht Hochwasser-Bilanz

Dazu hatte Bürgermeister Johannes Thusbaß (CSU) Nikolas Schied, Kommandant der Feuerwehr Prutting, seinen Stellvertreter Alexander Zehrer sowie den ehemaligen Kommandanten und jetzigen Kreisbrandinspektor Franz Hochhäuser zur Sitzung geladen. Schied und Hochhäuser berichteten dem Gremium, wie sie den 4. August erlebten. „Der Alarm kam um 4 Uhr früh. Um 4.45 Uhr gab es den ersten Anruf, dass ein Keller vollgelaufen ist“, berichtete Schied.

180 Liter Regen in acht Stunden

Rund 180 Liter auf den Quadratmeter habe es in circa acht Stunden geregnet. Der Pegel stieg auf rund einen Meter über dem normalen Wasserstand. „Das bisher schlimmste Hochwasser war im Jahr 2000. Da kamen 120 Liter pro Quadratmeter in zwei Stunden runter“, erinnerte sich Schied.

Mobile Barriere am Vormittag aufgeblasen

Um kurz vor 5 Uhr morgens habe er den Bürgermeister informiert. Stündlich sei der Pegel gestiegen. Er und seine Kollegen seien dann durch das Gemeindegebiet gefahren, um sich einen Überblick zu verschaffen. Um 9.30 Uhr habe man den mobilen Hochwasserschutz – die sogenannte Hochwasserwurscht – aufgeblasen. „Ohne die wäre die Turnhalle vollgelaufen“, so Schied.

Hochwasserpegel stieg noch nach dem Regen

Um 12 Uhr habe es aufgehört zu regnen. „Bis 16 Uhr stieg der Pegel weiter“, erinnerte sich der Feuerwehrkommandant.

Besonders wertvoll sei die Hochleistungspumpe gewesen, die rund 6000 Liter pro Stunde abpumpt und in Prutting zum Einsatz kam. Davon gebe es vier Stück im Landkreis, glücklicherweise sei eine verfügbar gewesen. Bis 18.30 Uhr sei abgepumpt worden, um den Pegel zu halten.

Hochwasserkonzept für Prutting entwickeln

Thusbaß wandte sich anschließend an die Gemeinderäte, um ein Hochwasserkonzept für Prutting zu entwickeln. Dazu stellte Thusbaß dem Gremium den sogenannten Generalentwässerungsplan vor, den bereits sein Vorgänger Hans Loy (CSU) in Auftrag gegeben hatte,

Dieser zeigt, wo das Wasser im Fall von Dauerregen herkommt. Besonders gravierend sei die Situation am Dorfplatz unterhalb vom Rathaus, der 43 Prozent der Wassermenge abfange.

Kleiner Hochwasserschutz noch 2020 umzusetzen

Zur Debatte standen zwei Varianten des Hochwasserschutzes. Die „kleine Variante“ sei laut Thusbaß schnell, also noch in diesem Jahr, realisierbar und mit 50 000 Euro vergleichsweise günstig. Denn die Kosten für die „große Variante“ werden auf 200 000 Euro beziffert.

Die erste, kleinere Hochwasserschutzmaßnahme – der sogenannte Wallberg-Damm – würde die Erhöhung eines Feldwegs bedeuten, der von der Wallbergstraße in Bamham in westlicher Richtung weitergeht. Bei der „großen Variante“ würde das Wasser, das von Bamham kommt und das auch das Mösl speist, über die Verrohrung entlang der Rosenheimer Straße durch einen Schieber auf ein Feld nahe des Alten Sportplatzes umgeleitet werden.

Rohr könnte 390 000 Liter abfangen

„So könnten rund 39 000 Kubikmeter Wasser abgefangen werden“, berichtete Thusbaß. Der Bürgermeister betonte, dass man jedoch zuerst zwingend mit den Grundstückseigentümern sprechen müsse, bevor man eine Entscheidung fällen könnte.

Im Gremium sprachen sich einige Gemeinderäte für die kleinere, kurzfristige Lösung aus. Andere plädierten für die große Variante. Zweiter Bürgermeister Dr. Mathias Huber (CSU) wandte ein, dass man überlegen müsse, was man kurzfristig angehen könne und welches Projekt eine längere Planung voraussetze.

Förderung und Gepräche

Er habe bereits Gespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt geführt. „Es gibt auch die Möglichkeit einer Förderung“, erläuterte Huber. Stefan Schöne (FWB) mahnte an, man müsse schnell mit den Grundstückseigentümern reden und sie mit ins Boot holen bezüglich einer möglichen Entschädigung für den Ernteausfall im Falle eines Hochwassers.

Ein endgültiger Beschluss wurde zurückgestellt. Der Gemeinderat einigte sich darauf, den Zuschuss zu beantragen und parallel die Gespräche mit den Grundstückseigentümern zu führen.

Kommentare