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Sechs Wochen lang vergeblich bemüht

Ex-Luftwaffenoffizier Loy aus Brannenburg will afghanische Ortshelfer retten

Der Ex-Luftwaffenoffizier Hannsdieter Loy aus Brannenburg will Ortskräften helfen.
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Der Ex-Luftwaffenoffizier Hannsdieter Loy aus Brannenburg will Ortskräften helfen.
  • VonKatharina Koppetsch
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Die Bundeswehr holt deutsche Staatsbürger und einheimische Ortskräfte in einem hektisch organisierten Einsatz aus Afghanistan raus. Zu spät, wie viele finden. So auch der pensionierte Luftwaffenoffizier Hannsdieter Loy aus Brannenburg, der gerne viel früher geholfen hätte – und an der Bürokratie scheiterte.

Brannenburg – Bereits vor rund sechs Wochen hatte Loy bei verschiedenen Ministerien gedrängt, die Evakuierung der Ortshelfer voranzutreiben. Über die regionale Politik seien Loy sogar Plätze für die Aufnahme einiger Geflüchteten in Aussicht gestellt worden. Sein Engagement lief aufgrund der behördlichen Strukturen innerhalb der Ministerien jedoch ins Leere.

Loy versuchte es bei sechs Behörden

Loys Initiative begann mit der Rückkehr der deutschen Soldaten aus Afghanistan Ende Juni, die ohne einen offiziellen Empfang ablief. „Wenn ein Kontingent nach 20 Jahren im Einsatz zurückkehrt, dann muss jemand da sein“, sagt Loy. Eine Kritik, die auch vielfach in den Medien laut wurde. „Das war der Anlass, darüber nachzudenken. Bereits da gab es die Zusage Deutschlands, die Ortskräfte, Menschen vor Ort, die der Bundeswehr geholfen haben, wie zum Beispiel Köche oder Dolmetscher, nach Deutschland zu holen“, so Loy. Passiert sei aber nichts. Deswegen sein Entschluss, sich privat zu engagieren.

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Ortskräfte aus Afghanistan kommen am frühen Morgen auf dem Gelände der DRK-Flüchtlingshilfe in der Erstaufnahmeeinrichtung an, hier an der Zentralen Ausländerbehörde Brandenburgs.

Nachfragen bei sechs unterschiedlichen Behörden

Seine Anfragen stellte er an sechs unterschiedliche Behörden – und sein Bemühen verlief letztendlich bei einer E-Mail-Adresse in Kabul ins Leere.

Zunächst nutzte Loy seine Kontakte zur Bundeswehr und wandte sich an einen Kollegen beim Einsatzführungskommando. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Koordination von Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Der von ihm angesprochene Oberst „war ganz meiner Meinung, verwies mich aber ans Innenministerium“.

Herausforderung ist die Bürokratie

Eine Anfrage von Seiten der OVB-Heimatzeitungen warum mit der Evakuierung der Ortskräfte so spät begonnen wurde, blieb seitens des Verteidigungsministeriums bislang unbeantwortet.

Parallel zu seinen Gesprächen wandte sich Loy an das „Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte“. Es ist ein Verein, dem auch ehemalige Soldaten angehören, der sich für die Überführung von Ortshelfern nach Deutschland einsetzt. Das größte Problem sei, so der Verein gegenüber Loy, die „Bürokratie, durch die man sich wälzen muss“.

Interview mit Marcus Grotian vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte:

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Vor sechs Wochen, als Loy anfing, sich um die Ortskräfte in Afghanistan zu bemühen, hatte der Bundestag gerade einen Antrag der Grünen zur Erleichterung der Aufnahme von afghanischen Ortskräften abgelehnt. Damit galt die Regelung, dass die Kräfte, die von 2013 direkt bei der Bundeswehr gearbeitet hatten, nach Deutschland kommen dürfen.

Dafür mussten sie zuvor eine sogenannte Gefährdungsanzeige bei ihrem Vorgesetzten einreichen. „Seehofer hat verfügt, dass die Ortskräfte eine gesamte Überprüfung wie bei normalen Flüchtlingen durchlaufen“, klagt Loy an. Dabei habe es doch bereits eine Prüfung der Kräfte gegeben, als sie bei der Bundeswehr angestellt worden seien.

Anfrage beim Innenministerium

Loy, der seit seiner Pensionierung als Autor tätig ist und sein Alter nicht preisgeben will, wandte sich mit seinen Anliegen ans Innenministerium. „Wenn wir anbieten, Ortskräfte aufzunehmen, wo wenden wir uns hin?“ Das Ministerium habe den Brannenburger, so sein Eindruck, nur ein wenig belächelt. „Denn nur weil es eventuell die Möglichkeit gibt, Ortkräfte in der Region Rosenheim aufzunehmen, kommen sie nicht hierher“, sagt Loy. Die Verteilung, wo die geretteten Menschen aus Afghanistan derzeit untergebracht werden, wird zentral gesteuert.

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Das Innenministerium habe Loy nichtsdestotrotz an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verwiesen. Von dieser Behörde habe er wiederum eine Mailadresse in Kabul erhalten. „Ich habe dort vier Mails in Deutsch und in Englisch hingeschickt.“ Eine Antwort habe der ehemalige Soldat bisher aber noch nicht bekommen – und so verlief seine Initiative, die bereits vor sechs Wochen begann, ins Leere.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe startet auf dem Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover Richtung Afghanistan.

Das BAMF beantwortete die Anfrage von Seiten der OVB-Heimatzeitungen, welche Herausforderungen die derzeitige Rettung birgt, bis Redaktionsschluss nicht.

Ereignisse überschlagen sich

In den vergangenen Tagen überschlugen sich die Ereignisse in Afghanistan. Die Bundeswehr fliegt derzeit mit Transportflugzeugen vom Typ A400M und A310 deutsche Staatsbürger sowie einheimische Ortskräfte und ihre Familien aus. Die Evakuierungsmission wurde am Mittwoch vom Kabinett bestätigt und ist mit 600 Soldaten voraussichtlich bis zum 30. September begrenzt.

Mit Besorgnis verfolgt Loy die Berichte über die Evakuierung. „Wenn man einmal Soldat ist, dann bleibt man Soldat. Es berührt mich.“ Denn Loy weiß auch, dass es vor Ort zum Teil um Leben und Tod geht. Dass vielleicht durch frühzeitiges Eingreifen vieles hätte verhindert werden können. „Ich schäme mich für Deutschland.“

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