Die Stephanskirchner als Stadtplaner: Ideen für Haidholzen-Südost gesucht

So geht’s: Laura Sewald, Mitarbeiterin im Getränkemarkt, steckt ihre Ideen für Haidholzen-Südost schon mal in die Sammelbox.
+
So geht’s: Laura Sewald, Mitarbeiterin im Getränkemarkt, steckt ihre Ideen für Haidholzen-Südost schon mal in die Sammelbox.

Hier planen die Bürger selber. Beschlossen hatte das im Winter der „alte“ Gemeinderat unter Bürgermeister Rainer Auer. Doch dann kam die Corona-Pandemie und die für Haidholzen-Südost geplante Ideenwerkstatt wurde verschoben. Nun ist es so weit. Die Stephanskirchner können Wünsche und Ideen loswerden.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Vom 23. bis 25. September steht ein „Festzelt der Ideen“ an der Reichenberger Straße. Von Mittwoch, 15 Uhr, bis Freitag 12 Uhr können dort alle Stephanskirchner ihre Ideen für die Entwicklung von Haidholzen-Südost abgeben.

Viele Freiraum für Ideen

Wo sollen Wohnungen hin für diejenigen, die nichts größeres wollen und denen der Kräutertopf auf dem Balkon reicht? Wo Reihen-, Doppel-, oder Einfamilienhäuser für Familien und Menschen, die gerne im Garten buddeln? Soll es gar eine Ecke für Tiny Houses geben? Jägerzaun oder Hecke? Wie soll der Spielplatz aussehen, wie die Grünflächen, soll es einen gemeinschaftlichen Nutzgarten geben? Wo könnte ein Bäcker oder Metzger, ein Fischladen oder Supermarkt, aufmachen?

Die Bürger mit ins Boot nehmen

„Wir haben in Haidholzen-Südost die größte Entwicklungsmöglichkeit in der Gemeinde seit dem Neubaugebiet Leiten in den 70er Jahren“, sagt Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie). Da sollte der Gemeinderat nicht an den Bürgen vorbei planen, sondern die mit ins Boot nehmen. Sonst ärgere man sich womöglich in ein paar Jahren über vergebene Chancen.

Büro beteiligt Bürger

Nun tendiert die Bürgerbeteiligung bei einem Bebauungsplan erfahrungsgemäß meist gegen Null. Dass dies für Haidholzen-Südost nicht zutreffen wird, dafür soll das Büro „nonconform“ sorgen. Sie sind Spezialisten für intensive Bürgerbeteiligung bei Stadt- beziehungsweise Gemeindeentwicklungen.

Einzige Vorgabe: Überwiegend Wohnraum schaffen

Korbinian Kroiß von „nonconform“ erklärte den Gemeinderäten im Dezember 2019, dass die Mitarbeiter des Büros politische oder rechtliche Vorgaben im Vorfeld kennen müssen, „genug Freiheiten gibt es dann immer noch“, so Kroiß. Vorgaben gibt es laut Mair kaum: Das Grundstück ist 90 000 Quadratmeter groß, 60 000 sollen – überwiegend mit Wohnraum – bebaut werden, der Rest ist Grünfläche. Für einige Flächen gibt es Einheimischenbindung für die Verkäufer der Grundstücke. Wobei es da laut Mair um die Quadratmeter geht, nicht um konkrete Teilstücke der Fläche.

Wünsche im Zelt oder in der Sammelbox loswerden

Wer sich nicht in das mit mehreren Mitarbeitern von „nonconform“ besetzte Ideenbüro im Festzelt an der Reichenberger Straße traut oder lieber zuhause an Ideen tüftelt, für den sind zehn Sammelboxen im Gemeindegebiet ausgestellt, in die Ideen eingeworfen werden können. Am Freitag, 25. September, ist dann Annahmeschluss für die Ideen.

Aus Ideen werden konkrete Szenarien

Anschließend entwickeln die Mitarbeiter von „nonconform“ direkt mit Bürgern, Gemeinderäten und Verwaltung aus den gesammelten, besprochenen und herausgefilterten Ideen konkrete Zukunftsszenarien. „Im Finale am Ende der drei Tage präsentieren wir um 19 Uhr die Ergebnisse der Öffentlichkeit“, so Kroiß.

Sammlung mündet in städtebaulichem Konzept

Im Dezember war noch nicht klar, ob „nonconform“ ausschließlich die Grundlagen für das städtebauliche Planungskonzept liefert oder dann auch das fertige Konzept. Im Januar 2020 beschloss der Gemeinderat, dass das Büro auch das städtebauliche Konzept erstellt.

Handel ermöglichen, planen geht nicht

Bei der ersten Diskussion im Gemeinderat, im Dezember 2019, kam die Frage auf, ob Gewerbe oder Einzelhandel gleich mit geplant würden. Das geht laut Kroiß schlecht, denn zu dem Zeitpunkt sei nicht klar, wer Interesse habe, dort ein Geschäft oder eine Werkstatt aufzumachen. Aber eine Atmosphäre für Einzelhandel, die könne laut Kroiß in der Ideenwerkstatt schon geschaffen werden.

Das wünscht sich der Bürgermeister

Was die Stephanskirchner sich in Haidholzen-Südost wünschen, steht Ende September fest. Was sich ihr Bürgermeister wünscht? „Zunächst, dass sich viele Stephanskirchner beteiligen. Dass wir dort eine große Vielfalt an Wohnformen in energetisch gut ausgestatteten Gebäuden bekommen. Und dass die Stephanskirchner uns mitteilen, was ihnen in der Gemeinde fehlt, was wir dort unterbringen könnten.“

Die Standorte der Sammelboxen

Die Ideenboxen stehen im Rathaus, bei den Sparkassen Schloßberg und Haidholzen, bei der VR-Bank Schloßberg, beim Getränkemarkt Juraschek, bei Edeka, bei Rewe, beim Weinhaus Rothbucher, bei da Vinci und im Gasthaus Antretter.

Kommentare