LESERFORUM

Der Parkgebühren-Virus greift weiter um sich

Zum Bericht „Oberaudorf prüft Parkgebühren“ (Lokalteil):

Immer mehr Gemeinden verlangen Parkgebühren für die öffentlichen Parkflächen. Dazu gibt es oft Beschwerden und Proteste, auch in Leserbriefen. Ich meine, eine Parkgebühr ist legitim und gerecht. Gemeinden müssen auch Unterhaltsleistungen und Aufwendungen für die Parkflächen leisten, und schließlich ist ein Parkplatz nur unter einem beträchtlichen Aufwand herzustellen.

Viele Gemeinden leiden unter einer finanziellen Not. Wer mit seinem Pkw zum Freizeitvergnügen fährt, sollte sich auch die Parkgebühr leisten können. Wenn wir darüber nachdenken, sollten wir auch zu einer großzügigeren Verhaltensweise kommen. Ich habe ein typisches Beispiel am letzten Sonntag erlebt auf dem Parkplatz beim Gasthof Bichlersee in Oberaudorf. Der Wirt bittet an der Einfahrt um eine freiwillige Parkgebühr von vier Euro. Es war keine Kontrollperson vor Ort. Vor meiner Ankunft waren schon circa 50 Pkw abgestellt. Beim Einwurf in die Spendenschachtel bemerkte ich, dass sehr wenige Münzen schon drin waren. Auch nachfolgende Parkplatznutzer sind achtlos daran vorbei gegangen. Ich hatte das Gefühl, dass ich der Einzige war, der den Wunsch nach einem Obolus gefolgt war. Viele andere Pkw waren in der Natur geparkt, wo gerade eine kleine Lücke war.

Denken die Menschen nur noch an sich, ohne Rücksicht auf die anderen? Wirte leiden sowieso schon unter der Pandemie sehr stark. Da gönnt man ihnen nicht einmal eine kleine Einnahme aus dem Parkplatz, der ja nicht von selber entstanden ist, sondern mit einem finanziellen und persönlichen Aufwand. Ich finde es sehr schade, dass der Egoismus und die Rücksichtslosigkeit immer mehr Menschen ergriffen hat.

Dieter Schönleben

Oberaudorf

Nicht nur das Coronavirus hat Oberaudorf fest im Griff. Nun ist der Gemeinderat auch noch von dem Parkgebühren-Virus infiziert worden. Ich war bisher der Meinung, dass die Gemeinde an Tourismus interessiert wäre. Die durchfahrenden Ausflügler kann man mit Parkgebühren nicht abschrecken, aber diejenigen, welche eventuell daran interessiert sind, sich den Ort anzusehen und auch etwas kaufen oder einzukehren wollen. Das Argument, dass damit die Gäste die Möglichkeit haben, die Parkzeit zu verlängern ist nach meiner Auffassung an den Haaren herbei gezogen.

Wenn man die Parkgebühren mit dem Skipass verrechnen kann, hat die Gemeinde entweder keine Einnahmen oder man muss den Skipass entsprechend erhöhen. Der Bürgermeister spricht davon, von den Einnahmen einen bombigen Spielplatz bauen zu können. Das hört sich für mich wie Bauernfängerei an. Hier wird Geld ausgegeben, welches noch gar nicht vorhanden ist und dann wird es später meistens für andere Dinge verwendet. Auch muss erst einmal investiert werden. Bei fünf Automaten, sind dies schon mal 50 000 Euro. Die Automaten müssen von der Gemeinde aufgestellt, entleert, gewartet und gegebenenfalls repariert werden. Wer geht dann mehrmals täglich und kontrolliert, ob die Gebühr auch entrichtet worden ist? Der Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung Oberland macht die Kontrolle auch nicht umsonst.

Hier überwiegt doch ganz eindeutig die Idee zusätzliches Geld in die Gemeindekasse zu bringen, ohne die negativen Folgen für Handel, Gastwirtschaft und Fremdenverkehr ausreichend berücksichtigt zu haben. Ganz zu schweigen von dem negativen Image. Sollte der Gemeinderat nicht besser seine Zeit dafür verwenden, um zu überlegen, wie etwa Gewerbebetriebe gewonnen werden können, um für nachhaltige Einnahmen zu sorgen.

Hans-Georg Althoff

Oberaudorf

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