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Heiraten während der Pandemie

Der schönste Tag im Leben findet unter strengen Auflagen statt – auch in Stephanskirchen

Hell, freundlich und bei Trauungen nur zu einem Drittel belegt: Der Trauungssaal im Rathaus in Schloßberg. 
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Hell, freundlich und bei Trauungen nur zu einem Drittel belegt: Der Trauungssaal im Rathaus in Schloßberg. 
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Es ist der schönste Tag im Leben. Oder sollte es zumindest sein. Der Tag, an dem zwei Menschen „Ja“ zueinander sagen. Vor Familie und Freunden, mit denen nach dem „Ja“ gefeiert wird. Das aber ist seit knapp zwei Jahren nicht mehr so einfach. Die Corona-Pandemie lässt es nicht zu.

Stephanskirchen/Prutting – Das Trauungszimmer in Stephanskirchen ist hell und freundlich. Und deswegen nicht nur bei den Stephanskirchner Heiratswilligen gefragt, sondern auch bei denen aus den drei anderen Gemeinden im Standesamtsbezirk Stephanskirchen, bei den Pruttingern, Vogtareuthern und Söchtenauern. Seit zwei Jahren Zusatzattraktion: Der große Vorplatz des Rathauses in Schloßberg. Denn der wird im Anschluss an die Trauung gerne zum Spalierstehen beim Empfang des Brautpaares und für Stehempfänge genutzt. „Ich habe schon viele Luftballons an meinem Fenster vorbeifliegen sehen“, berichtet Bürgermeister Karl Mair schmunzelnd.

Trauungssaal nur zu einem Drittel gefüllt

Bei den Empfängen vor dem Rathaus können dann auch all die dabei sein, die im Trauungssaal keinen Platz finden. „Wir dürfen nur etwa ein Drittel der eigentlich vorhandenen Plätze nutzen“, sagt Elisabeth Freund, Leiterin des Standesamtes.

Immerhin wieder. Johannes Thusbaß, Pruttings Bürgermeister, erinnert sich noch lebhaft an die Zeit vor gut einem Jahr, als bei der Trauung nur die Brautleute, ihre Trauzeugen und er, der „Eheschließungstandesbeamte“, im Raum sein durften. „Es war wirklich nicht leicht, dass ich wegen der Pandemie-Regeln sogar die Eltern aussperren musste.“

Im Rathaus in Schloßberg gilt die 3G-Regel, es dürfen also auch Ungeimpfte mit gültigem PCR-Test an der Trauung teilnehmen. Es gilt aber auch die Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen. „Davon können wir leider nur das Brautpaar ausnehmen“, bedauert Elisabeth Freund.

Zahlen deutlich niedriger als 2019

Nach der standesamtlichen die kirchliche Trauung und dann mit Familien, Freunden und Bekannten groß feiern, das macht Trauungen am Freitag und einem der zwölf dafür vorgesehenen Samstag besonders attraktiv. Eigentlich. Denn die großen Feiern sind in den vergangenen zwei Jahren nur ganz selten möglich gewesen.

Das lässt sich auch an den Zahlen ablesen: Im Vor-Corona-Jahr 2019 fanden im Standesamtsbezirk Stephanskirchen 109 Trauungen statt, in den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 waren es jeweils 89, im vergangenen Jahr auch eine gleichgeschlechtliche – zwei Männer gaben sich das Ja-Wort. „Es sind viele Eheschließungen verschoben worden. Ich gehe davon aus, dass heuer die Nachfrage größer sein wird“, sagt Elisabeth Freund.

Dann wird wohl auch wieder mehr Post an Rudolf Leitmannstetter, Bernhard Summerer und Johannes Thusbaß, die drei trauenden Bürgermeister von Vogtareuth, Söchtenau und Prutting gehen.

Bürgermeister bekommen Post aus dem Standesamt

Denn die bekommen eine Woche vor der standesamtlichen Hochzeit alle nötigen Unterlagen aus Stephanskirchen. „Das funktioniert bestens“, so Thusbaß, der seit seinem Amtsantritt im Mai 2020 16 Ehen geschlossen hat. „Aber nur von Pruttingern oder Menschen, die eine Beziehung zu Prutting haben. Andere traue ich nicht.“

„Eine der schönsten Aufgaben als Bürgermeister“

Thusbaß hat sich im Ehestandsrecht schulen lassen und sich eine Checkliste für das Vorgespräch erstellt. Er will gut vorbereitet sein auf „eine der schönsten Aufgaben, die ich als Bürgermeister habe“. Und seine Rede bei der Trauung von zwei Sportfans ist eine andere, als bei zwei Naturschützern – so viel Individualität muss sein.

Trauung nach Australien übertragen

„Ich habe vor jeder Trauung Lampenfieber. Aber das möchte ja auch sein. Schließlich bringe ich da zwei Menschen auf einen möglichst langen gemeinsamen Lebensweg“, sagt Thusbaß. Deswegen hat er auch schon so manche Live-Übertragung aus dem Rathaus möglich gemacht: Einmal war der Bruder positiv auf Corona getestet, einmal ein Bruder zum Arbeiten und Reisen in Australien, einmal der Freundeskreis außerhalb versammelt.

Einmal musste der Bürgermeister auch als „Seelsorger“ ran: Die Braut verspätete sich. Die ersten Minuten sei der Bräutigam noch ganz gelassen gewesen, erzählt Thusbaß. Dann aber sei er von Minute zu Minute nervöser geworden – und die Braut war nicht zu erreichen. Da half nur gut zureden.

Auch schon Freunde getraut

Thusbaß ist Anfang 30. Für viele das beste Hochzeitsalter. Schon mal Freunde getraut? „Ja – da ist die Stimmung schon lockerer“ gibt er zu.

Hochzeit mit ausgesperrten Eltern, Live-Übertragung nach Australien, Freunde, deutlich verspätete Braut - es war fast alles schon dabei. „Nur eine Nottrauung, wo einer der Eheleute im Sterben liegt, die hatte ich noch nicht. Und die wird hoffentlich auch lange nicht nötig sein.“

„Samstags sind noch Termine frei“

Jeden Monat kann in Stephanskirchen an einem Samstag geheiratet werden. Der erste Termin 2022 ist am Samstag, 22. Januar. Es folgen der 19. Februar, der 19. März, der 9. April, der 21. Mai, der 25. Juni, der 16. Juli, der 6. August, der 17. September, der 15. Oktober, der 12. November und der 17. Dezember.

Bisher sind laut Standesbeamtin Elisabeth Freund erst neun Termine vergeben, es gibt also noch Kapazitäten. „Die Anfragen werden wegen der Corona-Pandemie eher kurzfristig kommen“, vermutet die Standesbeamtin.

Deutsche können am selben Tag heiraten, bei Ausländern dauert‘s länger

Wollen zwei volljährige Deutsche heiraten, die ledig oder rechtskräftig geschieden sind, dann ist das ziemlich unaufwändig: Pass oder Personalausweis einstecken, die Bestätigung dazu, dass man nicht anderweitig schon verheiratet ist und das war es eigentlich schon. Bei vorhandenen Kindern braucht man noch ein paar zusätzliche Unterlagen. Sind auch die vorhanden, „ist eine Trauung am selben Tag möglich“, sagt Standesbeamtin Elisabeth Freund.
Sind aber Ausländer involviert, dann sieht es anders aus. Da kann es lange dauern und ist oft kniffelig. Ds ist einer der Gründe, warum sich zunehmend mehrere Gemeinden zusammentun, ein zentrales Standesamt haben. In Norden des Landkreises haben sich die Gemeinden alle an das Wasserburger Standesamt gehängt, in der Mitte haben sich Vogtareuth, Prutting und Söchtenau mit Stephanskirchen zusammengetan. So landen die kniffligen Fälle alle bei Elisabeth Freund auf dem Schreibtisch. Und die hat mittlerweile Routine. Die hätte der Kollege oder die Kollegin auf dem Dorf, wo Ehen mit eher exotischer als europäischer ausländischer Beteiligung nur alle paar Jahre vorkommen, nicht.
16 Eheschließungen mit Migrationshintergrund hatte Elisabeth Freund allein 2021 zu bearbeiten. „Es kamen Anfragen mit Verlobten aus allen Teilen der Welt, darunter Länder wie Madagaskar, Vietnam, Ägypten, Marokko, Brasilien oder Ecuador“, berichtet sie. Einige dieser Länder tun sich schwer damit, die nötige Ehefähigkeitsbescheinigung auszustellen – oder sie lassen sich Zeit oder sie machen es gar nicht. Dann geht die Angelegenheit ans Oberlandesgericht in München. Das besorgt entweder die Bescheinigung oder befreit die betroffene Person von der Notwendigkeit. Manchmal braucht Elisabeth Freund nicht nur Routine, sondern auch Geduld und Hartnäckigkeit. Die Trauung mit dem längsten Verfahren und meisten Aufwand im vergangenen Jahr war die Hochzeit eines syrischen Flüchtlings mit einer algerischen Staatsangehörigen. Das Verfahren, mit Beteiligung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Algier und dem Befreiungsverfahren beim Oberlandesgericht München dauerte rund 16 Monate. „Ich habe es noch immer geschafft, dass jeder, der heiraten wollte, auch heiraten konnte“, sagt Elisabeth Freund und lacht.

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