Landtag lässt den Abstand schrumpfen

Die neuen Nachbarn kommen näher – aber nicht in Stephanskirchen

Beispielrechnung für ein Gebäude mit 14 mal zehn Metern Grundfläche, 8,40 Metern Firsthöhe bei einem Satteldach mt 26 Grad Dachneigung, sechs Metern bis zu Regenrinne (Traufwandhöhe) und auf einen 30 auf 20 Meter großem Grundstück. Klinger
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Beispielrechnung für ein Gebäude mit 14 mal zehn Metern Grundfläche, 8,40 Metern Firsthöhe bei einem Satteldach mt 26 Grad Dachneigung, sechs Metern bis zu Regenrinne (Traufwandhöhe) und auf einen 30 auf 20 Meter großem Grundstück.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Wie nah heran darf der neue Nachbar bauen? Das regelt die bayerische Bauordnung. Ab 1. Februar 2021 darf er viel näher herankommen, beschloss der Landtag. „Wollen wir nicht“, heißt es in Stephanskirchen. Dort gibt es nun eine eigene Satzung, die für Abstand und Frieden zwischen den Nachbarn sorgen soll.

Stephanskirchen – „Das in diesen Zeiten so übers Knie zu brechen finde ich unverständlich.“ Bürgermeister Karl Mair war in der Sitzung des Bauausschusses sichtlich verärgert über „das“, über die neue Regelung der Abstandsflächen in der bayerischen Bauordnung. Die wurde am 2. Dezember vom Landtag verabschiedet und am 30. Dezember veröffentlicht. In Kraft tritt sie am 1. Februar. Und vermindert den Abstand, der zu Nachbargebäuden eingehalten werden muss, zum Teil um 60 Prozent.

Gemeinden dürfen nachjustieren

Allerdings können die Gemeinden, auch das ist in der Bauordnung vorgesehen, die Abstandsflächen mittels einer Satzung anders festlegen. Der bayerische Gemeindetag hat den Gemeinden empfohlen, sich damit auseinanderzusetzen, so Matthias Simon, Baurechtler beim Gemeindetag. Er hat sich aber weder positiv noch negativ geäußert, „weil es zum einen die Planungshoheit der Gemeinden betrifft und weil wir zum anderen die Debatte in den Gemeinden für wichtig halten.“

Stephanskirchen will mehr Abstand

Im Rathaus waren sich die Verantwortlichen einig, dass die neue Regelung so für Stephanskirchen nicht wünschenswert ist, weil die Abstände zu gering würden. Was dazu führte, dass Christian Hausstätter, Baurechtler der Gemeinde, eine Satzung entwarf.

Bisher galt, dass auf zwei Gebäudeseiten die Wandhöhe (= 1 H) und auf den beiden anderen Seiten – maximal 16 Meter lang – die halbe Wandhöhe (= 0,5 H) Abstand zum Nachbargrundstück einzuhalten sind. Gemessen jeweils ab der Mauer des geplanten Gebäudes.

Was ab 1. Februar in Bayern gilt

Ab 1. Februar soll nun laut Bauordnung auf allen Gebäudeseiten eine Abstandsfläche von 0,4 H gelten. An den Traufseiten (die Gebäudeseiten, an denen das Regenwasser vom Dach läuft, Anm. d. Red.) wird künftig immer ein Drittel der Dachhöhe mit berechnet. An der Giebelseite wird die Dachhöhe nicht mehr auf der gesamten Breite angerechnet, sondern entsprechend der Dachform. „Bei Satteldächern ergeben sich damit künftig fünfeckige Abstandsflächen“, so Hausstätter.

Was ab 1. Februar in Stephanskirchen gilt

In der Stephanskirchener Satzung sollen 0,4 H auf zwei Seiten und 0,8 H auf den beiden anderen Seiten gelten. Die Abstände würden geringer, so Hausstätter, aber in Maßen, die die Wohnqualität nicht zu sehr mindert und den Frieden in der Nachbarschaft erhält. Was bleibt, ist der Mindestabstand zum Nachbargrund von drei Metern.

„Mir rücken zsam, das Grün wird weniger“

Bürgermeister Mair (Parteifreie) erklärte, warum die Verwaltung eine Satzung wollte: Grundstücke wären noch intensiver bebaubar, was die Preise weiter in die Höhe treibe. Nachverdichtung sei möglich, noch enger solle es nicht werden. Simon vom Gemeindetag sagt: „Es wird enger, mir rücken zsam, das Grün wird weniger.“

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Johannes Lessing (Die Grünen) fand, dass man nicht alle Ortsteile der Gemeinde über einen Kamm scheren könne, Unterschiede zwischen städtischeren und ländlicheren Teilen machen sollte. Das, so Hausstätter, sei auch in Bebauungsplänen möglich.

Probleme für die Feuerwehr

Robert Zehetmaier (Bayernpartei) wies darauf hin, dass eine engere Bebauung bei Feuerwehreinsätzen schwierig werden könnte. Mit einem Dank an Hausstätter für seine Arbeit leitete der Ausschuss die Satzung einstimmig an den Gemeinderat weiter.

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