„Das Wasser hat uns fest im Griff“

Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter aus Vogtareuthan seinem „Lieblingsplatzerl“ in der Gemeinde. Vor allem den weiten Blick über das Hinterland liebt der Rathauschef. Hierher kommt er öfter, zumal er für Skitouren, seinem Lieblingssport, kaum mehr Zeit hat, seit er in Amt und Würden ist. ammelburger
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Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter aus Vogtareuthan seinem „Lieblingsplatzerl“ in der Gemeinde. Vor allem den weiten Blick über das Hinterland liebt der Rathauschef. Hierher kommt er öfter, zumal er für Skitouren, seinem Lieblingssport, kaum mehr Zeit hat, seit er in Amt und Würden ist. ammelburger

Wasser! „Ja, auch im neuen Jahr wird uns dieses Thema fest im Griff haben“, ist Rudolf Leitmannstetter, Bürgermeister aus Vogtareuth, fest überzeugt.

Und nein, es gehört nicht zu seinen Lieblingsthemen. „Ich hatte deshalb schon schlaflose Nächte“, erzählt er. Zum Jahresbeginn sprachen die OVB-Heimatzeitungen mit dem Rathauschef über Pläne, Wünsche und Notwendiges für 2016. Eines wurde dabei deutlich: Leitmannstetter zählt nicht zu den Vorlauten seines Berufsstandes, dafür aber zu den Konsensfähigen. Ein glückliches Händchen im Umgang mit den Bürgern wird ihm ohnehin nachgesagt.

Vogtareuth– „Bei der Wasserversorgung steht die Gemeinde mit dem Rücken zur Wand. Denn die Quelle in Zaisering, die immer noch recht ergiebig ist, muss geschlossen werden. Es fehlt das notwendige Schutzgebiet“, sagt der Bürgermeister. Eigentlich sollte sie laut Vorgabe durch das Landratsamt bereits am 31. Dezember 2015 geschlossen werden.

Noch im ersten Vierteljahr 2016 müsse deshalb eine Entscheidung über das weitere Vorgehen im Gemeinderat fallen. „Aus Kostengründen“, so Leitmannstetter, werde sich Vogtareuth entweder zusammen mit der Nachbargemeinde Prutting – sie benötigt ebenfalls einen neuen Standort für die Wasserversorgung – auf die Suche machen, oder aber mit den Stadtwerken Rosenheim. „Diese zwei Möglichkeiten haben wir“, sagt er und fügt an: „Wir müssen in die Gänge kommen.“

Das Thema „Wasser“ habe ihn von seiner ersten Stunde an als Bürgermeister begleitet. Die endgültige Entscheidung über die richtige Kooperation und den passenden Standort sei mit weitreichenden Folgen verbunden: „Es ist eine Entscheidung für die nächsten 50 Jahre.“ Intensive Gespräche sowohl mit Prutting als auch mit den Stadtwerken und der Stadt Rosenheim seien bereits geführt worden. „Wir wollen keinen Schaden an der Natur. Das ist uns sehr wichtig.“ Wichtig sei aber auch, dass die kleine Gemeinde Vogtareuth mit rund 3100 Bürgern unabhängig bleiben und mit dem großen Partner auf Augenhöhe kommunizieren könne. „Wir wollen nicht über den Tisch gezogen werden“, macht der Rathauschef so manche Befürchtung aus dem Gemeinderat den Stadtwerken gegenüber deutlich. Deshalb müsse in den Vertrag, der dem neu zu gründenden Zweckverband zugrunde liegen soll, festgehalten werden, dass Vogtareuth grundsätzlich Vorfahrt bei der Wasserentnahme haben soll. „Auch der Katastrophenfall – und nur im Notfall möchte ja Rosenheim an das Wasser – muss so geregelt sein, dass die maximale Entnahmemenge für Rosenheim festgelegt ist und Vogtareuth trotzdem Priorität bei der Entnahme hat.“

Mit der Gemeinde Prutting, die zeitlich nicht so unter Druck stehe, würden ebenfalls intensive Gespräche geführt. Doch Leitmannstetter will erst die Ergebnisse der geologischen und hydrologischen Untersuchungen durch Fachinstitute abwarten. „Sobald die Fakten auf dem Tisch liegen, sehen wir weiter. Es bleibt spannend“, meint der Rathauschef.

Natürlich sei sein Leben als Bürgermeister „nicht immer ein Zuckerschlecken“, aber doch „überwiegend angenehm“. Das sei vor allem seinem Gemeinderat geschuldet, der gemeinsam konstruktiv an Lösungen arbeite. „Das sieht man auch an dem schwierigen Umfeld Wasser. Natürlich haben wir unterschiedliche Meinungen, wir sind auch verschiedene Charaktere im Rat. Doch wir werden gemeinsam zu einer guten Lösung kommen“, ist sich Leitmannstetter sicher.

Viele Bürger kommen im Laufe eines Jahres zu ihm und berichten von Ideen und machen kritische Anmerkungen. „Das sauge ich alles auf und versuche, es in den Gemeinderat einzubringen.“ Denn eine Herzensangelegenheit sei ihm die Entwicklung seiner Gemeinde. „Auch an uns geht die Demografie nicht spurlos vorüber. Wir müssen uns Gedanken über die gemeindliche Entwicklung, über unsere Zukunftsstrategie machen“, sagt er. Ein Vorteil: Die zahlreichen Kinder und Jugendlichen im Ort. „Viele engagieren sich in Vereinen. Gerade die Feuerwehr ist breit aufgestellt. Darum beneidet uns so manche Nachbar-Feuerwehr.“

Deshalb ist Leitmannstetter auch zufrieden über die verkehrliche Entwicklung an der Staatsstraße 2359 – hier soll eine Abbiegespur nach Straßkirchen kommen – und die Nahversorgung durch den geplanten Nettomarkt. „Beides werden wir in 2016 anpacken und fertigstellen.“ (Bericht folgt).

Und dann packt er doch noch seine „Vision für 2016“ aus: Ausbau des Breitbandnetzes, um den gewerblichen Standort zu sichern und auszubauen, Integration der bislang 14 Flüchtlinge aus Syrien dank des „tollen Helferkreises“, verstärkte Zusammenarbeit mit der Schön-Klinik, Ausweisung von Bauland für Einheimische und die Entwicklung eines Ortszentrums. „Besonders hier möchte ich vorankommen.“ Und dabei weiß der Rathauschef viele engagierte Mitbürger hinter sich. „Allerdings ist es für mich manchmal schwierig, Geduld aufzubringen. Ich bin nämlich kein geduldiger Mensch“, gesteht er. Deshalb ist er froh, dass es beim „Prinzessinnenhaus“ endlich weitergeht. Mit Blick auf das kommende Jahr sagt er: „Gleich zu Beginn feiern wir zwei Jubiläen: 90 Jahre Frauengemeinschaft und 150 Jahre Schützen.“ Wenn das kein Start ist.

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