LESERFORUM

Der Bürger sollte mitbestimmen

Zum Bericht „Ja zu Drogerie- und Supermarkt“ (Lokalteil und Leserbrief vom 18. März):

„Versiegeln und verschandeln – Hauptsache, die Kasse klingelt!“ Es geht um Heimat und Kulturlandschaft, massiv bedroht durch Energie- und Agrarwende, kommunalem Ehrgeiz, Wirtschaftsboom und steigenden Mobilitätsbedürfnissen. Ein Supermarkt auf der grünen Wiese fordert hohen Flächenverbrauch zulasten der Landwirtschaft. Es geht zudem vor allem um die feinsinnige, ökologische Betrachtungsweise des Verschwindens von alltäglichen Naturerfahrungen, landschaftlicher Eigenart, Vielfalt von Fauna und Flora. Muss man dieses Objekt schulterzuckend hinnehmen, gibt es denn keine wirksame rote Linie? McKinsey warnt in seinem Gutachten „Bayern 2025. Alte Stärke, neuer Mut“ vor einem Überschreiten dieser roten Linien, die Bayerns Unverwechselbarkeit und Stärke gefährden. Unsere Gemeindeverantwortlichen müssen eine „verlässliche rote Linie“ markieren, die den Bestand an identifikationsstiftenden Objekten wie Landschaften, Bräuchen oder Traditionsvereinen schützt – sie sind nicht verfügbar gegenüber kurzfristigen Verwertungsinteressen. Umwelt- und Landschaftsschutz werden bedrängt von meist kurzfristigen, ökonomischen Interessen Einzelner, die ihre Wünsche verfolgen. Diese müssen allerdings auch dem Allgemeinwohl entsprechen. Der freie Markt verfolgt kurzfristige Interessen. Der Markt spürt keine Verantwortung für die Zukunft und die nachfolgenden Generationen. Oberaudorf sollte einen tiefgehenden Leitbildprozess seiner lokalen Werte von Raum und Landschaft verbindlich formulieren, bevor der Flächennutzungs- und Bebauungsplan verändert wird. Es braucht Kraftreserven und Werte in einer ganzheitlich angepassten Dorferneuerung und Städtebauförderung.

Ludwig Resch

Oberaudorf

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