Drehleiter: Auf Zuschuss pochen

Im Juli erhält die Feuerwehr Schloßberg ein neues Drehleiterfahrzeug. Einen Zuschuss des Landkreises gibt es jedoch nicht. Das will die Gemeinde nicht hinnehmen. Denn bei Anschaffungen in Kolbermoor und Prien zeigte sich der Landkreis spendabler.

Stephanskirchen - Der Landkreis hatte die Förderung des neuen Drehleiterfahrzeuges für die Feuerwehr Schloßberg 2013 mit der Begründung abgelehnt, die Neuanschaffung besitze keine überörtliche Bedeutung. Schließlich würden die Schloßberger Einsatzkräfte keine "Stützpunktfeuerwehr" für einen Ort mit besonderem Gefährdungspotenzial (Krankenhäuser, Industriebauten) darstellen. Der Gemeinderat akzeptierte das Nein des Landkreises und griff tief in die kommunale Kasse: Das neue Drehleiterfahrzeug kostete rund 620000 Euro. Eine Zuwendung des Freistaats von 192500 Euro wird erwartet.

Bei der Lektüre der OVB-Heimatzeitungen war im April dieses Jahres eine Nachricht aufgefallen, die auf Verwunderung stieß: Der Landkreis habe ein Drehleiterfahrzeug in Kolbermoor mit 115000 Euro, ein ähnliches in Prien mit 58200 Euro in Prien gefördert. Dies entspreche in beiden Fällen einer 60-prozentigen staatlichen Förderung.

"Nicht nachvollziehbar" nannte Bürgermeister Rainer Auer deshalb die Entscheidung, dass die Stephanskirchener bei ihrem neuen Drehleiterfahrzeug leer ausgehen sollen. Denn auch in Kolbermoor und Prien seien keine überörtlichen Gefährdungspotenziale vorhanden - vor allem auch angesichts der Tatsache, dass in den Nachbarstädten Rosenheim und Bad Aibling Drehleiterfahrzeuge vorgehalten würden. Dass die Drehleiter aus Schloßberg durchaus überörtlich angefordert wird, zeigt die Statistik: 2012 kam sie nach Angaben der Feuerwehr 26-mal zum Einsatz, davon zwölfmal auswärts.

Der Gemeinderat beschloss deshalb einstimmig, den Landkreis aufzufordern, das Nein zum Zuschuss zu überdenken. Stephanskirchen ist überzeugt, dass der Gemeinde der gleiche Zuschuss wie Kolbermoor zusteht. Florian Weber (Bayernpartei) wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass der Fachbegriff "Stützpunktfeuerwehr" nicht genau definiert sei und Interpretationsspielraum liefere.

Christian Wahnschaffe (Die Grünen) wagte trotzdem zu hinterfragen, ob das neue Drehleiterfahrzeug in Schloßberg eine Notwendigkeit sei. Verwaltungsgeschäftsführer Georg Plankl verwies auf die Tatsache, dass die Feuerwehr seit 1996 eine Drehleiter vorhalte. In den vergangenen Jahren seien aufgrund dieser Ausrüstung auch höhere Gebäude ohne zweiten Fluchtweg in Stephanskirchen genehmigt worden. Die Drehleiter stellte in den vergangenen Jahren trotzdem ein Sorgenkind dar: 1996 und 2006 wurde sie jeweils im gebrauchten Zustand angeschafft. Den erneuten Kauf eines gebrauchten Fahrzeuges lehnte der Gemeinderat aufgrund der hohen Reparaturkosten der vergangenen Jahre ab. Er entschied sich für eine Neuanschaffung - trotz des verweigerten Zuschusses vom Landkreis.

Verwaltung und Gemeinderat hoffen auf ein Umdenken - auch aufgrund der Tatsache, dass ein neuer Landrat und ein neuer Kreisbrandrat die Entscheidungen fällen. Die finanzstarke Gemeinde Stephanskirchen zahlt außerdem eine hohe Umlage an den Landkreis. "Es erscheint zielstrebend, den Antrag nochmals zu stellen, auch angesichts des Umstands, dass die Gemeinde im ganzen Landkreis wohl das schlechteste Verhältnis von Kreisumlage zu den Leistungen des Landkreises aufweist", ist die Verwaltung überzeugt.

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