Ein Dorf zieht an einem Strang: Vogtareuth und die Dorfentwicklung

Gemeinschaftsprojekt: Aus diesem schmalen, ungenutzten Streifen links der Schule wird noch in diesem Jahr ein kleiner, ansprechend gestalteter Fußweg werden: eine willkommene Abkürzung – auch, aber nicht nur für die Schulkinder. Thomae

„Es liegt an de Leit. Mia ham hervorragende Leit!“ Das Lob von Gerhard Rinser richtet sich nicht an die Teilnehmergemeinschaft zur Gemeinde-Entwicklung, es richtet sich an die Vogtareuther. Das A und O bei der Dorfentwicklung ist für Rinser die Aufgeschlossenheit der Einwohner, ihre Bereitschaft mitzumachen und Ideen einzubringen.

von Johannes Thomae

Vogtareuth – Ideen haben, ausreden, anpacken – davor scheuen die Vogtareuther nicht zurück, Deshalb kann man auch schon auf einige Erfolge zurückblicken. Obwohl man sich bislang erst in der Vorbereitungs- und Planungsphase dieses vom Amt für ländliche Entwicklung geförderten und begleiteten Projektes befand, die Umsetzung der eigentlichen Maßnahmen also erst ansteht, ist schon einiges passiert in Vogtareuth.

Engagement für die Gemeinschaft

Die Bürgerhilfe zum Beispiel, die in den nächsten Wochen ihre Arbeit aufnehmen wird, ist letztendlich ein Kind aus den vorbereitenden Arbeitskreisen zur Gemeinde-Entwicklung. Aber auch Einrichtungen, die in Vogtareuth mittlerweile schon zur Selbstverständlichkeit geworden sind, wie etwa das „Dorfkino“, dieser gemeinsame Fernseh- und Filmabend, oder auch die zu einer Minibücherei umgewandelte Telefonzelle vor dem Rathaus, hängen mit Ideen und dem Engagement von Menschen aus dem Umkreis der Dorfentwicklung zusammen.

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In diesem Jahr soll es aber richtig ernst werden, die ersten größeren Vorhaben werden umgesetzt. Noch nicht die Umgestaltung des „Dorfplatz“, womit der gesamte Bereich östlich des Pfarrheimes samt Vogteistraße und Moosweg gemeint ist – da ist man in der intensiven Planung, aber die Bagger, so Bürgermeister Rudolf Leitmanstetter, werden wohl doch erst nächstes Jahr auffahren.

Alle Beteiligten mit im Boot

Schon im Frühsommer dieses Jahres aber soll entlang der Schule ein Fußweg zwischen Rosenheimer Straße und Kirchsteig geschaffen werden. Und gerade hier zeigt sich die Besonderheit des Instrumentes „Dorfentwicklung“: Wenn dem Gemeinderat das Projekt zur endgültigen Entscheidung vorgelegt wird, ist nicht nur die Förderung durch das Amt für ländliche Entwicklung gesichert, die sich auf satte 60 Prozent beläuft, sondern es sind dann auch bereits alle Beteiligten und Betroffenen mit ins Boot geholt worden.

Privatpersonen können sich einklinken

Die Förderung bezieht sich nämlich nicht nur auf den öffentlichen Bereich, auch private Anlieger können gewissermaßen aufspringen und Förderung bei der Aufwertung ihrer Grundstücke und Häuser erfahren. Deshalb wird der nächste Schritt beim neuen Weg auch eine Begehung mit Peter Höcherl, dem Projektleiter beim Amt für ländliche Entwicklung, sein. Er wird dabei mit den Anliegern besprechen, welche Maßnahmen sie im Zuge des Wegebaues vielleicht gleich mit umsetzen könnten. Dass auch die Wünsche der Schulfamilie in den neuen Weg mit einfließen werden, ist selbstverständlich.

Neuer Fußweg erstes sichtbares Zeichen

Der neue Weg wird zwar das erste sichtbare Zeichen für die Umsetzungsphase der Dorfentwicklung sein, es stehen in diesem Jahr aber auch noch andere konkrete Überlegungen an, die zwar noch nicht augenfällig werden, aber dennoch wichtige Weichenstellungen sind. So muss für den neuen Bauhof der Jugendtreff weichen. Für die Teilnehmergemeinschaft ist das ein klarer Fall für die Dorfentwicklung und erste Gespräche mit dem Amt für ländliche Entwicklung über eventuelle Förderungsmöglichkeiten waren tatsächlich vielversprechend: Wenn der Ersatzbau mehr ist als ein bloßes Provisorium – also ein festes Gebäude – und wenn seine Nutzung für die Gemeinde insgesamt offensteht, also auch für die Vogtareuther Vereine, dann sei eine Förderung sehr wohl möglich, so hieß es.

Nun ist man dabei, mit den Vereinen erste Vorgespräche zu führen, um auszuloten, wie so ein Nutzungskonzept, das einen Jugendtreff beinhaltet aber gleichzeitig darüber hinaus geht, umzusetzen wäre. Die Teilnehmergemeinschaft der Dorfentwicklung ist für Bürgermeister Leitmanstetter deshalb ein wichtiger Partner und ein Gremium, das durch seine Tätigkeit sowohl dem Gemeinderat als auch der Verwaltung die Arbeit sehr erleichtert.

Ein weiterer wichtiger Schritt in Vogtareuths Zukunft wird die angedachte Wohnbebauung des sogenannten Bod-Grundstückes werden, auf dem bis zu vierzig Wohneinheiten geschaffen werden könnten. Hier wird der Gemeinderat demnächst in einer Klausursitzung über mögliche Varianten diskutieren, vor allem auch darüber, wie man hier einen passenden Investor findet, ob an ihn das ganze Areal oder nur Teile verkauft werden sollen. Das Amt für ländliche Entwicklung hat in der Person der Stadtplanerin Tanja Mayer hier professionelle Unterstützung angeboten.

Großer Zuzug braucht Integrationsideen

Auch im weiteren Verlauf wird die Gemeinde-Entwicklung mit Sicherheit am Projekt beteiligt sein: Einzelne Zuzüge seien in einem lebendigen und offenen Dorf wie Vogtareuth wirklich im Nu integriert, meint Gerhard Rinser, „wenn aber mehrere Familien auf einmal zuziehen, dann muss man sich was einfallen lassen“. Doch nach der ganzen bisherigen Erfolgsgeschichte der Dorfentwicklung in Vogtareuth darf man getrost vermuten: Gute Einfälle wird es mit Sicherheit genügend geben.

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