Nach zwei Stunden eingefangen

Kalb „Gretl“ entwischt aus Stall in Marienberg und quert bei ihrem Ausflug die B15

Franz Vogl ist froh, dass Gretl unbeschadet wieder im heimischen Stall sind und die kinder Franz junior und Sabine freuen sich auch.
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Franz Vogl ist froh, dass Gretl unbeschadet wieder im heimischen Stall sind und die kinder Franz junior und Sabine freuen sich auch.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Einfach mal die Welt erkunden, das fand Gretl spannend. Gretl ist drei Monate alt und in Marienberg daheim. Am Dienstag entwischte sie vom heimischen Hof und ging auf Wanderschaft. Bis an den Inn. Zwei Stunden war das Kalb unterwegs, querte dabei auch die B15.

Schechen – Es waren gleich mehrere Autofahrer, die am Dienstag gegen 12.30 Uhr die Polizei alarmierten, dass direkt neben der B15 ein Kalb laufe. Da waren die Nachbarn von den Höfen der Umgebung schon eine Weile als Cowboys und Cowgirls im Einsatz, versuchten, die abenteuerlustige Gretl einzufangen.

Fast erwischt und dann wieder weg

„Das war anstrengend, das Kalb ist schnell“, erzählt Hansi Zehetmayer, der mit seiner Schwester ausgerückt war, Gretl in Sicherheit zu bringen. „In einem Hölzl hätten wir sie fast gehabt, dann war sie wieder weg.“ Eine Erfahrung, die auch die ausgerückten Polzisten machten. Sie sahen, wie Pressesprecher Robert Maurer mitteilt, das Kalb auf einer Wiese an der Bundesstraße grasend. Als sich die Beamten näherten, lief das Tier in den Wald, kam aber wieder zurück auf die Wiese. Das Ganze ging mehrere Male so.

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Nachbarn helfen der Polizei

Da dürften die Polizisten ganz froh um die Verstärkung aus der Nachbarschaft gewesen sein. Elisabeth Grabmaier wohnt direkt an der B 15, rückte auch aus. „Die Autofahrer haben super regiert, sind alle vorsichtig gefahren. Und später hat dann ja die Polizei eingegriffen“, sagt sie. Trotzdem hätten alle beteiligten Glück, dass nicht passiert sei.

Drei Kälber blieben am Hof, Gretl ging strawanzen

Franz Vogl, dem Gretl gehört, war nicht zuhause, als das tierische Abenteuer begann, „wir waren einkaufen“. Vermutungen gehen dahin, dass die Tür der Box, in der Gretel mit drei anderen Kälbern steht, wohl nicht hundertprozentig fest verriegelt war, so dass die neugierigen Kälber ausbüxen konnten. Während ihre drei Artgenossen sich rund um den Hof die Beine vertraten, ging Gretl stiften, über mehrere Kilometer, über die Bahngleise und über die Bundesstraße.

Garten vom Bahnwärterhäusl angeschaut

„Als sie beim Bahnwärterhäusl in der Au im Garten stand, hat die Nachbarin uns angerufen und gefragt, ob das Kalb uns gehört“, so Zehetmayer. Er habe noch ein paar Nachbarn informiert und sei los.

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Gretl genoss die Freiheit

Bei Grabmaiers war der Hof leer, alle waren auf der Jagd nach Gretl, „mal was ganz anderes“, lacht Elisabeth Grabmaier. Das „temperamentvolle Kalb“ wollte sich aber von den acht bis zehn Menschen, die ihm auf den Fersen waren, so leicht nicht in seiner gerade entdeckten Freiheit beschneiden lassen, „mir san dem Kaibe lang nachg‘laufen“.

Am Holzlagerplatz war die Jagd zuende

Gemeinschaftlich näherte man sich Gretl, hatte sie irgendwann so umzingelt, dass sie sich „dem Gewahrsam der Fänger nicht mehr entziehen konnte“, wie die Polizei mitteilt. Am Lagerplatz von der Waldbauernvereinigung war es, da hatte Gretl, laut Vogl immerhin an die 120 Kilo schwer, nicht mehr so viel Bewegungsfreiheit. Und irgendwann hatte sie denn den Strick um den Hals, konnte wohlbehalten ihrem Besitzer übergeben werden.

Wohlbehalten auf dem heimischen Hof

Zwei Stunden, schätzt Vogl, habe es etwa gedauert, bis Gretl wieder auf dem heimischen Hof war. Kein Vergleich zu „Yvonne“, der Simmentaler Fleckviehkuh, die vor zehn Jahren bei Zangberg im Landkreis Mühldorf ausriss und erst nach 100 Tagen wieder eingefangen wurde. Aber Yvonne war damals auch schon sechs Jahre, nicht erst ein paar Monate alt.

Robert Maurer räumt ein, dass die Polizei nicht in Erfahrung bringen konnte, ob Gretl nun in die Fußstapfen von Dieter Hallervordens Kuh Elsa oder doch eher in die von Stier Gerhard aus dem Raublinger Baumarkt treten wollte.

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