Ein Baum mit Aushilfsfunktion: Aus Wunschtanne wurde Christbaum vor dem Pruttinger Rathaus

Johannes Thusbaß und Barbara Stein suchten eine wunderschöne Tanne für den Wunschbaum aus. Er passte nur nicht ins Rathaus, deshalb steht er jetzt lichtergeschmückt davor.
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Johannes Thusbaß und Barbara Stein suchten eine wunderschöne Tanne für den Wunschbaum aus. Er passte nur nicht ins Rathaus, deshalb steht er jetzt lichtergeschmückt davor.
  • vonJohannes Thomae
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Der Weihnachts-Wunschbaum des Ortes ist in diesem Jahr in doppelter Hinsicht ein „Hilfs-Baum“. Einmal schon deswegen, weil sein Schmuck wie jedes Jahr verkauft wird, um Pruttingern, denen es gerade nicht so gut geht, helfen zu können.

Prutting – Diesmal aber auch noch, weil er gewissermaßen ein Aushilfsbaum ist: Der eigentlich vorgesehene Wunschbaum steht nämlich als stattlicher Christbaum vor dem Rathaus.

Bürgermeister schneidet Baum höchstpersönlich

Die Geschichte dahinter ist einfach. Gemeinderätin Barabara Stein hatte sich bereit erklärt, den Wunschbaum zu stiften. Und weil auch Bürgermeister Johannes Thusbaß die Aktion Wunschbaum nicht nur fortsetzungswert, sondern richtig gut und wichtig findet, erklärte er, dass er den Baum höchstpersönlich abschneiden und heimholen würde. Der wuchs nämlich bis dahin auf dem Hof von Barbara Steins Eltern in Riedering.

Kein Platz im Eingangsbereich

Weil Barbara Stein und Johannes Thusbaß beim Ortstermin freie Auswahl gewährt wurde, suchten sie sich ein besonders schönes Exemplar aus. Der sah in freier Wildbahn und ohne Vergleichsmaßstab zwar groß, aber nicht zu groß aus. Das änderte sich drastisch, als Johannes Thusbaß mit dem Baum beim Rathaus angekommen war: Da war sofort klar, dass der Baum nie und nimmer im Eingangsbereich Platz finden würde: Man hätte ihn deutlich einkürzen müssen.

Keine Scham: Nur Verwaltungsleiter und Bürgermeister wissen Bescheid

Weil das dem Prachtgewächs aber niemand antun wollte, stiftete Verwaltungsleiter Georg Plankl kurzerhand einen passenden „Hilfsbaum“. Er wird es im Übrigen auch sein, der über die aus dem Baumschmuckverkauf erzielten Einnahmen wacht. Schließlich ist das Entscheidende an der Wunschbaum-Idee, die die Frauen von der Pruttinger kfd vor sieben Jahren hatten, dass der Kreis, der weiß, an wen die Hilfen gehen, ganz klein ist: Neben dem Verwaltungsleiter weiß nur der Bürgermeister Bescheid. Damit, so hoffte man, würde es etwaigen Hilfsbedürftigen leichter fallen, sich selbst an einen von den beiden zu wenden.

Georg Plankl sorgte für einen „Aushilfsbaum“, der zugunsten hilfsbedürftiger Pruttinger geleert werden darf.

Altbürgermeister Hans Loy sagt aber, dass die Zahl, derer, die sich in den vergangenen Jahren selbst an die Gemeinde wandten, dennoch verschwindend gering blieb. „Armut“, so erklärt er „selbst eine vorübergehende Notlage, ist eben etwas, das keiner offen bekennen mag“.

Bürokratielose und unmittelbare Soforthilfe

Deshalb war er seit Beginn der Aktion für Tipps aus der Bevölkerung dankbar. Da erzählten zum Beispiel einfach die Nachbarn, dass bei einer alleinerziehenden Mutter der Ex-Ehemann offenbar mit den Unterhaltszahlungen im Rückstand sei und die Frau buchstäblich nicht mehr wüsste, wie sie sich und die Kinder bis zum Monatsende über die Runden bringen soll.

Natürlich gibt es für solche Fälle staatliche Hilfe und auch Unterstützung von anderen Institutionen, wie etwa der Caritas oder der Diakonie. Aber, so sagt Hans Loy, zur Caritas oder Diakonie müsse der Betroffene selbst hingehen und bis staatliche Auffangnetze aufgespannt seien, vergehe Zeit. „Die Gemeinde dagegen hat mit dem Wunschbaumgeld die Möglichkeit zur bürokratielosen und deshalb unmittelbaren Soforthilfe und das ist ein Riesenvorteil.“

Frauengemeinschaft bastelt immer wieder

Sein Nachfolger Johannes Thusbaß sieht das genau so und er ist deshalb dabei, emsig für einen Besuch beim Wunschbaum zu werben, damit ihn die Frauen von der kfd möglichst oft nachschmücken müssen. Nachschub an Engeln, Kugeln, Sternen fehlt dabei nicht, denn wie Renate Linke-Haas von der Frauengemeinschaft sagt: „Am Schmuck für den nächsten Wunschbaum wird eigentlich das ganze Jahr über immer wieder mal gebastelt.“. Der Pruttinger Bürgermeister bittet indes aber auch: „Wichtig ist auch, dass es mir oder Georg Plankl gesagt wird, wenn irgendjemand merkt, dass ein Anderer in Prutting Hilfe benötigen könnte“.

Der Erfolg des Wunschbaums steht und fällt mit diesem doppelten Einsatz der Pruttinger, weshalb Johannes Thusbaß auch spaßeshalber meint: „Jeder der bis Heilig Dreikönig zu mir ins Rathaus kommt, bekommt zusätzlich zum Gespräch noch einen Hinweis auf den Einkauf am Wunschbaum“.

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