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Ja zu Drogerie- und Supermarkt: Gemeinderat Oberaudorf stellt Weichen für Ausbau der Nahversorgung

Auf dem „Gschwendtnerfeld“ sollen ein Supermarkt sowie ein Drogeriemarkt entstehen.
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Auf dem „Gschwendtnerfeld“ sollen ein Supermarkt sowie ein Drogeriemarkt entstehen.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Seit Monaten grübelt der Gemeinderat Oberaudorf über die Nahversorgungsstruktur im Dorf. In der jüngsten Sitzung ging es um die entscheidende Frage: Verträgt die Gemeinde neben einem Discounter, der in circa zwei Jahren in das bestehende Edeka-Gebäude ziehen wird, noch einen Drogerie- und Supermarkt?

Oberaudorf – Wie gestaltet sich die künftige Nahversorgung in Oberaudorf? Über Monate hinweg beschäftigte sich der Gemeinderat mit dieser Frage. Weil der Edeka-Markt angekündigt hatte, den in rund zwei Jahren auslaufenden Mietvertrag am Standort in der Naunspitzstraße nicht mehr zu verlängern, fehlt in Oberaudorf künftig ein Vollsortimenter.

In das bestehende Gebäude, das unter Bestandschutz steht, soll dann ein Discounter einziehen. Ob dieser für die Nahversorgung ausreicht oder ob die Gemeinde planerisch tätig werden soll, um im angrenzenden „Gschwendtnerfeld“ den Bau eines Edeka-Marktes und eines Drogeriemarktes zu ermöglichen, musste in der jüngsten Gemeinderatssitzung beschlossen werden.

Verkehrskonzept soll entwickelt werden

Nach einer hitzigen Diskussion wurde über zwei entgegengesetzte Szenarien abgestimmt: Mit 16:4 Stimmen beschloss das Gremium, dass die Verwaltung die notwendigen bauleitplanerischen Schritte für den Bau eines Drogerie- und Supermarktes auf dem Gschwendtnerfeld in die Wege leiten soll. Außerdem soll ein tragfähiges Verkehrskonzept aufgestellt werden. Ein zweiter Beschluss, dass der Gemeinderat nicht in die Nahversorgungsstruktur eingreifen soll, wurde mit 13:7 Stimmen abgelehnt.

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Den Beschlüssen ging eine Nahversorgungsanalyse der Firma BBE Handelsberatung GmbH, vorgestellt durch den Gutachter Markus Wotruba, voraus. Dieser erklärte, dass sich die überwiegende Mehrheit der Menschen einen Supermarkt, einen Discounter und einen Drogeriemarkt in der Nähe ihrer Wohnung wünschen würde.

Experte empfiehlt „Dreigestirn“

Fachleute würden so ein „Dreigestirn“, wo immer es möglich sei, empfehlen. Etwa 14,9 Millionen Euro pro Jahr würden die Bewohner Oberaudorfs für Lebensmittel und Drogeriewaren ausgeben. In Kiefersfelden seien derzeit etwa 112 Prozent der eigenen Bevölkerung versorgt, in Oberaudorf rechnerisch nur 48 Prozent.

Die Oberaudorfer würden also vermehrt in Kiefersfelden oder anderen Nachbarsorten einkaufen. Der Gutachter riet den Gemeinderäten deshalb, in Oberaudorf einen attraktiven Supermarkt zu erbauen. Das wisse nicht nur die einheimische Bevölkerung zu schätzen, sondern sei auch für Touristen attraktiv.

Kaufkraft fließt ab

Nach mehreren Wortmeldungen der Gemeinderäte, ergriff Bürgermeister Matthias Bernhardt (FWO) das Wort. Die Realisierung eines Drogerie- und Supermarktes in Oberaudorf sei eine Chance, die abfließende Kaufkraft von rund fünf Millionen Euro in den Ort zurückzuholen. Denn im Moment zeige sich, dass viele Oberaudorfer nach Brannenburg oder Kiefersfelden zum Einkaufen fahren würden. „Und auch die Touristen wollen ein Einkaufserlebnis haben.“

Nahversorgung erweitern

Ein Discounter alleine ist für Bernhardt „keine vollumfassende Option“. Sein Vorschlag wäre deshalb, die leer stehende Wiese auf dem Gschwendtnerfeld zu nutzen, um die Nahversorgung optimal zu erweitern. Auch, wenn es prinzipiell in seinem Sinne sei, Grünflächen zu erhalten, sei es letzten Endes auch sein Job, den Haushalt im Blick zu behalten und die Gewerbesteuern anzutreiben.

Damit die kleineren Betriebe im Ort nicht zu kurz kommen, müsse auch das Innenleben des Dorfes aufgewertet werden. „Viele Senioren kommen auf mich zu und sagen, sie kommen mit ihrem Gehwagerl nicht über das Kopfsteinpflaster.“ Da könne man ansetzen, meinte Bernhardt.

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Hannes Rechenauer (CSU) stimmte Bernhardt zu, dass die innerörtliche Attraktivität gesteigert werden müsse. Ob Bäcker, Metzger oder Hofladen – „all das schätzen unsere Ausflügler sehr“. Zudem müsse die Verkehrssituation berücksichtigt werden, falls die Nahversorgung erweitert werden soll. „Solche Dinge müssen wir in den vorhabenbezogenen Bebauungsplan einplanen.“

Daniela Bernhardt (FWO) betonte, dass es innerorts auch viele Non-Food-Läden gebe. Und Kunden, die schon immer zum Hofladen oder zum Metzger gegangen seien, würden auch weiterhin dort hingehen – unabhängig davon, ob es nun einen zusätzlichen Supermarkt gebe: „Die These ‚Wir zerstören dadurch unseren Innenortskern‘ ist zu aufgeblasen.“ Susanne März (FWO) entgegnete: „Die Sorgen der Bevölkerung sind aber da.“ Durch die Erweiterung der Nahversorgung entstehe ein zweiter Ortskern. Sie persönlich wäre die Sache anders angegangen und hätte nicht zwei Beschlüsse gefasst, die möglicherweise das Dorf spalten.

„Unbequeme Schritte sind notwendig“

Katharina Kern (CSU) merkte an, dass in ihren Augen ein Bürger- und Ratsbegehren sinnvoller gewesen wäre. „Ich hätte mir gewünscht, das Ganze miteinander zu entwickeln.“

Franz Hefter (Bayern Partei) war der Meinung, dass man in diesem Fall einfach „unbequeme Schritte“ gehen müsse. Auf eine langweilige Party würde niemand gehen, sondern nur auf eine, bei der sich etwas rühre. So sei das auch im Ortskern eines Dorfes. „Wir haben riesige Naturbestände.“ Die sollte man auch nutzen, den Bau dabei aber nicht unansehnlich gestalten. Das Ganze solle „Charme“ haben.

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