Ökologisches Projekt und regionale Produkte

Die Nussknacker aus Neubeuern: Drei Geschwisterfamilien legen im Inntal Walnussplantage an

Das Team der Inntalnuss: (von links) Monika Heiß, Waltraud Poll, Peter Poll, Theresia Hell, Franz Hell und Korbinian Heiß.
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Das Team der Inntalnuss: (von links) Monika Heiß, Waltraud Poll, Peter Poll, Theresia Hell, Franz Hell und Korbinian Heiß.

Was die Walnuss alles kann: Im Ortsteil Freibichl warten rund 300 Jungpflanzen auf ihre ersten Früchte. Drei Geschwisterfamilien aus Neubeuern haben auf zwei Flächen eine ökologisch bewirtschaftete „Walnusswiese“ errichtet. Eine Einzigartigkeit im Inntal. Daraus sollen regionale Produkte erwachsen.

Von Petra Reischl-Zehentbauer

Neubeuern –  Im Ortsteil Freibichl in Neubeuern blickt man gespannt auf rund 300 Jungbäume. Hier legten drei Geschwisterfamilien aus der Marktgemeinde eine ökologisch bewirtschaftete „Walnusswiese“ auf zwei Grünflächen an – einzigartig im Inntal. „Wir wollen damit unsere Leidenschaft für gesunde, regionale Produkte verdeutlichen“, so das Team von Inntalnuss, wie sich der Betrieb nennt.

Der Frucht mehr Aufmerksamkeit schenken

„Ziel der Idee war es, durch die Pflanzung der alten deutschen Sorten ein lokales Angebot von heimischen Walnüssen aufzubauen und der wertvollen Frucht wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. In ganz Deutschland gibt es nur wenige Anbau-Betriebe und so ist dieses besondere Vorhaben Neuland für uns Gründer“, betont Korbinian Heiß. Bis die heute fünfjährigen Setzlinge ihre ersten ergiebigen Nüsse tragen, wird es noch etwas dauern. Erst in einem Alter von acht Jahren kann mit einer ertragreichen kulinarischen Verarbeitung gerechnet werden, mit 40 Jahren spendet jeder Baum dann rund 40 Kilogramm Ertrag.

Auf zwei Flächen im Ortsteil Freibichl wurde eine Wallnusswiese mit rund 300 Jungpflanzen errichtet.

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Bereits seit 2018 widmen sich die Familien Monika und Korbinian Heiß, Theresia und Franz Hell sowie Waltraud und Peter Poll im Nebenerwerb der Herstellung und Vermarktung von Walnussöl und heimisch hergestellten Walnussprodukten. Die naturbelassenen Schalenfrüchte beziehen sie aus Bayern und dem angrenzenden Österreich. Auch von den mächtigen Altbeständen in der Region komme reiche Ernte: Die Sammler im eigenen Garten können ihre getrockneten Nüsse im Lohnpressverfahren zu wertvollem, aromatischen Öl verarbeiten lassen.

Gartenfachberater findet das Projekt gut

Für das Kaltpressen von einem Liter Walnussöl werden circa zwei Kilogramm geschälte und getrocknete Nüsse benötigt. „Mit unserer Walnuss-Passion investieren wir in ein nachhaltig heimisches, biologisch wertbeständiges und generationsübergreifendes Projekt, das dem Baum des Jahres 2008 mit einer Lebenserwartung von 150 Jahren auch in Zukunft alle Ehre erweisen soll“, ergänzt das Walnuss-Team.

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„Grundsätzlich befürworten wir eine solche ,Walnusswiese‘, da sie einen wichtigen Beitrag zur Arten- und Obstvielfalt in unserem Landkreis leistet“, sagt Roman Pröll, Gartenfachberater im Landratsamt Rosenheim. Die Walnussbäume könnten einen Kronendurchmesser von 20 Metern und mehr erreichen und seien oft markante landschafts- oder ortsbildbildprägende Elemente. Tendenziell gut würden diese Bäume im Weinbauklima gedeihen. Das Klima im Landkreis Rosenheim bezeichnet Pröll noch als durchaus geeignet.

Nachdenken über Geschenk für Neugeborene

Aber auch die Walnuss lässt der Spätfrost nicht kalt: „Durch den diesjährigen späten Temperatursturz im Frühjahr sind auch die Erträge im Landkreis äußerst unterschiedlich.“ Walnussfruchtfliegen und eine Bakteriose seien ebenfalls Faktoren, die eine Ernte „erheblich beeinträchtigen“ könnten, erklärt Pröll. Christoph Schneider, Neubeuerns Bürgermeister, äußert sich positiv über die Walnussplantage: „Für uns ist das ein schönes Alleinstellungsmerkmal.“ Schneider befinde sich bereits im Dialog mit Korbinian Heiß. Man überlege nun, Walnussbäume als Geburts-Obstbäume an Neugeborene zu verschenken.

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