Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Fresko und Uhr runderneuert

Der heilige Geist war nicht zu sehen: Sanierung des Neubeurer Kirchturms abgeschlossen

In schwindelnder Höhe verleiht Kirchenmaler Michael Pertl dem Turm eine ein neues Gesicht.
+
In schwindelnder Höhe verleiht Kirchenmaler Michael Pertl dem Turm eine ein neues Gesicht.

Der linke Engel war schon etwas blaß um die Nase, der Hahn leicht bemoost und die Uhr nicht mehr so wirklich gut zu lesen. Es war an der Zeit, den Turm der Kirche Mariä Empfängnis am Neubeurer Marktplatz zu sanieren.

Neubeuern – Nach einem Spendenaufruf vor einem Jahr zur Rettung des Bildnisses erklärte sich Marktplatzanwohner Willi Bruckbauer bereit, für die Renovierung aufzukommen. Die Marktgemeinde übernahm die Instandsetzungskosten der Kirchturmuhren und die Hälfte der Gerüstkosten.

Der Putz bröckelte samt Fresko

Den Turm aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ziert ein Fresko des damals am Samerberg lebenden Malers Oskar Martin-Amorbach (1897 - 1987), der auch in Neubeuern wirkte. Das Fresko um das Ziffernblatt der Kirchturmuhr litt seit über einem Jahrzehnt an den Folgen von Erosionen und wies bereits erhebliche Schäden auf. Nässe und Frost hinterließen zerstörerische Spuren, lockerten den Putz und ließen ihn sukzessive abbröckeln.

Lesen Sie auch: Zwölfter Trachten- und Handwerkermarkt in Neubeuern verzeichnet rund 4.000 Besucher

Am 27. April machte sich der Kirchenmaler und Sachverständige Michael Pertl in schwindelnder Höhe ans Werk. 28 Meter über dem Boden reinigte er das gesamte Fresko, entfernte die losen Farbschichten und die sich schonungslos ausbreitende Bemoosung. Anschließend erfolgte die dreilagige Erneuerung der Putzflächen und die Lokalisierung der Hohlstellen, die zur Festigung mehrmals hinterspritzt wurden.

Lesen Sie auch: Zwischen Chiemgau, Inntal und Tirol: Grenzübergreifender Ausflugsbus auf Eröffnungsfahrt

Nach der 14-tägiger Trocknungsphase behandelte der Fachmann die neuen Putzflächen mit Ätzflüssigkeit, um eine gute Haftung der Bemalung mit reinen Mineralfarben und lichtechten Pigmenten zu erzielen. Denn „die neue Bemalung soll möglichst lange halten“, so seine Intention.

In schwindelnder Höhe verleiht Kirchenmaler Michael Pertl dem Turm eine ein neues Gesicht.

Hierbei profitiert er von seiner langen Berufserfahrung. Bereits vor 50 Jahren renovierte der heute 85-Jährige zusammen mit seinem Vater die beiden Turmuhren mit einem Durchmesser von 2,10 Metern. Damals überlegte man, die Ziffernblätter aus Stahl durch korrosionsfreien Kunststoff zu ersetzen. Sinnvoll bestehen blieben die widerstands- und hitzebeständigeren Zeiteisen, die geschliffen, gereinigt, mit Spezialöl behandelt und mit einem siebenlagigen Lackaufbau versehen heute noch verlässlich ihren Dienst tun. Aufwendig zeigte sich auch das Auftragen der Ziffern, die erst neu aufgezeichnet und dann zweimal lackiert werden mussten. Das farblich harmonische Ensemble komplettierte Michael Pertl in seiner Werkstatt hinter der Kirche mit den Uhrzeigern, die nach deren Lackierung zweifach mit 24-karätigem Blattgold veredelt wurden.

Lesen Sie auch: „Danco-Kapelle“ in Neubeuern hat neuen Besitzer

Probleme zeigten sich zuerst bei der Entfernung, dann bei der Beschaffung der Befestigungsschrauben, weil das damals verwendete Gewinde nicht mehr hergestellt wird. So kamen nach einer schwierigen Demontage die alten, gereinigten Schrauben wieder zum Einsatz.

Zuletzt vermauerte Christian Tiefenmooser die drei Einschublöcher unter dem Fresko, durch die früher Balken geschoben und Bretter aufgelegt wurden – als Arbeitsplatz für Restaurationsen quasi Vorläufer der heutigen Metallgerüste.

Engel symbolisieren Übergang zum Tag

Zwei Engel mit einem Hahn und einer Sanduhr in Händen, als Symbole für den Übergang der Nacht zum neuen Tag und die verstreichende Zeit, umrahmen die Uhr. Mittig darunter wacht der Heilige Geist, dargestellt in Form einer Taube. Die Darstellung war nur noch aus unmittelbarer Nähe fragmentarisch zu erkennen, jetzt kann sie ihre Wirkung wieder entfalten. Der Spenglerbetrieb Andreas Leitner setzte über das Fresko noch ein Dacherl, um es fortan vor Witterungseinflüssen besser zu schützen.

Bewunderung für das vollendete Kunstwerk zollte Mesner Sepp Englberger, der mit Blick hinauf zum Turm meinte, „es war höchste Zeit, dem künstlerischen Kulturerbe am Kirchturm Aufmerksamkeit zu schenken, es professionell aufzuwerten und somit vor dem Verfall zu retten.“

Mehr zum Thema