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„Friede ist keine Selbstverständlichkeit“

Die Wiesholzers aus Samerberg: Drei Generationen, drei Soldatenschicksale

Sepp (links) und Wolfgang Wiesholzer erinnern sich an die Kriegseinsätze ihres Vaters, Großvaters und Urgroßvaters.
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Sepp (links) und Wolfgang Wiesholzer erinnern sich an die Kriegseinsätze ihres Vaters, Großvaters und Urgroßvaters.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
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Frieden ist zerbrechlich, alles andere als selbstverständlich. Wenige Menschen in der Region Rosenheim wissen so gut darum wie die Gebrüder Wolfgang und Sepp Wiesholzer aus Samerberg. Vater, Großvater und Urgroßvater waren im Krieg. Und erlebten Unfassbares, das auch ihre Nachfahren prägte. Eine Familiengeschichte besonderer Art.

Samerberg – Weltweites Entsetzen herrscht derzeit über den Angriffskrieg Putins auf die Ukraine. Nur noch wenige Menschen in Deutschland können aufgrund eigener Erlebnisse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, der vor 77 Jahren zu Ende ging, berichten, was das bedeutet: Krieg.

Eine doch außergewöhnliche Erinnerung haben die Brüder Wolfgang und Sepp Wiesholzer von Moosen in der Gemeinde Samerberg festgehalten. Vater, Großvater und Urgroßvater – jeweils mit dem Namen Wolfgang Wiesholzer – waren allesamt im Krieg. Alle drei kamen wieder nach Hause. Alle drei waren jedoch auch zeitlebens geprägt vom Erlebten.

Steckschuss in den Kiefer

„Wenn ich heuer im Mai 70 Jahre alt werde, dann kann ich auf 70 Jahre Leben in Frieden zurückschauen. Das ist nicht selbstverständlich. Das war nicht immer so“, beginnt Wolfgang Wiesholzer das Gespräch in der guten Stube. Er und sein jüngerer Bruder Sepp haben die Erinnerungsstücke auf dem Tisch aufgereiht, Fotos und Ehrenzeichen. Obwohl ihr Vater der einzige Sohn auf dem Bauernhof war – er hatte noch fünf Schwestern –, musste er mit 18 Jahren in den Arbeitsdienst und dann als Soldat in den Krieg. Er machte den Zweiten Weltkrieg in voller Länge mit, war als Panzerfahrer unter anderem in Russland eingesetzt.

Von seinen Kriegserlebnissen hat er kaum erzählt. „Ein wenig bekamen wir als kleine Buben davon mit, wenn bei den Urlaubsgästen auch Kriegsteilnehmer dabei waren und sich die Männer über ihre Einsätze unterhielten“, erinnern sich die Brüder. Sieben Jahre später, als 25-Jähriger, kam der Vater 1945 heim. Er verarbeitete seine Kriegserlebnisse nur schwer und verstarb im Alter von nur 50 Jahren. Zweimal wurde der Vater verwundet. Einmal erhielt er einen Kiefersteckschuss, der fast zum Tode führte. Die Lazarett-Ärzte hatten sein Leben schon fast aufgegeben.

Drei Generationen, vier Kriege

Doch der junge Mann kämpfte sich zurück. Für seine Tapferkeit bekam Wolfgang Wiesholzer ein Ehrenabzeichen sowie für die Teilnahme an der Winterschlacht während des Angriffs auf die Sowjetunion 1941/42 eine weitere Auszeichnung. Nach der Heimkehr übernahm er den elterlichen Hof und heiratete 1949 seine Katharina aus Hartbichl. Vier Söhne wurden den beiden geschenkt.

Corona und Krieg als Stresstest für Schulen und Kitas

Schon Großvater Wolfgang Wiesholzer hatte in den Krieg ziehen müssen. Er kam 1877 auf dem elterlichen Hof zur Welt und wuchs ohne Geschwister auf. Mit 37 Jahren musste er in den Ersten Weltkrieg ziehen. Er war die gesamten vier Jahre im Kriegseinsatz und verstarb im Alter von 89 Jahren im Jahr 1966. Auch er erhielt eine Auszeichnung für besondere Tapferkeit.

Urgroßvater Wolfgang Wiesholzer wurde im Jahr 1842 geboren, er musste gleich zweimal einrücken. Zuerst im Jahr 1866 beim Krieg von Preußen gegen Österreich (Norddeutscher Bund) und wenige Jahre später beim Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871. Auch er erhielt zwei Auszeichnungen.

„Frieden ist keine Selbstverständlichkeit“: Blick auf die Portraits und Ehrenzeichen der drei Kriegsteilnehmer. Im Familienalbum (links) ist Wolfgang Wiesholzer als junger Soldat zu sehen.

„Wenn ich über den sinnlosen und unfassbaren Krieg in der Ukraine nachdenke werde ich unweigerlich an das Geheimnis von Fatima erinnert“, sagt Sepp Wiesholzer. Im Jahre 1917 berichteten drei Hirtenkinder, dass ihnen Maria erschienen sei. Der Inhalt ihrer Visionen wurde erst lange danach bekannt. Unter anderem beinhalten sie den Aufruf der Gottesmutter zu Gebet und Buße, zur Weihe Russlands an ihr unbeflecktes Herz sowie zur Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats.

„Es braucht jetzt viele Beter“

Nur, wenn diese Bitten erfüllt werden, werde sich Russland bekehren, ansonsten werde es Irrlehren über die Welt verbreiten, Kriege und Verfolgungen würden heraufbeschwört werden, so die Botschaft. Die Brüder Wiesholzer vertrauen auf ihren Glauben. „Beim Verhandeln können wir nicht helfen, aber laut der Fatima-Botschaft können wir in Verbindung mit unserem Glauben beten. Es braucht jetzt viele Beter“, sagen sie. Sie wissen: Krieg ist brutal und die Schöpfung zerbrechlich. Wäre einer der Wiesholzer-Ahnen nicht zurückgekehrt – „es würde uns und unsere Kinder nicht geben.“

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