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„Corona hat unsere Pläne aufgefressen!“

Die „Lucky Horse Ranch“ aus Stephanskirchen hatte Pech und sucht dringend eine neue Heimat

Koni und Lisa Gradl betreiben die „Lucky Horse Ranch“ in Stephanskirchen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände suchen sie nun zunehmend verzweifelt nach einer neuen Heimat für ihre 15 Tiere und sich selbst.
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Koni und Lisa Gradl betreiben die „Lucky Horse Ranch“ in Stephanskirchen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände suchen sie nun zunehmend verzweifelt nach einer neuen Heimat für ihre 15 Tiere und sich selbst.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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16 Jahre lang gab es die „Lucky Horse Ranch“ in Stephanskirchen. Bis Juni müssen die Betreiber Koni und Lisa Gradl nun unbedingt ein neues Zuhause für sich und ihre Tiere finden.

Stephanskirchen - Eigentlich war schon alles für die nächste Phase im Leben durchgeplant. Die „Lucky Horse Ranch“ sollte mit allen 15 Pferden und Ponys nach Ungarn umziehen. „Das ist einfach ein Pferdeland, unglaubliche Weiten in denen man reiten gehen kann“, schwärmt Lisa Gradl gegenüber rosenheim24.de. Doch dann kam Corona. „Das hat unsere Pläne aufgefressen“, berichtet Gradl. „All die Rücklagen sind inzwischen durch den Stillstand bei laufenden Kosten futsch. Und in der aktuellen Lage war an eine Umsetzung noch dazu nicht zu denken. Nun müssen wir bis Juni eine neue Heimat finden.“

Nun stehen die 52-Jährige und ihr Mann Koni (57) vor einem Riesendilemma. „Wir haben natürlich dem Verpächter des Grundstücks, auf dem die Ranch ist frühzeitig Bescheid gegeben und er hat daher schon fix einen neuen Pächter“, berichtet sie. „Er ist uns sogar noch sehr entgegengekommen, hat uns immer wieder Aufschub gegeben. Wir sind auch immer gut miteinander zurecht gekommen. Er kann ja auch nichts dafür, dass es gekommen ist, wie es kam!“

Corona zerschlug Pläne für Umzug der „Lucky Horse Ranch“ aus Stephanskirchen - Nun sucht sie ein neues Zuhause

An der Wasserburger Straße, am Rande von Stephanskirchen befindet sich der Hof, auf dem die „Lucky Horse Ranch“ einen Teil des Areals gepachtet hat. In mehreren Ställen auf dem Areal sind die Pferde und Ponys der Gradls untergebracht, sowie Tiere von Leuten die Stallplätze haben. „Ja du komm her du, lass dich anschauen.“ - „Na du bist aber auch ein bisschen dick geworden.“ Wenn man mit Lisa Gradl über das Areal spaziert kann man heraushören wie sehr sie mit den Tieren verbunden ist. „Die sind quasi Familienmitglieder.“

Die Schwiegertochter der Gradls, Alexandra Herfort verschafft einem der Tiere der „Lucky Horse Range“ in Stephanskirchen dringend nötige Bewegung.

Schon mit fünf Jahren war Lisa Gradl das erste mal reiten. Sie ist auf einem Hof mit 50 Pferden aufgewachsen, den sie aber nicht übernehmen konnte. Stattdessen bauten sie und ihr Mann zunächst vor über 20 Jahren ihren ersten Ponyhof in Niedermoosen auf. Vor 16 Jahren kam dann der Umzug auf das aktuelle Areal, als der Platz ausging. „Drei Ställe, eine Reithalle und so weiter, das haben wir alles über die Zeit aufgebaut“, erinnern sich die Gradls. Reitunterricht, Reiterferien, Longenunterricht, Ausritte, Voltigieren, therapeutisches Reiten und noch vieles mehr wird angeboten.

Eine Herzensangelegenheit ist ihnen das Reitprogramm für Kinder aus sozial schwachen Familien. „Jeder sollte die Chance haben, einmal auf einem Pferderücken zu sitzen“, findet Lisa Gradl, „Auch, aber nicht nur bei den Kindern sehen wir, wie das enorm helfen kann, mit der Welt, wie sie ist zurecht zu kommen.“ Jung und Alt würden beim Reiten Entspannung, Frieden und eine Auszeit vom Alltag finden.

Glückwunschschreiben zur kirchlichen Hochzeit der Gradls in der „Lucky Horse Ranch“ in Stephanskirchen.

„Die haben wir zu unserer kirchlichen Hochzeit bekommen. Natürlich saßen wir dazu beide im Sattel“, erinnert sich Lisa Gradl, als sie auf eine Reihe von Glückwunschschreiben mit Hufeisensymbol in einem Teil der Stallungen zeigt. „Die Pferde und wir, das gehört einfach zusammen. Standesamtlich hatten wir schon ewig geheiratet. Aber 2014 wollten wir es dann nochmal im kirchlichen Rahmen erneuern.“

Einige Dinge bei neuem Grundstück zu beachten

Wie soll es nun weitergehen? Für die Gradls gibt es eine Reihe von Einschränkungen bei der Suche nach einem neuen Heim:

  • Idealerweise sollte es Stallungen für die Tiere und Wohnen verbinden. „Das muss nicht unbedingt sein, aber wäre natürlich optimal“
  • Es braucht ausreichend Platz und es muss baurechtlich möglich sein die Stallungen und Reithalle dort wieder aufzubauen
  • Es sollte möglichst im Umkreis von Rosenheim und Stephanskirchen sein, damit Vater und Sohn Gradl dort weiter ihren Berufen nachgehen können und bisherige Kunden weiter vorbei schauen können.
  • Wer Vorschläge oder Kontakte hat, kann sich unter 01522/7445300 oder luckyhorseranch1@freenet.de bei den Gradls melden.

„Wir suchen seit Oktober schon die ganze Zeit. Anzeigenblätter, Ebay-Kleinanzeigen und so weiter, wir haben auch selbst inseriert. Freunde und Bekannte helfen außerdem, aber es hat sich bisher nichts ergeben“, berichtet Koni Gradl. „Wir haben schon einige Angebote gekriegt, aber bisher war immer nicht genug Platz oder es hätte baurechtliche Probleme bei der Errichtung der Bauten gegeben.“ Auf ihrer Facebook-Seite bekommen sie reichlich Zuspruch. „Ich drück Euch die Daumen, dass Ihr das stimmige Heim für Euch finden werdet“, schreibt etwa Patricia K.. „Ich drücke euch ganz fest die Daumen“, verspricht Susanne H.. Auch wird die Frage gestellt, ob denn die Politik nichts machen könne. „Das haben wir schon versucht, Stadt und Gemeinde können leider nicht weiterhelfen.“

„Lucky Horse Ranch“ müsste im schlimmsten Fall Tiere abgeben - Ein Alptraum für die Gradls

„Grundsätzlich ist der Staat mit seinen Behörden nicht für Privateigentum verantwortlich. In erster Linie liegt es am Eigentümer der Pferde eine Lösung zu finden. Diese Pflicht ergibt sich aus dem Tierschutzgesetz und dem Grundsatz ,Eigentum verpflichtet‘“, erläutert Hester Pommerening, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, der überall in Deutschland Tierheime betreibt. „Wenn sich keine artgerechte Unterkunft finden lässt und so das Tierwohl gefährdet würde, kann das Veterinär-Amt die anderweitige Unterbringung anordnen und auf Kosten des Eigentümers durchsetzen.“

Koni Gradl bei einem der Ponys auf der „Lucky Horse Ranch“ in Stephanskirchen.

In der Regel würden die Behörden hier aber keine großen Geldsummen vorstrecken wollen. „Bei Pferden kommt es dann in der Regel zur Versteigerung beziehungsweise Abgabe an den Schlachthof.“ Daher hänge es im Zweifel wieder an Tierschützern, den Tieren einen ruhigen Lebensabend zu verschaffen. „Tierheime sind meist nicht auf Pferdehaltung ausgerichtet. Für solche Fälle gibt es aber Gnadenhöfe und spezialisierte Vereine wie etwa die Pferdehilfe München“, schließt Pommerening.

Zwei der Ponys auf der „Lucky Horse Ranch“ in Stephanskirchen.

Ihre Tiere abgeben? Für die Gradls wäre das ein Alptraum. „Wie gesagt, sie sind für uns wie Familienmitglieder. Wir füttern und pflegen sie weiter, auch wenn sie alters- oder krankheitsbedingt nicht mehr für den Reitbetrieb geeignet sind“, betont Lisa Gradl. Auch beruflich sei eine Fortführung des Hofs die einzig sinnvolle Perspektive. „Wir haben das jetzt über 20 Jahre gemacht, da finden wir in unserem Alter auch keine neuen Jobs.“ Ihre ganze Hoffnung ruht nun darauf, dass noch rechtzeitig ein neues Zuhause für sie und die Tiere gefunden werden kann.

„Zur Not können wir im Sommer auch erstmal nur im Wohnmobil leben“, betont Gradl, „Eine Lösung, bei der wir bei den Tieren wohnen können, wäre ideal. Aber zur Not geht natürlich ihre Unterbringung vor!“

hs

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