„Wer rastet, der rostet“

Die Kreidls aus Höhenmoos: Mit 95 die guten Seelen im Wirtshaus – und 60 Jahre verheiratet

Die Ehepaar Maria und Karl Kreidl feierten vor wenigen Wochen ihre Diamantene Hochzeit.
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Die Ehepaar Maria und Karl Kreidl feierten vor wenigen Wochen ihre Diamantene Hochzeit.
  • Tina Blum
    vonTina Blum
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  • Anton Hötzelsperger
    Anton Hötzelsperger
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Ihre Diamantene Hochzeit feierten vor Kurzem Maria und Karl Kreidl, die Wirtsleute von Höhenmoos. Seit 60 Jahren sind sie die guten Seelen in ihrem Wirtshaus und im Dorf. Wegen Corona hat das Wirtshaus aber derzeit geschlossen – zum Leidwesen des Jubelpaars.

Rohrdorf/Höhenmoos – So warten der 95-jährige Wirt und seine acht Jahre jüngere Frau auf das Signal der Politik, damit sie wieder aufsperren sowie Gäste und Ortsvereine bewirten können.

Zufriedenheit ist das Geheimrezept

Und wie schafft man es, so lange zusammen zu bleiben? Maria Kreidls Rezept für eine gelungene langjährige Ehe ist bescheiden: „Arbeiten, zufrieden sein, dann passt‘s auch“, erklärt die 87-Jährige. Probleme hätten sie und ihr Karl nie gehabt. Im Gegenteil: „Es ist immer gut ganga mit uns zwoa.“

„Wer rastet, der rostet“

Zwar haben beide schon ein hohes Alter erreicht und sind seit vielen Jahren Rentner. Im Ruhestand sind sie deswegen aber noch lange nicht. „Wer rastet, der rostet“, sagt Maria Kreidl und lacht. Schließlich seien sie beide „noch guad beinand“. Für Veranstaltungen, zum Beispiel vom Trachtenverein, der Feuerwehr und Landjugend, stellen sich die Wirtsleute gerne hinter den Tresen.

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Keine Feier zur Diamantenen Hochzeit

Auch jetzt, da sie aufgrund der Pandemie ihr Wirtshaus schließen und viel zu Hause bleiben müssen, wissen sie sich zu beschäftigen. So gehen sie spazieren und beschäftigen sich im Haus.

Auf die Frage, wie das Ehepaar ihren 60. Hochzeitstag feierte, sagten die Beiden: „Gar nix haben wir gefeiert. Bei der Goldenen Hochzeit kamen wir mit Geschwistern und Verwandten zusammen, diesmal gab es nur einen Besuch des Neffen mit seiner Frau, das war’s!“

Ehemann bei Ausflug kennengelernt

Gerne erinnert sich die Wirtsfrau an die Zeit vor ihrer Ehe. Damals war sie in Raubling bei einem Firmen-Direktor als Hausmädchen tätig. „Mein Schwager Paul war dort als Chauffeur beschäftigt. Er nahm mich einmal sonntags zu einem Ausflug nach Höhenmoos mit und da lernte ich Karl im dortigen Wirtshaus kennen.“

Mit der Hochzeit ergab sich für Maria eine komplett neue Arbeitssituation: „Damals waren noch viele Leute, die Oma, Tante, Geschwister im Haus, ich war nicht die einzige Frau, dazu hatten wir sieben Tage die Woche die Gastwirtschaft offen und auch noch eine Landwirtschaft mit Stall-Aufgaben, aber ich hatte immer einen guten Mann und wir kamen immer gut zurecht.“

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Gäste aus der ganzen Welt bewirtet

Besondere Herausforderungen waren in den 60er-Jahren unter anderem drei Gautrachtenfeste des örtlichen Trachtenvereins mit dem Chiemgau-Alpenverband. „Anfangs hatten wir noch einen Bierkeller, den wir ganzjährig mit Eis kühlen mussten. Bei den ersten Gaufesten gab es noch kein Festzelt, da half das ganze Dorf mitsamt den Hausgästen mit, damit wir alle Trachtler bewirten konnten“, so Karl Kreidl.

Die Hochzeitskerze mit dem Bild vor 60 Jahren.

Der 95-Jährige blickt mit seiner Frau stolz auf die sieben Jahre zurück, in denen Gäste aus aller Welt durch eine Kooperation mit dem Goethe-Institut in Achenmühle zu Gast waren. „In unserem Gästebuch finden sich viele Eintragungen, die Studenten haben mit ihren ersten Deutschkenntnissen ihren Dank festgehalten und ihre Münzen und Briefmarken als Erinnerung eingeklebt“.

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Volksmusikalische Wochen brachten die Wirte an ihre Grenzen

Eine weitere Episode war der Beginn der Volksmusikalischen Wochen: „Die ersten Jahre waren diese Wochen nach Ostern bei uns im Haus und in Höhenmoos. Der Zuspruch wurde immer größer, die Musikanten wollten immer bis 4 Uhr früh aufbleiben, wir aber mussten in der Früh in den Stall und dann wieder die Wirtschaft betreiben“, erinnert er sich. Da sei es recht gewesen, dass die Veranstaltung auf dem Samerberg sesshaft werden konnte.“

Sehnsucht nach der Bohnenknödl-Suppe

Wann die Wirtsleute wieder aufsperren können, ist offen. Schön wäre es, wenn es gemäß der langen Tradition am Politischen Aschermittwoch wieder das „Bohnenknödl-Suppe-Essen“ geben würde, hofft Maria Kreidl. „Angefangen haben wir vor rund 30 Jahren. 40 Pfund von den kleinen, braunen Wachtelbohnen habe ich dabei für 120 Knödel gebraucht – und es hat immer allen geschmeckt.“

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