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Daniela Schurzmann über Deutschlands Versäumnisse

Wirtschaftsjuniorin aus Raubling fordert Generationengerechtigkeit: „Müssen an die Rente ran“

Schreibt sich Innovation auf die Fahne:Denise Schurzmann aus Raubling ist neue Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren.
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Schreibt sich Innovation auf die Fahne: Denise Schurzmann aus Raubling ist neue Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Raubling - Ein ehrenvolles Amt, mit Ausstrahlung in Politik und Wirtschaft: Denise Schurzmann (32) ist kürzlich zur Bundesvorsitzenden der Wirtschaftsjunioren gewählt worden. Mit der Unternehmerin – Geschäftsführerin bei Krause Industrieschaltanlagen in Raubling – sprachen wir über Deutschlands Versäumnisse und zukunftsträchtige Aufgaben.

Wie oft haben Sie sich anhören müssen, eine Frau in einer „Männerdomäne“ zu sein?

Denise Schurzmann: Natürlich oft! (lacht) Es stimmt ja auch. Ich habe fast ausschließlich männliche Gesprächs- und Verhandlungspartner. Lediglich eine Verhandlungspartnerin befindet sich unter Ihnen.

Macht das Probleme?

Schurzmann: Am Anfang war es eine große Herausforderung. Vor sechs Jahren, mit 26 Jahren, war ich sehr zierlich, klein und blond. Blond bin ich immer noch. Oft wurde ich von meinen Verhandlungspartnern gefragt, welchen Schulabschluss ich habe und was ich vorher schon alles gemacht habe. Das Vertrauen habe ich mir eben erst über die Jahre hinweg verdienen müssen. Hat man dieses Vertrauen erlangt, ist es sehr schön, in einer Männerbranche tätig zu sein. In manchen Dingen sogar einfacher.

Inwiefern?

Schurzmann: Weil man doch teilweise etwas sensibler und vorsichtiger behandelt wird. Das macht Verhandlungen stellenweise leichter.

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Ihr neues Amt, ist das für Sie Ehre oder Bürde?

Schurzmann: Natürlich eine Ehre! Ich hatte ja kandidiert. Ich freue mich riesig über die neuen Aufgaben. Mit einem grandiosen Team an meiner Seite aus lauter Wirtschaftsjunioren, verstreut übers ganze Bundesgebiet, freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit. Die große Diversität dieses Teams war mir dabei besonders wichtig. Ich bin mit den Wirtschaftsjunioren groß geworden. Meine Mama war Vorsitzende des Kreises, mein Papa stellvertretender Bundesvorsitzender und meine Tante dreimalige Landesvorsitzende.

Nicht nur in der Bekämpfung von Corona und bei der Flut hatte man den Eindruck, dass Deutschland nicht mehr so reibungslos funktioniert. Täuscht der Eindruck?

Schurzmann: Wir haben viele Brennpunkte auch innerhalb Deutschlands, um die wir uns kümmern müssen. Und da sind wir, von den Wirtschaftsjunioren, eine starke Stimme. „#ReSTART:Zukunft“ heißt ja auch unser Jahresthema. Wir müssen unsere Wünsche, Ängste, Sorgen und Probleme klar artikulieren.

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Welche Wünsche äußert die Wirtschaft denn?

Schurzmann: Unser Wunsch ist, dass die junge Wirtschaft mehr gehört und in Entscheidungen einbezogen wird. Wir sind sehr innovativ und würden gern mitgestalten. Wir wollen aber auch, dass der Staat nicht zu stark eingreift. Darauf sind wir als Innovations- und High-Tech-Standort angewiesen. Gründer und kleine mittelständische Unternehmen müssen mehr einbezogen werden.

Auch die mittleren und kleinen Unternehmen brauchen eine Lobby

Ist es zu schwierig, sich als Mittelständler gegen die Großen mit ihren starken Lobbys durchzusetzen?

Schurzmann: Wir sind Partner der IHK. Wir haben das Privileg, Vertreter der Wirtschaftsjunioren in die DIHK zu den Ausschussarbeiten zu entsenden. Da sitzen Wirtschaftsjunioren auch neben den Großen. Die großen Unternehmen haben natürlich viel mehr Mitarbeiter, zahlen mehr Steuern und haben somit auch mehr Einfluss als die kleineren Firmen.

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Von Ängsten und Sorgen sprachen Sie auch kurz…

Schurzmann: Meine Sorge ist, dass wir einiges verpassen und Zielgruppen links liegen lassen. Vor allem im Bereich der Kleinstunternehmer. Wir werden immer bürokratischer, der Staat erlässt viele Vorschriften und erteilt Verbote. Hierdurch sehe ich ein zu starkes Eingreifen des Staats.

Klima und Außenpolitik spielen aktuell eine wichtige Rolle – sehen Sie das als die richtigen Akzente im Bundestagswahlkampf?

Schurzmann: Ich glaube, dies sind wichtige Akzente, jedoch nicht die wichtigsten. Wir müssen versuchen, dass wir nach der Corona – Krise alles wieder hochfahren und auf den Stand vor der Krise bekommen. Faktoren wie Digitalisierung und Bildung sind jedoch für die Wirtschaft meiner Meinung nach die wichtigeren Punkte. Wir müssen auf die Zukunft blicken. Dazu gehört auf alle Fälle die Versorgung mit schnellerem Internet und ein Mobilfunknetz ohne Empfangslücken. Man sollte sich auch wirtschaftliche Zusammenhänge bewusster machen. Kraftwerke sollen abgeschafft werden, jedoch hat sich keiner Gedanken gemacht, wie dann der Strom von Norden nach Süden kommen soll. Dieser Ansatz erscheint mir wenig sinnvoll.

Zu den Nachwirkungen von Corona gehören Probleme mit den Lieferketten

Nach Corona wieder hochfahren, sagten Sie. Ich habe den Eindruck, so schlecht hat die Wirtschaft diese Pandemie nicht überstanden.

Schurzmann: Nach meinen Erkenntnissen hat die Wirtschaft große Probleme mit der Beschaffung von Material und mit den Lieferketten. Liefertermine werden verschoben und nicht eingehalten. Ich denke, es wird einige Firmen geben, die durch die Nachwirkungen der Corona Pandemie in die Insolvenz rutschen werden. Auch an den Zahlen der Kurzarbeit kann man sehen, dass die Sorgen noch nicht ganz ausgestanden sind. Im Großen und Ganzen haben wir es bis jetzt aber doch sehr gut durch die Krise geschafft.

Allerdings auch auf Kosten von milliardenschweren Hilfsprogrammen, die noch von den nächsten Generationen abgezahlt werden müssen.

Schurzmann: Die Verschuldung, die wir durch die zahlreichen Hilfsprogramme aufgenommen haben, bereitet mir Sorge. Das war wichtig, klar! Man sollte jedoch schauen, dass die Hilfsprogramme auch mal wieder enden und jeder wieder Arbeit bekommt. Die Wirtschaft sollte in hohem Maße sich selbst überlassen werden. Wir haben der Politik ein Papier vorgelegt, mit einigen pikanten Punkten. Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv.

„Auch die Selbständigen sollten in die Rente einzahlen“

Was waren die pikantesten Punkte?

Schurzmann: Dass wir auf jeden Fall an das Thema Rente ranmüssen. Wir alle wissen, dass das Rentensystem aufgrund des demographischen Wandels sehr gefährdet ist. Das treibt uns um. Noch ist es so, dass die Rentner ungefähr das bekommen, womit sie einigermaßen leben können, natürlich ohne Berücksichtigung von privaten Renten. Das wird jedoch nicht so bleiben. Wir glauben, dass ein Teil der eingezahlten Beiträge in fonds-basierte Modelle gehen sollte. In einen Aktienfonds, der vom Staat betreut wird. Als Wirtschaftsverband sind wir der Meinung, dass auch die Selbständigen einzahlen sollten.

Wie auch die Beamten?

Schurzmann: Ja, genau. Und: Wir brauchen mehr Flexibilität beim Renteneintritt. Es muss nach Lebensarbeitszeit gehen. Und im Arbeitsleben dürfen wir die ältere Generation nicht vergessen, sie muss weitergebildet und fortgebildet werden.

Geschäftsführerin bei einem Familienunternehmen, Bundesvorsitzende… Was haben Sie denn sonst noch für Hobbys?

Schurzmann: (Lacht) Ich bin leidenschaftliche Reiterin und bin früher auch leistungsmäßig geritten. Auch im Bayernkader, im Springsport. Der Leistungssport tritt seit einiger Zeit natürlich in den Hintergrund, aber ich sitze schon noch fast tagtäglich auf dem Pferd.

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