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175-Jahr-Feier heuer nachgeholt

Weil die Männer sonst zu lange weg waren: Leonhardiritt Niederaudorf 1845 ins Leben gerufen

St. Leonhard war selbstverständlich bei der Veranstaltung zu seinem Gedenken mit dabei.
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St. Leonhard war selbstverständlich bei der Veranstaltung zu seinem Gedenken mit dabei.
  • VonAlfons Lotter
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Weil die Bauern oft tagelang ausblieben, wenn sie zum Leonhardiritt in Flintsbach geritten waren, führte der Oberaudorfer Vikar Johann Baptist Spagl 1845 einen eigenen Leonhardiritt in Niederaudorf ein. Letztes Jahr fiel der Jubiläumsritt aus, in diesem Jahr wurde die 175-Jahr-Feier in Niederaudorf nachgeholt.

Oberaudorf – Bei herrlichem Herbstwetter konnten sich die zahlreichen Zuschauer über die Beteiligung von 105 Pferden, 21 Gespannen und drei Musikkapellen freuen. Pfarrer Dr. Hans Huber vom Pfarrverband Oberes Inntal fuhr nicht nur auf einer Festkutsche mit, sondern zelebrierte auch die Feldmesse im Keindl-Anger und segnete vom Kirchenportal der Niederaudorfer Dorfkirche Sankt Micheal aus Ross und Reiter.

Musik, Tracht und Gebirgsschützen

Die Leonhardifahrt wurde wie immer von drei Vorreitern angeführt die die im Jahre 1949 geweihte neue Standarte mit der vom Niederaudorfer Kunstmaler Alois Krenz gestalteten Abbildung des Heiligen Leonhard mitführten.

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Beim Umritt auf Festwägen dabei die Musikkapellen Niederaudorf, Flintsbach und Brannenburg, die Gebirgsschützen von Audorf und Flintsbach, die Trachtenvereine „D`Brünnstoana“ Niederaudorf, „Alpenrose“ Nußdorf“ und D`Jenbachtaler“ Bad Feilnbach. Die Motivwägen zeigten Nachbildungen der Kirchen von Grafenherberg, Nußdorf und Kloster Reisach. Mit dabei der Hl. Leonhard und die Erntekrone sowie neben großen Pferde-Rassen auch kleine Ponys.

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Der Niederaudorfer Leonhardiritt wurde im Jahre 1845 vom damaligen Oberaudorfer Vikar Johann Baptist Spagl gegen den Widerstand der Mutterpfarrei Flintsbach eingeführt. Niederaudorf gehörte in dieser Zeit zum Vikariat Oberaudorf und dieses unterstand dem Pfarramt Flintsbach.

Drei fesche Mädel auf festlich herausgeputzten Pferden führten als Vorreiter die Leonhardifahrt an.

Jedes Jahr am 6. November, dem Ehrentag des Heiligen Leonhard, hatten die Bauern von Audorf sowie Kiefersfelden aus dem ganzen weiten Einzugsbereich nach Flintsbach zu reiten, um am dortigen Leonhardiritt mitzumachen.

Streitereien in Flintsbach

Dem Hörensagen nach klagten vor allem die Bäuerinnen, weil so mancher Bauer oft tagelang ausblieb und viel Geld verbrauchte. Man sprach auch von Streitereien bei den langen Aufenthalten in Flintsbach.

So entschloss sich 1845 Vikar Johann Baptist Spagl für Oberaudorf, Niederaudorf, Kiefersfelden und Umgebung einen eigenen Leonhardiritt mit Pferdesegnung in Niederaudorf abzuhalten.

In der Kutsche hinter dem Haflinger-Gespann ließ es sich die Leonhardi-Fahrt entspannt erleben.

Die Vorbereitungen für den 6. November 1845 waren schon alle getroffen, da traf aus München, wohl auf Veranlassung des Pfarrers von Flintsbach, die Verordnung ein, es müsse alles beim Alten bleiben. Vikar Spagl hielt jedoch trotz Verbotes die Weihe in Niederaudorf, vor der Niederaudorfer Kirche, mit anschließendem Gottesdienst ab.

Die sehr eigenmächtige Einführung des Niederaudorfer Leonhardiritt wurde möglicherweise unterstützt durch den Bruder von Vikar Spagl, Bartholomäus Spagl, damals Lehrer an der Bergschule in Wall am Großen Audorfer Berg.

1949 wurde neue Standarte geweiht

Im November 1949 wurde eine nachträgliche Hundertjahrfeier abgehalten. Dabei geweiht die neue Standarte des Heiligen Leonhard, gestiftet von einzelnen Leonhardiritt-Teilnehmern. Gemalt hatte sie der Niederaudorfer Kunstmaler Alois Kranz. Die Standarte wird seither vom Vorreiter beim dreimaligen Umritt vorangetragen.

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In den letzten Jahrzehnten formierte sich der Kirchenzug zum Feldaltar im Keindl-Anger, stets auf der Dorfstraße. Die festlich herausgeputzten Pferde und ihre stolzen Reiter erhalten beim dreimaligen Umritt vom Portal der Dorfkirche Sankt Michael aus, den Segen.

Trotz der fortschreitenden Motorisierung in der Landwirtschaft ließen die Niederaudorfer niemals von der Tradition des Leonhardiritts ab.

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