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Ökologie und Ökonomie Hand in Hand

Ein kleiner Garten Eden in Gefahr: Termin auf der Streuobstwiese in Rohrdorf

In den heimischen Obstgärten wird es herbstlich und an vielen Bäumen steht nun die Ernte an. ORO-Geschäftsführer Joachim Wiesböck kann in diesem Jahr mit einem guten Ertrag rechnen.
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In den heimischen Obstgärten wird es herbstlich und an vielen Bäumen steht nun die Ernte an. ORO-Geschäftsführer Joachim Wiesböck kann in diesem Jahr mit einem guten Ertrag rechnen.
  • VonVolkhard Steffenhagen
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Bäuerliche Gärten bestimmten jahrhundertelang das Bild vieler Dörfer. Sie waren nicht nur schön anzusehen, sondern erfüllten eine wichtige Aufgabe bei der Versorgung mit Obst und Gemüse. „Ein kleiner Garten Eden, mit sortenreichen und ungespritzten Obst direkt vor meiner Haustür“, schwärmt Helmut Wiesböck.

Rohrdorf – Helmut Wiesböck ist Rohrdorfer Streuobstwiesenbesitzter in zweiter Generation. Auf seiner gut zwei Hektar umfassenden, inzwischen auch Bio-zertifizierten Streuobstwiese wachsen und gedeihen rund 120 Obstbäume. Das Kleinod wurde in den 50er Jahren von seinem Vater angelegt. Zum Bestand gehören insbesondere Apfel-, Birnen- und Kirschbäume. Der älteste Baum wird auf rund 80 Jahre geschätzt und trägt in diesen Tagen Früchte wie selten zuvor.

Landkreis Rosenheim hat lange Streuobsttradition

„Der Landkreis Rosenheim gehört zu einer der stärksten Streuobstwiesenregionen Bayerns und blickt auf eine lange Tradition zurück“, sagte ORO-Geschäftsführer Joachim Wiesböck bei einer Veranstaltung des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf der Streuobstwiese von Helmut Wiesböck.

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Der Obstanbau spiele schon seit Alters her eine bedeutende Rolle im Leben der ortsansässigen Bevölkerung. So prägten die Streuobstbestände gerade in der Rosenheimer Region die Landschaft. In den letzten Jahrzehnten fielen sie allerdings zunehmend der Säge zum Opfer, mussten Baugebieten weichen.

Frischobst, Dörrobst, Saft

Was nicht an Frischobst benötigt wird, kann eingelagert oder zu Dörrobst, Most und Fruchtsaft verarbeitet werden. „Dazu wurde bereits 1958 die Rohrdorfer Genossenschaft ORO von den einheimischen Obsterzeugern gegründet, die seither unverfälschte Säfte ohne Konservierungsstoffe und ohne jegliche Zusätze herstellt“, so der ORO-Geschäftsführer.

Schnaps und Viehfutter

Eng mit dem Streuobst verbunden ist auch die traditionelle Schnapsbrennerei. So entstehen in unserer Region zahlreiche edle Tröpfchen mit auserlesen aromatischen Geschmacksnoten. Außerdem konnten ihre Besitzer das auf den Streuobstgärten wachsende Gras als Nahrungsquelle für ihr Vieh erschließen.

Das ganze Jahr etwas zu tun

„Allerdings ist so ein Garten auch mit viel Arbeit verbunden und fordert deren Besitzer das ganze Jahr über“, stellt Josef Stein, ehemaliger Fachberater für Gartenbau im Landkreis Rosenheim fest. Vor dem Setzen der Bäume muss je nach Obstsorte der richtige Standort mit Bedacht ausgesucht werden. Der darf nicht zu nass oder zu trocken sein.

Schließlich steht dann eine kontinuierliche Pflege an. Die Gewächse müssten regelmäßig geschnitten und gegebenenfalls mit Dünger und Mineralien versorgt werden. Und dann sei da ja auch noch die Ernte im Spätsommer und frühen Herbst. Da heißt es dann: „Bäumchen rüttel dich und schüttel dich.“ Allerdings könnten das mittlerweile schon Erntemaschinen, die das folgende Aufsammeln der Früchte wesentlich vereinfachen.

Wechselspiel zwischen Erzeuger und Verbraucher

So ist die Bewirtschaftung einer Streuobstobstwiese ein Wechselspiel zwischen Ökologie und Ökonomie. „Ökologisch bedeutet, dass die Bäume schon geschnitten sein sollen, dass aber auch mal Totholz als Lebensraum für Insekten bleibt, die wiederum wichtig für das Überleben anderer Tiere sind.“

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Ökonomisches Ziel müsse es sein, dass zum Schluss die Verbraucher das Obst beziehungsweise Obstprodukte aus Streuobstanlagen zu einem fairen und wirtschaftlichen Preis erwerben können. Und dass die Erzeuger es zu einem fairen Preis verkaufen können. In diesem Zusammenhang hat sich laut Joachim Wiesböck herausgestellt, dass die Bio-Zertifizierung, die auch von der ORO durchgeführt werden kann, eine gute Maßnahme zur Ertragssteigerung darstellt, da sich das Verbraucherbewusstsein in den letzten Jahren gewandelt hat und der Trend zu Bio-Produkten stetig zunimmt.

Für ihn ist eine gute Ernte deshalb sehr wichtig. Denn erfolgreiche, nachhaltige und verwertbare Ernten seien ein wesentlicher Garant dafür, dass die Obstgärten auch über Generationen hinaus bestehen bleiben. So wie die Streuobstwiese von Helmut Wiesböck. Nachahmer gesucht.

Politik macht mobil für den Erhalt von Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind nicht nur ein kostbares Kulturgut, das seit Jahrhunderten unsere voralpenländische Region bereichert, sondern sie sind auch ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tiere. Insbesondere Vögel, Käfer, Schmetterlinge und Kleinsäuger fühlen sich hier sehr wohl. Experten gehen davon aus, dass eine Streuobstwiese 3000 bis 5000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und Nahrung bietet. Überdies genießen Touristen dieses besondere Landschaftsbild bei ausgedehnten Wanderungen in unserer Region.

Allerdings ist der Lebensraum Streuobstwiese bedroht. In den letzten Jahrzehnten sind viele Obstbaumgärten der Säge zum Opfer gefallen. Grund dafür waren der Strukturwandel in der Landwirtschaft, billige Obstimporte aus dem Ausland sowie Flurbereinigungsmaßnahmen. Immer noch müssen Streuobstwiesen Baugebieten oder Straßen weichen. Aber auch die rückläufige Nutzung der Streuobstwiesen und fehlende Nachpflanzung führen zwangsläufig zur Bestandsreduzierung. Streuobstwiesen gehören deshalb zu den stark gefährdeten Lebensräumen.

Darauf machte nun das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit einer Informationsveranstaltung zu seiner Initiative „Streuobst blüht“ und zum länderübergreifenden EU-Projekt „LUIGI“ auf dem Amselhof im Rohrdorfer Ortsteil Sinning aufmerksam. Mit LUIGI will die Europäische Union dem Rückgang der Streuobstwiesen im Alpenraum entgegenwirken.

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