Eine Einladung zum Gasgeben: Die sanierte Rosenheimer Straße in Oberaudorf sorgt für Unmut

Die Rosenheimer Straße wurde im letzten Jahr generalsaniert. Durch die Fahrbahnerneuerung würden Autofahrer direkt zum Rasen angehalten, so einige Anwohner. lotter

Die Rosenheimer Straße in Oberaudorf wurde im letzten Jahr generalsaniert. Durch die Fahrbahnerneuerung würden Autofahrer direkt zum Rasen angehalten, sagen einige Anwohner. Die Forderung: Ein Zebrastreifen, der den Verkehr ein wenig eindämmen würde. Dazu sei allerdings eine Verkehrszählung nötig.

Von Barbara Forster

Oberaudorf – Eine Prachtstraße sei die Rosenheimer Straße nicht gerade: „Da ist noch ein Stück hin“, findet Rasso Schwab aus Oberaudorf. Und das, obwohl die Staatsstraße vor einem Jahr erst saniert worden ist (wir berichteten). Das Paradoxe an der Sache: „Durch die Fahrbahnerneuerung ist das Verkehrsaufkommen noch stärker geworden“, meint Schwab. Uneinsichtige Motorradfahrer sowie Autofahrer würden an der Kurve bei der Metzgerei Pfeiffer ihre Motoren aufdrehen, weil die „kerzengerade“ Straße Richtung Niederaudorf einfach dazu verleite. Die Lösung in Schwabs Augen? Ein Zebrastreifen auf Höhe des Nahkaufs.

Der Gemeinde sind die Hände gebunden

Und da fängt das Fiasko an. Die Gemeinde habe ihm erklärt, dazu sei eine Verkehrszählung nötig. Diese habe aber bislang noch nicht stattgefunden. „Es ist schade, dass seit der Planung bis heute sehr viel Zeit verloren gegangen ist“, sagt Schwab.

Florian Seebacher, Leiter des Ordnungsamtes in Oberaudorf, erklärt: „Uns sind weitgehend die Hände gebunden.“ Zwar sei die Gemeinde am Bau der Straße beteiligt gewesen. Maßgebliche Entscheidungen wie Fußgängerüberwege (dazu zähle auch ein Zebrastreifen) treffe aber das Landratsamt Rosenheim. Für den Straßenunterhalt und die Straßenbaulast an sich sei wiederum das staatliche Bauamt Rosenheim zuständig. Laut Seebacher wurde das Landratsamt in Rosenheim mehrfach darauf hingewiesen, eine Verkehrszählung zu veranlassen. Bislang sei aber immer noch nichts passiert. Laut Richtlinie müssten in der Hauptverkehrszeit bei 400 bis 600 Fahrzeugen in der Stunde etwa 50 bis 100 Personen die Straße queren, so Seebacher. Und der Ordnungsamts-Leiter ist sich sicher, dass man diese erforderliche Querungszahl pro Stunde auch erreichen würde.

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2017 wurde vom Staatlichen Bauamt eine Verkehrzählung bereits durchgeführt, sagt Ursula Lampe, Pressesprecherin des Staatlichen Bauamtes auf Nachfrage. Damals konnte aber keine ausreichenden Querungszahlen erreicht werden, erläutert die Pressesprecherin weiter. Um nach der Umgestaltung der Ortsdurchfahrt nun erneut Aufschluss über den tatsächlichen Querungsbedarf zu erhalten, habe die Untere Verkehrsbehörde am Landratsamt Rosenheim gebeten, erneut eine Verkehrszählung durchzuführen. Der entsprechende Auftrag dafür habe das Staatliche Bauamt Rosenheim jetzt am Montag, 25. Mai, erhalten

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Neben der querenden Fußgänger würde dabei auch die Verkehrsstärke gemessen werden, sagt Lampe. Deshalb sollte eine Verkehrszählung grundsätzlich auf Grundlage eines gewöhnlichen Verkehrsaufkommens durchgeführt werden. Wegen der Corona-Pandemie habe nach Ende der Baumaßnahme jedoch kein gewöhnliches Verkehrsaufkommen vorgelegen. Jetzt, wo das Verkehrsaufkommen sich wieder normalisiert hätte, könne eine Verkehrszählung aber durchgeführt werden. Die Straßenmeisterei sei bereits damit beauftragt – „unter Berücksichtigung der personellen Kapazitäten“ – im Bereich des beantragten Fußgängerüberwegs eine erneute Verkehrszählung durchzuführen, sagt Lampe. Die Zählung werde voraussichtlich an einem Werktag zu den Spitzenstunden am Vormittag und am Nachmittag durchgeführt.

„Wir sind ja froh, dass die Straße saniert worden ist“, beteuert Rasso Schwab. Problematisch sei eben nur die Zunahme des Verkehrs. Um den Nahkauf oder den Bahnhof zu erreichen, müssten die Leute auch ständig die Straße queren, erklärt Schwab.

Seebacher spricht von großer Verbesserung

Florian Seebacher macht jedoch deutlich, dass man insgesamt „eine große Verbesserung“ bewirkt habe. Zuvor habe es keine Querungsinsel und keine durchgängigen Gehwege zu beiden Seiten gegeben. Jetzt gebe es beidseitige, gutnutzbare Gehwege. Auf der Westseite seien die Gehwege so angelegt, dass auch Radfahrer sie nutzen können. Auf der nördlichen Ortseinfahrt sei zudem ein Fahrbahnteiler mit Querungshilfe für Fußgänger eingebaut worden. Auch eine barrierefreie Bushaltestelle mit Fahrradunterstand im Einmündungsbereich der Bahnhofstraße sei vorhanden. Was den geplanten Zebrasteifen betrifft, kann er allerdings selbst nur den Kopf schütteln: Fußgängerüberwege können generell vor dem Bau einer Straße nicht einplant werden, erklärt der Ordnungsamtsleiter. „Weil diese Zählung eben noch nicht vorliegt.“ Und eine Verkehrszählung könne man wiederum erst machen, wenn besagte Straße fertig gebaut sei. Dann erst könne man mit baulichen Nacharbeitungen beginnen. „Dann fangen wir wieder von vorne an. Das ist total verrückt“, sagt Seebacher. Das, so der Leiter des Ordnungsamtes, sei die eigentliche Krux dieser Geschichte.

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