Die langsamsten Porsches aller Zeiten in der Region

50 knallrote Porsche-Traktoren starteten jeden Morgen von Rohrdorf aus zu Rundfahrten in die Region. Schlecker
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50 knallrote Porsche-Traktoren starteten jeden Morgen von Rohrdorf aus zu Rundfahrten in die Region. Schlecker
  • vonKarin Wunsam
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Der Corona-Pandemie zum Trotz trafen sich Fans der knallroten Traktoren. Nur 50 und nur aus Deutschland, nicht 1000 aus ganz Europa. Bei ihren Fahrten in der Region sorgten sie trotzdem für Aufsehen

Rohrdorf – Lange bevor der 911er zur Sportwagenlegende wurde, waren Porsches auf den Äckern und Feldern unterwegs. Bei Sammlern sind die knallroten Traktoren heiß begehrt. Rund 50 von ihnen gastierten für drei Tage in Rohrdorf.

Insgesamt wurden rund 150 000 Porsche-Schlepper während der 1950er und Anfang der 1960er Jahre gebaut. 1963 wurde die Produktion eingestellt. Heute existieren weltweit noch rund 75 000 Stück dieser Diesel-Rösser. Sammler gibt es auf der ganzen Welt. Einer davon ist Martin Zeltsperger. Der Großkarolinenfelder hat zwei Vorlieben – schnelle Autos und Traktoren.

Anton Hohlbeck aus Mühdorf hatte seine Ehefrau Rosa mitgebracht. Die beiden sitzen auf einem Porsche-Traktor, der dem jugendlichen Anton Hohlbeck einst das Leben rettete.

Ein Jahr von der Ruine zum Vorzeigestück

Aktuell besitzt Martin Zeltsperger 20 Porsche-Schlepper. Gekauft hat er die meisten in erbarmungswürdigem Zustand. Im Schnitt dauert es ein Jahr, bis aus einer „Ruine“ wieder ein Vorzeigestück wird. „In meiner Freizeit investiere ich fast täglich zwei bis drei Stunden in mein Hobby“ erzählt der 40-jährige. Zugute kommt ihm dabei sein Fachwissen als Landmaschinenmechaniker.

Vater und Sohn teilen Passion

Sein Vater Georg Zeltsperger ist ebenfalls ein großer Fan der langsamsten Porsches aller Zeiten. Zusammen besuchen die beiden gerne auch die Treffen der Porsche-Traktoren, die in ganz Europa veranstaltet werden. In diesem Jahr machte die Corona-Pandemie diesem Vergnügen bisher allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Die aktuell gelockerten Auflagen ermöglichten es dem Porsche-Diesel-Club Europa jetzt aber doch noch, zu einer gemeinsamen Ausfahrt in den Landkreis Rosenheim einzuladen – wenn auch in abgespeckter Version. Mitglieder aus dem Ausland konnten nicht anreisen. Die Teilnehmerzahl war auf 50 begrenzt. Normalerweise werden bei derartigen Veranstaltungen bis zu 1000 Teilnehmer gezählt.

Von Rohdorf durch den Landkreis

Die Organisation für das Treffen in Rohrdorf übernahmen Vater und Sohn Zeltsperger. Drei Tage lang ging es vom Gasthof zur Post aus quer durch den Landkreis. Stopps wurden beispielsweise auf dem Marktplatz von Neubeuern oder auf dem Sudelfeld eingelegt. „Wir wollen den Teilnehmern auch immer die Möglichkeit bieten, Land und Leute kennenzulernen“, erklärt Harald Stegen, Präsident des Porsche-Diesel-Club Europa.

Mit dem Traktor aus Bremen gekommen

Er selbst reiste aus Bremen an und ließ, wie viele andere Teilnehmer aus dem hohen Norden auch, seinen Porsche-Schlepper mittels Hänger nach Bayern transportieren. Auch Stegen war immer schon ein großer Porsche-Fan. Allerdings bezog sich die Leidenschaft des 75-jährigen Architekten zuerst einmal ausschließlich auf die Sportwagen. Bei einem Treffen mit Porsche-Fahrern vor gut 30 Jahren war dann einmal auch ein Porsche-Traktor vor Ort. „Zu diesem Zeitpunkt waren die Porsche-Traktoren fast völlig von der Bildfläche verschwunden“, erinnert er sich. Stegen war sofort begeistert und schaffte sich daraufhin seinen ersten Porsche-Schlepper an: „Porsche ist ein Mythos – egal ob Auto oder Traktor“.

Martin (links) und Georg Zeltsperger (rechts) aus Großkarolinenfeld organisierten das Treffen. in der Mitte Harald Stegen, Präsident des Porsche-Diesel-Club Europa.

Bei der Preisfrage verstummt der Fan

Wie viele Porsche-Traktoren er insgesamt besitzt und was er dafür bezahlt hat, gibt Stegen ebenso ungern preis wie die Mehrheit der anderen Sammler. Fakt ist: Mit mindestens 10 000 bis 20 000 Euro muss man für einen Porsche-Schlepper rechnen. Seltene Modelle in sehr gutem Zustand können auch mal über 100 000 Euro kosten.

In 63 Jahren nie repariert

Neben Geld investieren die Fans dieser kultigen Gefährte auch viel Zeit in deren Pflege. Auch der Porsche-Schlepper von Anton Hohlbeck sieht aus wie neu. Dabei ist das alte Diesel-Ross stolze 63 Jahre alt und hat über 25 000 Betriebsstunden absolviert. „Er musste in all den Jahren nicht einmal repariert werden“, erzählt Hohlbeck stolz.

Ein Traktor als Lebensretter

Der Landwirt aus Mühldorf war erst 14 Jahre alt, als seine Familie sich den Traktor anschaffte. Einmal habe der Bulldog ihm sogar das Leben gerettet „Ich bin aus Versehen über einen Abhang gefahren. Ich dachte mir, jetzt ist es aus mit mir. Ich konnte nicht mehr reagieren und habe den Schlepper einfach rollen gelassen. Er hat zuverlässig die Spur gehalten – und ich kam mit dem Schrecken davon.“

Seit 15 Jahren nutzt Hohlbeck seinen Porsche-Schlepper – rot, wie alle seiner Artgenossen – nicht mehr für die Arbeit in der Landwirtschaft, nach 48 Jahren war damit Schluss. Der 77-jährige hegt und pflegt den Traktor dennoch mit großer Leidenschaft: „Das ist mein absolutes Heiligtum“.

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