INTERVIEW MIT ALEXANDER HOH, VERKAUFSLEITER CHIEMGAU RESIDENZEN

„Denkmalschutz winkte ab“

Alexander Hoh (42), Verkaufsleiter Chiemgau-Residenzen.
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Alexander Hoh (42), Verkaufsleiter Chiemgau-Residenzen.

Brannenburg-Degerndorf – Seit 1929 prägte die Windisch-Villa das Ortsbild von Brannenburg-Degerndorf.

Später wurde das Sudetendeutsche Priesterwerk darin untergebracht. Nun wurde das Anwesen an die Firma Chiemgau-Residenzen verkauft, die die Gebäude abreißen und darauf Mehrfamilienhäuser errichten möchte. Doch es regt sich Widerstand. Die Heimatzeitung sprach mit dem Verkaufsleiter der Firma, Alexander Hoh (42). Ebenfalls auf dieser Seite ist ein Leserbrief zu dem Thema veröffentlicht.

Der sogenannte „Windischhof“, eine imposante Villa, später die Heimstatt für das Sudetendeutsche Priesterwerk, wird nun abgerissen. Hätte man nicht zumindest Teile der Bauten erhalten können?

Beim Kauf des kompletten Grundstückes und des massiven Anwesens wurde dies auch in Erwägung gezogen. Nach Begehung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege am 17. Januar 2017 wurde jedoch festgestellt: „Eine besondere Bedeutung des Anwesens nach Kriterien des Art 1 DschG kann, trotz des malerischen Eindruckes, nicht erkannt werden, da durch die An- und Umbauten der 1950er-Jahre in die originale Bausubstanz eingegriffen und die Aussagekraft des Landhausbaus insgesamt stark verändert worden ist.“

Unter Berücksichtigung aller Aspekte, insbesondere der Bausubstanz des mehrfach erweiterten Objektes, waren sich alle einig, dass sich eine harmonische Einfügung neuer, kleinerer Baukörper besser und positiver auf das Wohngebiet auswirken wird.

Was wird an gleicher Stelle entstehen?

In der Gemeinderatsitzung vom 13. März 2018 wurde die Änderung des Bebauungsplanes mit Bebauung von vier Mehrfamilienhäusern beschlossen. Es sind Wohnungen ab etwa 60 Quadratmeter vorgesehen. Wir planen die Ausstattung hochwertig, modern und barrierefrei. Jeder Anwohner kann komfortabel in der Tiefgarage parken und über einen Lift direkt bis zur Wohnung gelangen.

Kritik entzündet sich auch an der Art der Bebauung. „Zu massiv“ und „zu hoch“, heißt es. Wie sehen Sie das?

Die neuen Baukörper sind wesentlich kleiner und auch wesentlich niedriger als der Altbestand. Es gab mehrere Anläufe und Pläne, um die Wünsche der Gemeinde zu erfüllen. Nachdem ursprünglich der Erhalt des Altgebäudes mit einer Erweiterung um einen zusätzlichen Bau, für den es bereits ein Baurecht gibt, geplant war, wurden dann zunächst große Mehrfamilienhäuser geplant. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bebauung mit Doppel- und Reihenhäusern geprüft. Aufgrund der damit verbundenen, viel höheren Verdichtung und Oberflächenversiegelung durch Haupt- und Nebengebäude sowie Zuwegung auf dem Grundstück, wurde dies jedoch endgültig verworfen.

In Abstimmung mit der Gemeinde und den Gemeinderäten wurde eine Bebauung mit vier kleineren Mehrfamilienhäusern und gut geschnittenen Wohnungen gewünscht – dem ist man auch nachgekommen. Alle umliegenden Häuser profitieren von einer kleineren Bebauung. Es entsteht mehr Ausblick, mehr Grünfläche und auch mehr Lichteinfall zwischen den Häusern. Die neuen Baukörper wurden von der Höhenentwicklung (Erdgeschoss, Obergeschoss und Dach) den vorherrschenden umliegenden Häusern (Mehrfamilienhäuser, Doppelhäuser und Einfamilienhäuser) angepasst und um die neuen Gebäude herum entstehen parkähnliche Grünflächen.

Wie sieht das Konzept für die Bebauung aus? Wie viele Menschen werden dort einmal eine Heimat haben?

Um das idyllische Wohngefühl in der Siedlung weiter zu fördern, bauen wir zwei Häuser mit sechs und zwei Häuser mit acht Wohnungen. Aus unserer langjährigen Erfahrung bedeutet dies, dass hier zukünftig circa 48 Menschen eine neue Heimat finden werden. Würde der Altbestand einer Renovierung unterzogen, so wäre ein Ausbau mit bis zu 100 Appartements möglich und bedeutet mehr als das doppelte an Bevölkerungs- und Verkehrszuwachs.

Mit der erheblichen Reduzierung durch die neue Bebauung tragen wir aus unserer Sicht auch einen deutlichen Teil dazu bei, dass nicht nur die Personen, sondern auch das Verkehrsaufkommen geringer ausfällt.

Im Übrigen ist festzustellen, dass die von uns vorgeschlagene Bebauung von der Nachbarschaft begrüßt wurde. Die Mehrheit der direkten Nachbarn hat unserem Plan schriftlich zugestimmt.

Interview: Sigrid Knothe

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