CSU Stephanskirchen und frühere Rätinnen möchten Streit beenden

Petra Schnell (links) und Petra Hofmann stiegen aus der CSU und der CSU-Fraktion aus, hielten die Begründung bisher eher allgemein. Bis der CSU-Ortsverband in die Offensive ging. Schlecker
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Petra Schnell (links) und Petra Hofmann stiegen aus der CSU und der CSU-Fraktion aus, hielten die Begründung bisher eher allgemein. Bis der CSU-Ortsverband in die Offensive ging. Schlecker
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Persönliche Enttäuschung oder Mobbing, Vertrauensentzug oder fehlerbehaftete Abrechnungen, das Mandat gehört der Partei oder Kommunalwahl ist Persönlichkeitswahl – der Riss zwischen der CSU Stephanskirchen und den beiden ehemaligen Mitgliedern, den Gemeinderätinnen Petra Hofmann und Petra Schnell ist tief.

Stephanskirchen – Beim CSU-Ortsverband läuft es nicht rund. Das ist spätestens seit dem Austritt der Gemeinderätinnen Petra Hofmann und Petra Schnell aus Partei und Fraktion öffentlich. Zu den Unstimmigkeiten in der CSU Stephanskirchen, deren Ursache und Wirkung gibt es nun neue und widersprüchliche Aussagen.  

Streitpunkt 1 - die Beweggründe

Schon bei den Ursachen für den Austritt aus der CSU und der CSU-Fraktion gehen die Meinungen auseinander: Petra Hofmann und Petra Schnell begründen ihren Schritt mit „nicht enden wollenden Unstimmigkeiten mit Teilen des Ortsvorstandes und der CSU-Geschäftsstelle Rosenheim“.

Diese Aussage sei ihm unerklärlich, heißt es dazu in einer Stellungnahme des Ortsverbandes, schließlich sei Petra Hofmann damals als Ortsvorsitzende die Chefin gewesen.

Enttäuschung oder Mobbing?

Ihren Rücktritt von diesem Amt könne man nachvollziehen „wegen der persönlichen Enttäuschung“ durch das schlechte Abschneiden bei der Kommunalwahl. Genau damit habe ihr Entschluss jedoch wenig zu tun, sagt Petra Hofmann.

Sie spricht, unterstützt von Petra Schnell, unter anderem von mangelndem Respekt, fehlender Solidarität, Mobbing und offenen Drohungen im erweiterten Ortsvorstand und bei einigen Gemeinderatskandidaten. Heftige Vorwürfe, zu denen sich der Ortsverband nicht explizit äußert.

Streitpunkt 2 – Schatzmeister das Vertrauen entzogen

Fast vier Monate – von April bis Juli – war der CSU-Ortsverband 2020 finanziell nicht voll handlungsfähig: Der Schatzmeister war zurückgetreten, die Vorsitzende Hofmann kurz danach ebenso. Außer diesen beiden hatte sonst niemand Kontovollmacht.

Auch hier klaffen die Meinungen auseinander: Die Vorsitzende habe dem Schatzmeister das Vertrauen entzogen, deswegen sei dieser zurückgetreten, so ist es in der Stellungnahme des Ortsverbandes formuliert. Petra Hofmann nennt dagegen als Grund: fehlerbehaftete Abrechnungen.

Noch nicht alles bezahlt

Die Sache hatte für die ehemalige CSU-Politikerin sogar persönliche finanzielle Folgen: Die Stephanskirchner CSU habe die von Hofmann für den Wahlkampf vorgestreckten Kosten zunächst nicht erstattet können, so die Mitteilung des Ortsverbandes.

Erst seit der Nachwahl des Vorstandes Ende Juli sei die CSU Stephanskirchen finanziell wieder voll handlungsfähig, so Stephan Jonke, der seitdem Ortsvorsitzender ist. Selbstverständlich würden die ausstehenden Wahlkampfkosten nun so bald wie möglich beglichen. Der erste Teilbetrag ist jetzt bei Petra Hofmann eingegangen.

Zwei Frauen, eine neue Fraktion

Petra Hofmann und Petra Schnell waren auch nach ihren Parteiaustritten zunächst Mitglieder der CSU-Fraktion im Gemeinderat geblieben. Im Juni aber stiegen sie auch hier aus und machten zu zweit eine eigene, neue Fraktion auf.

Zuvor waren sie von Seiten des CSU-Fraktionsvorsitzenden aufgefordert worden, ihre Mandate als Gemeinderätinnen abzugeben. „Ein einmaliger Vorgang in der Stephanskirchner CSU“, sind sich Hofmann und Schnell einig.

Streitpunkt 3 - die Sitze im Gemeinderat

Das sieht der Ortsverband erneut anders: Petra Hofmann habe vergangenes Jahr innerhalb des Ortsvorstandes die Rückgabe der Gemeinderatsmandate von Karl Mair und Anton Forstner gefordert, sagte Jonke auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen. Mair und Forstner waren 2019 aus der Partei ausgetreten. Auch Petra Schnell habe sich entsprechend geäußert.

Ob das gegenüber Mair und Forstner ebenfalls geschehen sei, weiß Jonke nicht.  „Lüge!“ kontert nun Petra Hofmann diese Aussage des amtierenden Ortsverbands-Vorsitzenden. Sie habe weder die Rückgabe der Mandate noch des Postens als 2. Bürgermeister gefordert, den Mair damals bekleidete. Er sei nicht zum Rücktritt aufgefordert worden, erklärte Karl Mair gegenüber der OVB-Heimatzeitung.

Gemeinderatswahl ist Persönlichkeitswahl

Petra Schnell hatte die Nicht-Rückgabe ihres Mandates damit begründet, dass die Gemeinderatswahl eine Persönlichkeitswahl sei. Dem sei zuzustimmen, heißt es in der Stellungnahme der CSU. Dennoch sei unbestritten, so heißt es in dem Statement weiter,  dass die beiden in den Gemeinderat gewählten Frauen diesen Erfolg auch der Tatsache zu verdanken hätten, dass sie „für die CSU auf einem prominenten Listenplatz antraten“.

Petra Schnell wurde von Listenplatz elf auf Platz sechs vorgewählt. Petra Hofmann stand als Bürgermeisterkandidatin auf Platz eins.

Keine Lust mehr auf Weiterstreiten

Von seinen Positionen abrücken will augenblicklich keiner. Wohl aber will der Ortsverband das Kriegsbeil jetzt begraben. Petra Hofmann habe einen Wahlkampf mit sehr viel persönlichem Einsatz geführt, dafür gebühre ihr Dank.

„Wir alle, der Ortsvorstand und das von Petra Hofmann zusammengestellte Kandidatenteam, sind mit unserem Wahlergebnis nicht zufrieden. Der Blick aber geht nach vorne, so dass wir in der Vergangenheit nicht mehr länger wühlen wollen“, heißt es von dieser Seite. Das wollen auch Petra Schnell und Petra Hofmann nicht, wie sie der OVB-Heimatzeitung mitteilten.

Ortsverband soll sich neu ausrichten

Das war auch der Rat des CSU-Kreisvorsitzenden bei der Jahresversammlung der Stephanskirchner CSU. Klaus Stöttner empfahl dem Ortsverband, nach vorne zu schauen, sich neu auszurichten und die Differenzen hinter sich zu lassen.

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