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Zu Besuch in der Region Rosenheim

Das berichten zwei ukrainische Priester über den Krieg in ihrem Land

Nach langer Fahrt auf dem Hof der Familie Schmid in Rohrdorf angekommen: (von links) die Priester Roman Dutchak und Volodymyr Firman mit ihrem Übersetzer Ivan Vynnyk. Kirschner
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Nach langer Fahrt auf dem Hof der Familie Schmid in Rohrdorf angekommen: (von links) die Priester Roman Dutchak und Volodymyr Firman mit ihrem Übersetzer Ivan Vynnyk. Kirschner
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Im Osten der Ukraine wütet der Angriffskrieg Russlands, der Westen des Landes scheint sicheres Terrain. Doch zwei Priester aus Ternopil berichten während ihres Besuchs in der Region Rosenheim, wie auch dort der Krieg für Leid sorgt und wie sie versuchen zu helfen.

Rohrdorf/Chiemgau – Erst gegen 16.30 Uhr ploppt bei Katharina Schmid die erlösende Nachricht auf ihrem Handy auf: „Wir sind bei Rohrdorf“. Für die Gäste aus dem ukrainischen Ternopil ist bereits alles gerichtet: Tee und Kaffee, Kuchen mit Pudding, darauf Erdbeeren oder Ananas. Doch in jenem Moment, als die Priester Roman Dutchak und Volodymyr Firman die gute und warme Stube des Hauses betreten, ist das alles vorerst nebensächlich und man liegt sich in den Armen.

Luftangriffe im Westen

Die beiden Geistlichen sind gute Bekannte des Chiemgauer Helferkreises für die Erzdiözese Ternopil. Sie gehören zur ersten Generation jener, denen der Helferkreis eine Priesterausbildung ermöglicht hatte. Gut 20 Jahre ist das jetzt her. Damals herrschte Frieden in der Ukraine, heute Krieg.

Volodymyr Firman ist ein bulliger Typ. Jemand, dem man irgendwie ansieht, dass er lieber anpackt, anstatt lange zu reden. Er öffnet seinen Kragen, sein Kollar hängt seitlich ein wenig heraus, als er ein Stück Kuchen genießt. Dann spricht er: über seine Erfahrungen aus dem Krieg.

Schon als Russland 2014 wider das Völkerrecht in die Ukraine eindrang, um die Halbinsel Krim zu annektieren, war Firman dabei. Als Militärkaplan. Die Eindrücke von damals hätten ihm schlimme Träume beschert, wie er berichtet.

Heute, in Ternopil, ist er weit weg von der Front im Osten des Landes. Und doch sagt er: „Der Krieg ist überall in der Ukraine.“ Wie zum Beweis zückt er sein Handy und zeigt auf dem Display jene Warnungen, die bei Luftangriffen an die Menschen gehen. Etwa fünfmal am Tag, wie er schildert.

Männer bleiben oft an der Front

Gemeinsam mit Roman Dutchak organisiert er in Ternopil Hilfen für Geflüchtete aus den umkämpften Gebieten im Osten der Ukraine. Das ist auch der Grund, warum beide nach Deutschland gefahren sind. Nicht alles, was sie hier für ihre Heimat organisieren, darf geschrieben werden. Die Angst, dass russische Nachrichtendienste dies spitz bekommen, scheint allgegenwärtig.

Etwa 4,2 Millionen Menschen hätten die Ukraine inzwischen verlassen, rund 6,2 Millionen Ukrainer aus den umkämpften Gebieten hätten inzwischen im Westen des Landes Schutz gesucht. Mit dem festen Willen, auch in der Ukraine zu bleiben. Für einen Teil dieser Menschen organisieren die beiden Priester Nahrung, Kleidung und Unterkünfte an verschiedenen Orten in Ternopil. Vornehmlich seien es Frauen mit Kindern, die flüchteten. Die Männer blieben oft an der Front im Osten des Landes.

Volodymyr Firmans Worte übersetzt Ivan Vynnyk, ein junger Priesteranwärter, der gerade an der Münchener Ludwigs-Maximilians-Universität promoviert. Firmans Erzählungen aus Ternopil lässt der 31-Jährige in einem derart sanften Deutsch erklingen, als hätte sich die Welt am 24. Februar nicht grundlegend verändert. An jenem Donnerstag, als Russland mit seinen Drohungen ernst machte und die Ukraine abermals mit Truppen angriff.

Wiedersehensfreude: eine Umarmung für Priesteranwärter Ivan Vynnyk.

In Vynnyks Seelenruhe merkt man dem jungen Mann nicht an, ob und wie ihn die Ereignisse in seiner Heimat beschäftigen. Er sieht sich selbst ohnehin an dieser Stelle eher als Nebendarsteller. Vordergründig gehe es um das Engagement Firmans und seines Priesterkollegen Roman Dutchak.

Frieden für die ganze Welt

Der ist ganz anderer Typ Mann. Er erinnert optisch eher an Vater Ralph aus den Dornenvögeln. Während des Gesprächs hält er sich weitestgehend im Hintergrund und lässt Firman reden. Aber irgendwann spricht auch er und dankt: Deutschland dafür, dass es bereitwillig Kriegsflüchtlinge aufnimmt, aber auch den vielen Hilfsorganisationen und natürlich dem Chiemgauer Helferkreis für die Erzdiözese Ternopil. „Wir wünschen uns Frieden – und der ganzen Welt“, ergänzt er.

Es muss nun schnell gehen. Am Abend werden beide Priester zu einem Vortrag in Prien erwartet. Bleiben wollen sie nur eine Nacht, bevor sie sich wieder auf den Weg machen – zurück in die Ukraine, um zu helfen.

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