Durch die Wirtsalm geht die Grenze: Von bayerischem Bier und Tiroler Wein

Das alte Almgebäude(links) liegt zur Hälfte in Tirol. Oberhalb vom Weg baute die Genossenschaft 1970 auf bayerischer Seite das neue Gebäude.

120 Jahre besteht die Almgenossenschaft auf dem Samerberg . Mit der Almgenossenschaft eng verbunden ist die Wirtsalm. Mitten durch den Gastraum läuft die Grenze zwischen Bayern und Tirol – eine Besonderheit, die nicht nur das Schankrecht betrifft.

Samerberg – 1899 verkaufte sie der vormalige Besitzer, der Wirt Pallauf von Törwang, den Viehzuchgenossenschaften der damals vier selbstständigen Gemeinden Grainbach, Roßholzen, Steinkirchen und Törwang. Der Erwerb der Wirtsalm mit einem Flächenmaß von 34,53 Hektar wurde vom Zuchtverband Traunstein unterstützt, um die Pinzgauer Zucht zu fördern.

Mitten durch die Wirtsalm verläuft die bayerisch-österreichische Staatsgrenze, was für die gesamte Almbewirtschaftung aufgrund unterschiedlicher Rechte und Gesetze eine besondere Aufmerksamkeit verlangt. Auf bayerischer Seite erbaute die Genossenschaft 1970, also vor nunmehr 50 Jahren, ein neues und zusätzliches Gebäude.

Blick in die Chronik

Aus der Chronik der Almgenossenschaft geht hervor, dass der Wirt von Törwang 1806 im abgeholzten Wieserwald 143 Tagwerk erwarb. 1811 baute er eine Hütte, in deren Mitte die Landesgrenze verläuft. So konnte man im gleichen Raum in Bayern bayerisches Bier und in Tirol österreichischen Wein trinken, ohne mit dem Zoll Schwierigkeiten zu bekommen. Bei der Vorliebe der Tiroler für Bier und der wechselseitigen Liebe der „Boarn“ für Rotwein war das sicher ein gutes Geschäft. Durch Schankrechten hatte die Genossenschaft zwar eine Einnahme, aber andererseits hat so eine Grenzalm auch ihre Tücken, da jährlich Viehlisten und Gesundheitsatteste geliefert und die Zollformalitäten erfüllt werden mussten. Es ging sogar soweit, dass der Stacheldraht für die Einzäunung der in Tirol liegenden Flächen verzollt werden musste.

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Kritische Jahre musste die Genossenschaft nach dem Ersten Weltkrieg überstehen, als viele Männer gefallen oder verwundet worden waren. Inflation, Unwetterschäden und Tierseuchen ließen das Interesse an der Alm sinken. Durch Zeichnung von Anteilen zu je 100 Mark konnte dann in Verbindung mit einer Satzungsänderung die Genossenschaft saniert werden. Von 121 Genossen blieben noch 32 Bauern übrig, mit je einem Anteil von 100 Mark. Alle übrigen Bauern schieden aus der Genossenschaft aus. Von 1936 an war die Alm an Andreas Seier aus Gerstland und ab 1940 bis 1948 an Wolfgang Stuffer von Eiding verpachtet.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vom Nachbarland Österreich der dort liegende Grund sowie der Hüttenanteil beschlagnahmt und konnte erst nach langwierigen Verhandlungen zurückgekauft werden.

Verkaufsabsichten in der Nachkriegszeit, als mit dem Wirtschaftswunder die Hirtenlöhne stiegen und immer noch eine alte Schuldenlast drückte, verzögerten sich aber, weil einige Pinzgauer Züchter glaubten, ihnen würde die Alm automatisch zufallen, wenn alle übrigen Bauern auf Fleckvieh umgestellt hätten. Im folgenden Rechtsstreit wurde diese Meinung jedoch nicht bestätigt und die Alm auch nicht verkauft. Genossenschaftsanteile können nicht verkauft werden, weil sie direkt mit dem Hof verbunden sind und sogar bei der Hofübergabe dort verbleiben müssen.

Als 1968 bis 1969 die Forstverwaltung ihr Wegenetz bis zum Schweiberer Mösl ausbaute, bedeutete das eine wesentliche Erleichterung der Bewirtschaftung der Flächen. War früher eine Tagesreise mit dem Pferd zum Transport der Güter notwendig, konnte man nun mit dem Auto nach Feierabend auf die Alm fahren. Damit war auch die Ausgangsbasis für eine Bewirtschaftung ohne Personal geschaffen.

Eine Vielzahl von Investitionen

Es erfolgte eine komplette Erschließung der Alm. Auf bayerischer Seite wurde 1970 ein Almgebäude mit Boxenlaufstall gebaut, das sogar als Mustergebäude für Fachexkursionen ausgesucht wurde. Zu den weiteren Investitionen gehörten neue Zäune in der Länge von zwei Kilometern, ein Güllegrubenbau mit 55 Kubikmeter Fassungsvolumen, Ausbringung von Vorratsdünger, Erneuerung der Wasserleitung, Bau einer sieben Kubikmeter großen Wasserreserve, Einbau von drei Weiderosten und Pflanzungsmaßnahmen auf den Waldflächen. In der Chronik sind vor allem die Namen Vitus Dräxl, (zum Daxer), Franz Bauer (zum Maurerlinder) und Michael Staber (zum Zenz) vermerkt, die mit Begeisterung und Schwung die übrigen Genossen zu diesen Leistungen motivierten und damit eine Blütezeit der Genossenschaft einleiteten, die bis heute angehalten hat. 1987 erwarb die Genossenschaft sogar bei Steinkirchen ein vier Tagwerk großes Waldgrundstück hinzu. Selbstverständlich tragen auch die Mieteinnahmen dazu bei, dass die Kassenlage gut ist. Die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten und den Mitgliedern, die die Landwirtschaft aufgegeben haben, klappt gut. Eine Dividende wird zwar nicht ausbezahlt, dafür kann jeder Genosse mit seiner Familie am jährlich stattfindenden Ausflug teilnehmen, der aus der Genossenschaftskasse bezahlt wird. Wer sich für Almarbeiten zur Verfügung stellt, wird dafür entlohnt.

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Außerdem ist allen bewusst, dass zur Erhaltung der Alm immer die Weidewirtschaft mit dem Vieh der Almgenossen gehört. Eine lange Tradition bei der Wirtsalm sind im Sommer Bergmessen zum Dank für almerisches Wohlergehen. Der aktuelle Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender Johann Weyerer (zum Guggen), Zweiter Vorsitzender und Kassier Josef Stuffer (Moar), Schriftführer Alois Wohlschlager (zum Lusei), Holzmeister Paul Stuffer (zum Glasn), Beisitzer Georg Riedl (zum Taler).

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