70 JAHRE MITGLIED IM KIRCHENCHOR:

Das Singen hält Klaus Wachinger aus Neubeuern jung

Ein Geschenk für verdiente 70 Jahre: Klaus Wachinger gehört seit 1950 dem Neubeurer Kirchenchor an.
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Ein Geschenk für verdiente 70 Jahre: Klaus Wachinger gehört seit 1950 dem Neubeurer Kirchenchor an.

Klaus Wachinger (84) hat Spaß an der Musik. Den hatte er schon als junger Mann. Bereits mit 14 Jahren ist er 1950 dem Neubeurer Kirchenchor beigetreten. Heute, 70 Jahre später, ist er immer noch voller Eifer dabei. „Das Singen gibt mir alles“, sagt er. Ans Aufhören denke er noch lange nicht.

Neubeuern – Dabei war er anfangs gar nicht als Sänger mit an Bord, sondern spielte 26 Jahre lang Geige. Vor dem Singen hatte er zunächst noch etwas Respekt, schildert er lachend am Telefon. Aber es dauerte nicht lange, bis er sich einen Ruck gab und sich in anderen Chorgemeinschaften als Tenorsänger ausprobierte: 40 Jahre lang gehörte er auch der Neubeurer Chorgemeinschaft unter dem verstorbenen Leiter Enoch zu Guttenberg an.

Darüber hinaus war er 25 Jahre lang Mitglied beim Männergesangsverein Liederkranz Aising und 40 Jahre lang bei der Musikkapelle Neubeuern. Irgendwann kam dann der Moment, in dem Klaus Wachinger auch im Neubeuerer Kirchenchor als Tenorsänger in Erscheinung trat. Dass der heute 84-Jährige singen konnte, das wussten die Chormitglieder. Und als ein jüngerer Geigenspieler anbot, dem Kirchenchor beizutreten, ergriff Wachinger die Gelegenheit, die Geige beiseite zu legen und seine Stimme einzusetzen. Von da an sang er 30 Jahre lang Soli beim Kirchenchor.

„Männer sind Mangelware“

Pia Hausner ist seit 2014 Leiterin des Neubeurer Kirchenchors und bezeichnet Wachinger als ein „wertvolles Mitglied“. In all den Jahren habe er seine Stimme „kontinuierlich gepflegt.“ Und: Männer seien in Chören Mangelware. „Das ist besorgniserregend. Vor allem Tenöre sind ganz dünn gesät.“

Dass Mitglieder wie Klaus Wachinger dem Chor so lange die Treue halten, findet Pia Hausner toll. Gerade das mache auch den Zusammenhalt, das Gesellige, eines Vereins aus. Singen kann Pia Hausner als Hobby nur empfehlen: „Singen hält fit – körperlich und geistig.“ Als Chorleiterin achte sie auf eine sorgfältige Sprachbildung. Dass Vokale schön gebildet werden, erfordere Konzentration. Darüber hinaus würden auch die Lungen beim Singen durchlüftet.

Die schönen Feste bleiben in Erinnerung

Dass das Singen jung hält, empfindet auch der 84-Jährige so: „Das Singen hält einen lebendig. Es ist gut für die Seele und für das Gemüt.“ In einem Verein sei man auch stets unter Freunden: „Wir haben viele schöne Feste gefeiert.“

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Etwas, das dem 84-Jährigen im Augenblick fehlt. Nach den Proben habe die Gruppe stets noch einen Abstecher zum Wirtshaus „Stangenreiter“ gemacht. Nichts mehr von alldem ist wegen Corona derzeit möglich.

Im Herbst hatte man einen Versuch gestartet, in der Kirche Altenbeuern zu proben, schildert Pia Hausner. Aber das ständige Lüften empfanden die Mitglieder als lästig: „Mit der Grippe brauchen wir uns jetzt auch nicht ins Bett legen, haben wir beschlossen“, erklärt Hausner. Und so habe man das mit den Proben wieder sein lassen. Katastrophal sei das. Aber die Leiterin hat für die Hygienemaßnahmen Verständnis – und hofft auf bessere Zeiten. „Anderen geht es schlechter“, findet der Neubeurer.

Ein schönes Lob motiviert

Beruflich war Wachinger als Müller bei der damaligen Kunstmühle in Rosenheim tätig. Ob es fürs professionelle Singen gereicht hätte? „Vielleicht hätte das Talent ausgereicht“, mutmaßt er. „Aber ich hatte auch noch andere Freuden und Hobbies.“ Ein schönes Lob, nette Worte. Das hätte ihn stets motiviert, mit dem Singen weiter zu machen.

Pfarrer Christoph Rudolph ist stolz auf das bislang älteste Mitglied im Neubeurer Kirchenchor: „70 Jahre Jubiläum habe ich als Pfarrer auch noch nie erlebt. Das ist schon etwas Besonderes.“ Dass es im Kirchenchor „so viele gute Stimmen“ gibt, sei eine tolle Sache. Schade findet der Geistliche, dass die Kirchenmusik unter Corona leidet.

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