Riederings Bürgermeister Christoph Vodermaier ist nach 100 Tagen nicht mehr im „Welpenschutz“

Christoph Vodermaier liebt die Seen in seiner Gemeinde. Den Tinninger See, hier im Hintergrund, möchte eer von zu viel Bewuchs befreien, am Simssee tankt der Bürgermeister Kraft.
+
Christoph Vodermaier liebt die Seen in seiner Gemeinde. Den Tinninger See, hier im Hintergrund, möchte eer von zu viel Bewuchs befreien, am Simssee tankt der Bürgermeister Kraft.

Riedering – Lösungsorientierte Zusammenarbeit wolle er, hatte Christoph Vodermaier bei seiner Kandidatur gesagt. Seit 100 Tagen kann er dieses Vorhaben umsetzen. Und sich um bezahlbaren Wohnraum, den ÖPNV, Gewerbeansiedlung und mehr kümmern. Und um den angeschlagenen Simssee. Denn am See, da tankt er Kraft.

Keine kommunalpolitische Erfahrung, aus der Wirtschaft – und der Verwaltungschef, Stütze der meisten neuen Bürgermeister, geht. Da kommt man ins Schwimmen, oder?

Christoph Vodermaier: „Schwimmen gehe ich am liebsten am Simssee, gerade bei diesen Temperaturen, sofern es der Terminkalender zulässt. Unser Gemeindelogo sagt schließlich „Riedering – zwischen Bergen und Seen“. Aber Spaß beiseite, die Personalsituation im Rathaus war natürlich nicht optimal bei meinem Amtsantritt, da wichtige Stellen sich im Umbruch befanden. Allerdings konnte ich auf eine absolut verlässliche, engagierte und fachlich äußerst versierte Mannschaft in der Gemeindeverwaltung und im Bauhof zurückgreifen. So wurden und werden mit hohem persönlichem Einsatz die Aufgabenstellungen umgesetzt, wofür ich mich bei allen Mitarbeitern ausdrücklich bedanken möchte. Auch wenn nicht alle Themen sofort abgearbeitet werden können, versuche ich dennoch stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger zu haben. Ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund, mein bisheriges ehrenamtliches Engagement und Interesse am gemeindlichen Geschehen und meine gute Vernetzung vor Ort und mit Behörden sind bei der Ausübung des Bürgermeisteramts sicher auch von Vorteil.“

Was war für Sie die größte Überraschung – positiv oder negativ – im neuen Beruf?

Vodermaier: „Von Überraschungen kann ich derzeit eigentlich nichts berichten. Eher von Erfahrungen. Und die waren, auch wenn ich jetzt schon deutlich merke, dass der „Welpenschutz“ nach 100 Tagen weniger wird, durchwegs positiv. Der Zusammenhalt im Gemeinderat sorgt für eine positive Grundstimmung und bildet eine gute Basis für die vielen anstehenden Projekte. Auch der Zusammenhalt in den Ortsgemeinschaften ist spürbar und hat sich beispielsweise bei den Auswirkungen des Starkregens der letzten Woche bereits wieder bewährt. Auch hier ein großes Dankeschön an die vielen ehrenamtlichen Helfer, wie zum Beispiel die Feuerwehren und auch an das Team des Gemeinde-Bauhofs!“

Die Riederinger haben sich mehrheitlich für einen Supermarkt mit darüberliegenden Wohnungen am Ortszentrum entschieden. Seit über einem Jahr hört man davon nichts. Wo hakt’s?

Vodermaier: „Ein Projekt dieser Größenordnung lässt sich leider nicht von heute auf morgen umsetzen. Nach dem Bürgerentscheid für den Standort im Herbst 2018 ist das Bauleitplanverfahren in vollem Gange. Corona-bedingt gab es zwar im Auslegungsverfahren Verzögerungen, aber wir haben uns vor Kurzem in der Gemeinderatssitzung im August erneut eingehend damit befasst und die Auslegung von eingearbeiteten Planverbesserungen beschlossen. Zudem wurde dort bereits der zukünftige Betreiber, ein junger Familienvater aus der Traunsteiner Region mit seinem Konzept vorgestellt. In dem Gesamtkonzept konnten viele Wünsche und Forderungen der Riederinger berücksichtigt werden.“

Quarzmehl soll dem Tinninger See zu einer besseren Wasserqualität verhelfen. Kann das auch ein Testlauf für den Simssee werden?

Vodermaier: „Als erstes ist mir wichtig erneut zu betonen, dass die Wasserqualität des Tinninger Sees gut ist und keine Gesundheitsgefahren durch zum Beispiel Blaualgen bestehen! Das Wachstum der Wasserpflanzen und die Symbiose dieser Pflanzen mit den unschädlichen Grünalgen stellt allerdings schon ein Problem dar und lädt nicht gerade zu einem ungetrübten Badevergnügen ein. Der Gemeinderat und die Verwaltung befassen sich seit meinem Amtsantritt bereits intensiv damit und wir suchen in Abstimmung mit einem Fachbüro für Agrarwissenschaft, dem Landratsamt, dem Wasserwirtschaftsamt und den Seebesitzern nach einer Lösung zur Beseitigung der Ursachen. Die Behandlung mit Quarzmehl stellt dabei eine mögliche symptombezogene Handlungsvariante dar. Inwieweit man Rückschlüsse auf den Simssee ziehen kann, kann ich derzeit nicht beurteilen. Nur soviel: die Wasserqualität des Simssees liegt mir sehr am Herzen. Der Simssee ist Naherholungsgebiet, touristisches Aushängeschild und Lebensraum – das soll er auch bleiben!“

Wo beziehungsweise bei wem holen Sie sich als kommunalpolitischer Neuling bei Bedarf Rat?

Vodermaier: „Bürgermeister zu sein ist kein Ausbildungsberuf und viele Entscheidungen werden nicht alleine sondern in Gremien und im Dialog getroffen. Die Leute zusammenzubringen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen ist mir dabei sehr wichtig. Daher hole ich mir Rat zum einem bei meinem Team der Freien Wählergemeinschaft Riedering, das mich im Vorfeld der Wahl bereits unglaublich unterstützt hat und mittlerweile auch partei- und wählergruppenübergreifend bei allen Gemeinderäten im Sinne eines kollegialen Austausches. Zudem habe ich mit meinen Stellvertretern, der stellvertretenden Landrätin Marianne Loferer und Dominikus Summerer, zwei erfahrene Kommunalpolitiker an meiner Seite, deren Einschätzungen und Einstellungen ich sehr schätze. Den einen oder anderen Tipp habe ich natürlich auch von meinem Vater als ehemaligem Bürgermeister bekommen und auch die Vernetzung und die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und den anderen Landkreisbürgermeistern funktioniert hervorragend.“

Was tun gegen die Löcher im Riederinger Mobilfunknetz?

Vodermaier: „Digitalisierung und IT-Infrastruktur sind in unserer Flächengemeinde ein wichtiges, aber auch schwieriges Thema. Beim Mobilfunk und gerade beim Ausbau des neuen Standards 5G sind auch die Belastung mit schädlicher Strahlung zu beachten und die Risiken für die Bevölkerung abzuwägen. Beim Breitbandausbau gibt es gute Nachrichten für Riedering zu verkünden: Hier haben wir aktuell im Juli für die nächste Ausbaurunde des Bundesförderprogramms den Bewilligungsbescheid für die beantragten Fördermittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro erhalten.“ Interview Sylvia Hampel

Kommentare