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Eine Trasse, viele Emotionen: Brenner-Nordzulauf Thema in Großkarolinenfeld

Die aktuelle Bahntrasse in Großkarolinenfeld. Heinz

„Sollen wir wirklich wegen dieses überflüssigen Projekts unsere Heimat opfern und Milliarden Steuergelder verschwenden?“ Diese Frage taucht beim Brenner-Nordzulauf immer wieder auf. Nein, wollen die Großkarolinenfelder nicht. Und einen Verknüpfungspunkt wollen sie schon gar nicht. von Katharina Heinz

Großkarolinenfeld – Eine Gemeinderatssitzung mit Bürgersprechstunde und großem Publikum in der Max-Joseph-Halle. Viele kontroverse Meinungen und überraschende Beschlüsse: Die außerordentliche Sitzung des Gemeinderates zum Brenner-Nordzulauf hatte es in sich.

Um die Sicht der Bürger zum Thema Brenner-Nordzulauf zu hören, fand vor der Gemeinderatsitzung eine Bürgersprechstunde statt. Das Angebot wurde von zahlreichen Großkarolinenfeldern angenommen.

Zunächst ergriffen Vertreter der Gruppe „Brennerdialog Großkarolinenfeld und Umgebung“ das Wort. Josef Bachmeier sprach von einem „erheblichen Einschnitt in die Natur und Landwirtschaft“, von Hochtrassen, Brückenbauwerken, Überbauungen und bis zu 50 Meter breiten Schneisen, die „die Landschaft wie eine Autobahn brutal zerschneiden werden“. Er bemängelte, dass der Bedarf für die Neubaustrecke nie nachgewiesen worden sei. Dennoch, so betonte er, sei man nicht gegen den Brennernordzulauf. „Aber wir wollen kein überflüssiges Gleis, das wenig Nutzen bringt.“ Man trete vielmehr ein für eine bedarfsgerechte Lösung, der Verkehrsprobleme im Inntal.

Heimat opfern für überflüssiges Projekt?

Brennerdialog-Pressesprecher Jürgen Benitz-Wildenburg sprach sich für einen Ausbau der Bestandsstrecke aus. Die bestehende Trasse könne mit elektronischer Signaltechnik 396 Züge aufnehmen – das sei fast so viel wie die 400 Züge durch den Brennertunnel. Auch seien die Bahnstrecken über die Alpen aktuell nicht einmal zu 50 Prozent ausgelastet. „Sollen wir wirklich wegen dieses überflüssigen Projekts unsere Heimat opfern und Milliarden Steuergelder verschwenden?“, fragte er.

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Silke Frank ist überzeugt: „Es darf nicht zu einer Verknüpfungsstelle im Ort kommen.“ Schon die Baustelle sei unvorstellbar, das Ortsleben käme zum Erliegen. Zum Vorwurf des Floriansprinzips sagte sie, sie wünsche sich einen „Minimalkonsens“, bei dem sich später noch alle in die Augen schauen könnten. Ehemann Rainer Frank machte klar: Wenn die Trassenführung nicht zu vermeiden sei, wolle man zumindest den Verknüpfungspunkt mitten im Ort verhindern.

Viele Bürger scheren sich nicht um Verknüpfungsstelle

Den Ausbau befürworten, aber die eine Variante mit Verknüpfung im Ortszentrum ablehnen – diese Haltung gefällt Hans Baumann nicht. Viele Menschen seien wegen der guten Zuganbindung nach Großkaro gezogen und scherten sich jetzt nicht darum, wenn ein Ortsteil zerschnitten würde.

Anton Forstmaier wohnt direkt an der Strecke und meinte: „Ich hätte nichts gegen mehr Züge, anstatt die Natur woanders zu zerstören.“ Klemens Huber erntete für seine Wortmeldung Beifall: „Warum können wir nicht gleich sagen, wir sind gegen den Neubau?“

Tenor der Petition wird unterstützt

Bürgermeister Bernd Fessler hatte auch eine klare Meinung: „Mir ist es am liebsten, es bleibt alles so, wie es ist. Doch die Frage stellt sich nicht.“ Es gehe vielmehr darum, den Planungsprozess zu begleiten und die Interessen der Bürger dabei einzubringen.

Nach den Wortmeldungen der Bürger diskutierte der Gemeinderat über die Haltung der Gemeinde zum Brenner-Nordzulauf. Im Juli sprach er sich dafür aus, die Planungen weiter kritisch und konstruktiv zu begleiten sowie den Tenor der Petition des „Brennerdialogs“ zu unterstützen.

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Planungsraum bis Grafing erweitern

In der Bürgerversammlung kamen zwei Bürgeranträge auf den Tisch. Zum einen solle sich die Gemeinde dafür einsetzen, dass der Planungsraum bis nach Grafing erweitert wird. Damit konnte sich die Mehrheit der Gemeinderäte anfreunden. Der andere Antrag wurde kontroverser betrachtet. Er forderte, die „Variante Violett“ mit Verknüpfungspunkt im Ort abzulehnen.

Den Bau einfach komplett ablehnen? Das hätte laut Fessler Konsequenzen. Zum einen ging es ihm um die Aufrechterhaltung des Personennahverkehrs – ein wichtiger Standortfaktor für die Gemeinde. Rund 970 Personen steigen am Bahnhalt Großkarolinenfeld täglich ein und aus.

Zunächst den Bedarf nachweisen? Auch problematisch. Die Frage nach dem zukünftigen Bedarf gleicht für Fessler einem Blick in die Kristallkugel. Man wisse nicht, wie sich die Situation entwickele. Josef Lausch (GBV) ging die Diskussion um die richtige oder falsche Trasse schon zu weit. „Wir müssen überhaupt den Bedarf einer Neubaustrecke diskutieren“, betonte er. Er verneine nicht, dass die Güter auf die Schiene müssten, bezweifle aber die Dimension, die vom Verkehrsministerium behauptet werde. Deshalb dürfe der Antrag nur lauten: „Kein Bedarf, keine Neubaustrecke und damit auch keine Notwendigkeit eines Verknüpfungspunktes.“

Vier Gleise durch Ort sind unvorstellbar

Einen entsprechenden Antrag stellte Leonhard Krichbaumer, der kurz davor wegen dieser Meinungsverschiedenheiten aus der CSU-Fraktion ausgetreten war, dann auch. „Es ist unvorstellbar, dass vier Gleise durch den Ort gehen sollen“, meinte er. Er forderte den Gemeinderat zu einem Beschluss auf, alle fünf Trassenvarianten als unmöglich abzulehnen.

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Emil Maier (SPD) sagte, der leichte Weg sei es, einfach alles abzulehnen. Doch in Großkarolinenfeld habe man den schwereren Weg gewählt – dabei zu bleiben, mitzudiskutieren und die Belange der Bürger einzubringen.

Trassen nicht ablehnen, aber unmöglich finden

Alle Beschlussvorschläge und die beiden Anträge wurden angenommen. Damit hat der Gemeinderat zunächst dafür gestimmt, dass man sich eine Ablehnung aller Trassen sowie einen Stopp der Planungen wegen des Erhalts des ÖPNV nicht leisten könne. Danach hat er dafür gestimmt, alle fünf Trassen als „unmöglich“ zu betrachten. Dieses Ergebnis kam bei den Zuhörern gut an – sie applaudierten. Fessler meinte: „Ich finde es nicht redlich, etwas zu formulieren, wo man schon weiß, es läuft ins Leere.“

Die Beschlüsse im Überblick:

Nummer 1: Die Gemeinde soll sich im Dialog mit Bahn und Bund dafür einsetzen, dass der Planungsdialog bis nach Grafing erweitert wird.

• 12 zu 5 angenommen.

Nummer 2: Der Gemeinderat teilt die Bedenken, die hinsichtlich eines Verknüpfungspunktes geäußert wurden: Beeinträchtigungen des ÖPNVs, der Planungshoheit der Gemeinde, der Anlieger, Verkehrsführungen wären schon während der Bauphase nicht tragbar.

• 12 zu 6 angenommen.

Nummer 3: Im weiteren Verfahren fordert die Gemeinde bei allen Alternativen eine erhebliche Optimierung. Bei jeder Trasse sind grundsätzlich Untertunnelungen und maximaler Lärmschutz zu fordern.

•18 zu 0 angenommen.

Nummer 4: Den betroffenen Bürgern wird angeboten, Einwände und Vorschläge schriftlich der Gemeinde vorzulegen. Diese wird sie gebündelt im Raumordnungsverfahren vortragen.

• 18 zu 0 angenommen.

Nummer 5: Der Transport von Gütern auf Schiene statt Straße wird begrüßt. Der Bund wird aufgefordert, der Gemeinde mitzuteilen, welche dazu Maßnahmen angedacht sind. Der ÖPNV soll gestärkt werden.

• 11 zu 7 angenommen.

Antrag 1 von Leo Krichbaumer (fraktionslos): Der Gemeinderat beschließt, dass er sich alle fünf Trassen nicht vorstellen kann, da sie alle eine Katastrophe für die Gemeinde wären.

• 11 zu 7 angenommen.

Antrag 2 von Krichbaumer: Die Gemeinde soll alle hiesigen Abgeordneten anschreiben: Es soll zunächst das Gleis Richtung Mühldorf ausgebaut werden, bevor hier gebaut wird.

• 10 zu 8 angenommen.

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