Damit die Retter nicht selbst erkranken: Der Berg ruft – nach Corona

Der gesperrte Wanderparkplatz in Unterwössen oberhalb der Burg Marquartstein. Die Bergretter warnen eindringlich davor, in Zeiten der Corona-Krise in die Berge zu gehen. Tofern

Sonnenschein und bis zu 19 Grad sind die Wetteraussichten für das Wochenende in der Region. Verlockend, bei diesen Bedingungen einen Ausflug in die Berge zu machen. Doch die Bergretter bitten eindringlich: „Bleibt zuhause!“ Wenn sie erkranken, fehlen sie an anderer Stelle.

Inntal

,Was ist denn eigentlich schon dabei, eine kleine Tour zu machen? Viele Menschen in der Region kennen sich gut aus, gehen oft in die Berge und sind gut vorbereitet. Andreas Langenstraß, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Brannenburg, erklärt die Folgen eines Unfalls am Berg: „Man muss die Kette weiterdenken: Wenn was passiert, werden Betten im Krankenhaus belegt. Und genau diese werden an anderer Stelle dringend gebraucht – schließlich gibt es inzwischen viele Corona-Patienten.

Nachdem Rosenheim sich inzwischen als Hotspot für Corona-Erkrankungen erwiesen hat, ist die Vorsicht nicht unbegründet.

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Abgesehen davon gelten für alle Menschen in Bayern Abstandsregeln. Abstand könne aber am Berg bei einem Einsatz kaum eingehalten werden: „Wir sind nicht so ausgerüstet, dass wir uns am Berg schützen können. Bei manchen Rettungsaktionen ist das auch gar nicht möglich.“

So geschehen ist dies am Mittwoch in Staudach-Egerndach im Landkreis Traunstein. Dort stürzte nach Angaben der Bergwacht Grassau ein Mann 30 Meter in die Tiefe. Die Rettung mittels Hubschrauber war denkbar aufwendig, an Abstand halten oder Schutzkleidung war nicht zu denken. Somit laufen die Retter Gefahr, sich selbst bei einem Einsatz mit Corona anzustecken.

Es gibt eben auch Egoisten

Immerhin, am vergangenen Wochenende seien keine Einsätze der Bergwacht im Landkreis Rosenheim notwendig gewesen, sagt Florian Lotter, Leiter der Bergwacht Hochland. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen die Landkreise Rosenheim und Miesbach. „Die Menschen strömen in die Berge. Es gibt Vernünftige, die daheim bleiben, aber eben auch Egoisten.“

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Auch er verweist darauf, dass mit jedem Unfall in den Bergen auch das Infektionsrisiko für Retter steigt. Die Sehnsucht, sich während der geltenden Einschränkungen in den Bergen zu erholen und einen Abstand von der Corona-Krise zu bekommen, versteht er voll und ganz. Abgesehen davon, dass er ohnehin seine Freizeit gerne auf den Gipfeln verbringt: „Auch für uns von der Bergwacht ist das schöne Wetter verlockend – klar, wir sind selbst gern dort unterwegs. Nicht nur bei Einsätzen.“

Lotter ist gespannt, wie sich die Lage entwickelt. Die Gemeinde Bad Feilnbach hat schon jetzt ihre Wanderparkplätze abgesperrt, ebenso die Jenbachtalstraße. Auch im Landkreis Traunstein haben die Gemeinden des Achentals diese Vorkehrungen getroffen. Die Mautstraße auf die Winklmoosalm ist nur noch für Berechtigte offen. So sollen Wanderer gar nicht erst die Chance haben, loszumarschieren.

„Wer gehen will, der wird gehen“

Florian Lotter vermutet: „Die, die gehen wollen, werden trotz gesperrter Wanderparkplätze ihren Weg finden.“ Sein Rat an alle, die es in diesen Wochen nach draußen drängt: „Es müssen ja nicht die Berge sein.“ „Lieber den Garten nutzen oder spazieren gehen. Dinge, die für die Gesundheit nicht so riskant sind“, sagt Lotter. Hinzu komme laut Deutschem Alpenverein, dass in den Bergen noch Winter sei und somit erschwerte Bedingungen vorlägen. Auch der verunglückte Bergsteiger in Staudach rutschte auf Schnee aus.

Innenminister Herrmann appellierte gestern nochmals an die Bevölkerung, am daheim zu bleiben.

Die bayerische Polizei sei angewiesen, die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung am Wochenende vor allem an beliebten Ausflugszielen verstärkt zu kontrollieren, so eine Pressemitteilung des Ministeriums.

Reicht die Freiwilligkeit nicht aus? Denn streng genommen ist Bergsport im Moment nicht verboten. So heißt es in der u Anordnung des Innenministeriums, dass „Sport und Bewegung an der frischen Luft, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung“ zu den triftigen Gründen zählen, sich auch außerhalb der eigenen Wohnung zu bewegen.

Es hat sich aber in Bezug auf Corona schon öfters gezeigt, dass auf Appelle, die nicht von jedem ernst genommen wurden, Verbote seitens der Regierung folgten. Ob das auch nach diesem Wochenende so kommen wird?

Auf keinen Fall in Horden losziehen

Franz Knarr, Leiter der DAV-Sektion Rosenheim, geht ein Verbot zu weit. „Wir empfehlen trotzdem, nicht in die Berge zu gehen. Schließlich werden dadurch andere gefährdet.“ Der einheimische Bergwanderer, der schon immer auf geheimen Pfaden in der Region unterwegs war, werde vermutlich seine einsamen Wege beschreiten – auf seine eigene Verantwortung. Dadurch werde er immerhin nicht Gefahr laufen, vielen Menschen zu begegnen. Knarr rät: „Auf keinen Fall in Horden losziehen. Ballungsräume muss man meiden.“ Die DAV Hütten sind geschlossen. Es gibt auf den Hütten daher auch keine Unfallmeldestelle. Die Bergwacht ist jedoch nach wie vor einsatzbereit.

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Bergwachtler Andreas Langenstraß zeigt sich optimistisch: „Ich rechne damit, dass die Leute ruhiger werden und nicht in die Berge gehen an diesem Wochenende.“ Sein Kollege Florian Lotter wird die Berge wenn überhaupt, nur durchs Fenster sehen können. Bis Sonntag wird er als Einsatzleiter im Katastrophenschutz im Landkreis Rosenheim gebraucht: „Für mich heißt es am Wochenende: Landratsamt von innen statt Berge.“

In Tirol warten hohe Strafen

Auf Grund des Umstandes, dass sich aber immer wieder etliche uneinsichtige Personen – sei es in Form von Bergwanderungen oder Skitouren - in das alpine Gelände begeben und dadurch nicht nur die verordneten Maßnahmen missachten, sondern sich auch den Unmut der verantwortungsbewussten Bevölkerung zuziehen, werden in den nächsten Tagen durch die Alpinpolizei mit Unterstützung der Flugpolizei verstärkt Kontrollen im alpinen Bereich durchgeführt. Die Tiroler Polizei ersucht die Bevölkerung eindringlich, zu Hause zu bleiben und die Berge zu meiden. Werden trotzdem Personen im alpinen Gelände angetroffen, ist davon auszugehen, dass es zu einer Anzeigeerstattung nach dem Covid-Maßnahmengesetz mit einem dementsprechenden Strafausmaß bis zu 3600 Euro kommen wird.

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