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Ärger im Ausschuss

Der Schwarzbau des Architekten: In Baierbach werden aus Wohnzimmer zwei Ferienwohnungen

Der hölzerne Anbau an ein Haus im westlichen Teil von Baierbach ist größer als genehmigt und wird anders genutzt. Beides stößt Gemeindeverwaltung und -räten sauer auf. Den Schwarzbau einfach so zu genehmigen, kommt für Stephanskirchen offenbar nicht in Frage. 
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Der hölzerne Anbau an ein Haus im westlichen Teil von Baierbach ist größer als genehmigt und wird anders genutzt. Beides stößt Gemeindeverwaltung und -räten sauer auf. Den Schwarzbau einfach so zu genehmigen, kommt für Stephanskirchen offenbar nicht in Frage. 
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Ausgerechnet ein Architekt stellt einen Schwarzbau nach Baierbach und will den dann nachträglich genehmigen lassen. Das sorgt für Unmut in Politik und Verwaltung.

Stephanskirchen – Ein Anbau, der um 52 Quadratmeter größer wird, als genehmigt. Eine Garage samt Nebenräumen, die um 27,5 Quadratmeter wächst und an eine andere Stelle rückt. Das nachträglich einfach durchzuwinken, das war dem Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde zu viel des Guten.

„Wir sollen hier einen Schwarzbau legalisieren“, ärgerte sich Stephan Mayer (Parteifreie). Auch Johannes Lessing (Die Grünen) war sauer: „Der Bauherr ist Architekt. Der ist in der Materie drin und weiß genau, was er tut.“

Wohnzimmer wurde zu Ferienwohnungen

Vor gut zehn Jahren, im Mai 2011, war in Baierbach ein Anbau eines rund 50 Quadratmeter großen Wohnzimmers und einer Garage genehmigt worden. Bei einer Baukontrolle in jüngster Zeit stellte der Mitarbeiter des Landratsamtes fest, dass der Anbau zum einen länger und breiter wurde. Zum anderen wird er als Ferienwohnungen vermietet – was so auch nicht genehmigt war.

Warum die Baukontrolle erst jetzt erfolgte, kam nicht zur Sprache. Aber der Eigentümer soll die Ferienwohnungen im Internet bewerben. Und, so die Erfahrung des Landratsamtes: Der beste Baukontrolleur ist und bleibt der Nachbar.

Der Bauherr verwies in einem Schreiben darauf, dass er die Bodenplatte eines ehemaligen Anbaus samt Garage habe nutzen wollen. Er beantragte jetzt, mehr als zehn Jahre später, den Bau von zwei Ferienwohnungen mit Carport in Baierbach. Dabei wird die nördliche Baugrenze um 47,5 Quadratmeter überschritten, das Garagengebäude liegt komplett außerhalb der festgesetzten überbaubaren Flächen, und der Flächen für Nebenanlagen. Ein Gewächshaus im Süden des Grundstücks befindet sich in einer Fläche, die als ortsbildprägende private Fläche festgesetzt ist. Alle Stellplätze werden direkt von der Straße aus erschlossen. Die gemeindliche Stellplatz- und Garagenordnung sieht vor, dass alle Stellplätze auf einem Grundstück über eine gemeinsame Zufahrt mit maximal fünf Metern Breite erschlossen werden müssen.

Angesichts der Verärgerung der Bauausschussmitglieder berichtete Wolfgang Arnst, Bauamtsleiter und Bauingenieur, dass er mehrfach mit seinem Kollegen Christian Hausstätter, Baurechtler der Gemeindeverwaltung, zusammengesessen und beratschlagt habe. Zuletzt auch mit Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie), selber Diplomingenieur Architektur. Eine Ablehnung des Bauantrags habe vermutlich den Rückbau beziehungsweise Abbruch des Gebäudes zur Folge. „Und das erschien uns dann doch als zu drastisch für ein Vorhaben, das genehmigungsfähig wäre,“ so Arnst. Erschwerend komme allerdings hinzu, dass der Bauherr Kollege sei. Ortsplanerisch sei das Vorhaben aber zu vertreten. Und Ferienwohnungen täten der Gemeinde ja auch gut, so Mair.

„Der Edelstein verliert Glanz“

Lessing hielt fest, dass Ferienwohnungen in Baierbach ohne Frage toll sind, „Wohnungen für Einheimische wären das aber auch.“ Er höre immer wieder, dass der Bebauungsplan Baierbach „ein Edelstein“ sei. Wenn man den Befreiungen von diesem Bebauungsplan jetzt zustimme, „verliert der Edelstein Glanz“.

Auch Mair, zum Zeitpunkt der Genehmigung Mitglied im Bau- und Planungsausschuss, war merklich angefressen. Das Vorhaben hätte ja genehmigt werden können, „deswegen ist es umso trauriger, dass dieser Weg gewählt wurde. Das ist nicht nachahmenswert.“

Der Gemeinderat soll entscheiden

Angesichts der offensichtlichen allseitigen Irritationen in Ausschuss und Verwaltung stellte der stellvertretende Bürgermeister Robert Zehetmaier (Bayernpartei) schließlich einen Antrag zur Geschäftsordnung: Ob der jetzt vorliegende Antrag genehmigt werde oder nicht solle nicht der Ausschuss entscheiden, sondern der gesamte Gemeinderat. Dann könnten sich alle Fraktionen auch nochmal beraten. Diesem Antrag wurde gegen eine Stimme stattgegeben.

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