Verunsicherung im Grenzgebiet

Coronavirus: Wandern in Tirol ohne Quarantäne - was ist möglich?

ARCHIV- BILD: Bei spätsommerlichen Temperaturen über 20 Grad genießen Ausflügler am 06.10.2012 den großen Ahornboden mit Blick aufs Karwendel bei Hinterriß in Tirol. Über 2500 Bergahorne - zum Teil 600 Jahre alt - sind traditioneller Anziehungspunkt vieler Touristen.
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ARCHIV- BILD: Bei spätsommerlichen Temperaturen über 20 Grad genießen Ausflügler am 06.10.2012 den großen Ahornboden mit Blick aufs Karwendel bei Hinterriß in Tirol. Über 2500 Bergahorne - zum Teil 600 Jahre alt - sind traditioneller Anziehungspunkt vieler Touristen.

Kiefersfelden/Innsbruck – Tirol gilt erneut als Corona-Risikogebiet. Wer von dort nach Bayern einreist und keinen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen kann, muss 14 Tage in Quarantäne. Bei vielen Bürgern im Grenzgebiet sorgt das für Verunsicherung. Hier die Antworten auf einige wichtige Fragen.

VON C. SCHURI

Was sagt Tirol zu der Reisewarnung?

Landeshauptmann Günther Platter bezeichnete die Reisewarnung als „schweren Schlag für unseren Wirtschaftsstandort, unseren Arbeitsmarkt und ganz Tirol“. „Der Sommer hat gezeigt, dass wir ein sicherer Gastgeber sind“, betonte er. Unter den 1800 Infizierten in den letzten drei Monaten seien nur 55 ausländische Gäste gewesen. Jetzt sei wichtig, „die Infektionszahlen rasch wieder nach unten zu bringen“.

Kann ich einen Tagesausflug nach Tirol machen?

Wer weniger als 48 Stunden in Tirol war und nicht an einer Kulturveranstaltung, einem Sportereignis, einer öffentlichen Feier oder einer anderen Freizeitveranstaltung teilgenommen hat, muss nicht in Quarantäne. Die Tageswanderung und der Tagesskiausflug mit der Familie seien keine Freizeitveranstaltungen, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums: „Deshalb müsste eine Familie, die sich zum Wandern weniger als 48 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten hat, nicht in Quarantäne.“ Wer aber bei einer Wanderveranstaltung mitläuft, für den gilt eine Quarantänepflicht.

Was gilt für Pendler?

Für Bayern, die täglich nach Tirol zur Arbeit und am selben Tag wieder zurückfahren, gibt es keine Quarantänepflicht. Gleiches gilt umgekehrt für alle, die täglich von Tirol nach Bayern pendeln. Ist ein Tiroler aber zwischen zwei Arbeitstagen länger als 48 Stunden in Österreich, ist er quarantänepflichtig. Eine Ausnahme ist, wenn ihn sein Arbeitgeber an seinem Arbeitsplatz in Bayern „zwingend notwendig und unaufschiebbar“ benötigt.

Kann ich weiterhin in Tirol einkaufen?

Ja. Wer aus Bayern nach Tirol zum Einkaufen fährt, muss nicht in Quarantäne, wenn er innerhalb von 48 Stunden zurückkommt. Tiroler, die in Bayern einkaufen wollen, müssen aber in Quarantäne – außer sie haben einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist. „Maßgeblich ist hierbei der Zeitpunkt des Abstrichs“, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

Was ist, wenn mein Tiroler Lebenspartner mich in Bayern besuchen will?

Der Besuch des Partners ist ein triftiger Reisegrund, deshalb gilt eine Ausnahme von der Quarantänepflicht.

Welche Auswirkungen könnte es in den bayerischen Alpen geben?

Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein (DAV) vermutet, dass viele Wanderer von Österreich auf Bayern ausweichen werden. „Bei schönem Wetter wird es voll“, sagt er. Der DAV hat 70 Hütten in Bayern und 180 in Österreich. „Ich schätze, dass in Österreich viele Hütten bald zumachen, wenn absehbar ist, dass nur wenig Leute kommen“, sagt er. Ganz anders sei es in Bayern: „Wenn das Wetter am Berg umschlägt, wollen alle in die Hütten“, erklärt er. „Aber es muss ja auch der Abstand eingehalten werden.“ Sicher ist: „Im Notfall bekommt jeder Schutz.“ Die Bergwacht kann noch nicht abschätzen, ob es zu mehr Einsätzen kommen könnte. „Das hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Roland Ampenberger.

Wie geht es im Skiort Ischgl weiter?

Der Massenausbruch des Coronavirus im Skiort Ischgl und die Rolle der Behörden wurden von einer Kommission aufgearbeitet. Die Experten werden den Bericht am 12. Oktober vorlegen. Verbraucherschützer haben Schadensersatz-Musterklagen eingereicht.

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