Erkrankte kämpfen oft mit Spätfolgen

Corona-Pandemie: „Gesund“ ist noch lange nicht gesund – Betroffene berichten

„Letztlich froh über den Verlauf“: Bernd Fessler war lange positiv, dann aber gleich wieder fit.
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„Letztlich froh über den Verlauf“: Bernd Fessler war lange positiv, dann aber gleich wieder fit.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Zwei Wochen Bett, danach Test negativ, Patient gesund – so einfach ist es nicht. Das Coronavirus hinterlässt Spuren, wirft mal mehr und mal weniger lange Schatten. Oder verwirrt mit atypischen Verläufen.

Riedering/Großkarolinenfeld/Rosenheim – Davon kann Bernd Fessler, der Bürgermeister von Großkarolinenfeld, ein Lied singen. Am Kommunalwahlabend war noch alles in Ordnung, zwei Tage später war Fessler krank. „Ich fand‘s nicht dramatisch, hatte nie das Gefühl, dass ich dringend ins Krankenhaus gehöre“, erzählt er. Da ahnte er noch nicht, wie lang er mit dem Coronavirus zu tun haben würde.

Arzt schickte Bernd Fessler aus dem Krankenhaus

Die Symptome wurden immer leichter, „am Ende hatte ich bestenfalls erhöhte Temperatur, kein Fieber“, sagt Fessler. Ein wenig antriebslos sei er gewesen, „aber ich habe von daheim gearbeitet, habe so oft und so lange am Telefon gehangen, wie selten – das hat geholfen.“ Mitte April ließ sich Fessler auf Rat seines Arzts in der Rosenheimer Notaufnahme durchchecken. „Der Arzt hat gesagt, ich soll wiederkommen, wenn ich stärkere Symptome habe.“ Er sah Fessler nie wieder.

Nach fünf Wochen endlich negativ

Fessler ist heute noch begeistert, wie sehr ihn die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes unterstützt haben. „Die hielten immer Kontakt, auch am Wochenende, vereinbarten einen Corona-Test nach dem anderen für mich. Toll.“ Ende April war der vierte Corona-Test dann endlich negativ. „Ich war vielleicht der am längsten coronapositive Patient in der Region“, sagt Fessler leicht amüsiert.

Markus Berwanger kam nicht in Schwung

Bei Markus Berwanger, wie Fessler bei den frühen Infizierten, war der Verlauf typischer: Richtig krank, aber nach relativ kurzer Zeit wieder einigermaßen beieinander. Und dann zog es sich. Der ehemalige Eishockey-Profi, heute Trainer, kam nicht in Schwung. Im April etwa 50 Prozent Leistungsvermögen, im Juni etwa zwei Drittel, „da war ich auch häufig müde, erschöpft.“ Krafttraining? War nicht dran zu denken, nicht nur, weil die Studios zu waren. Klimmzüge und Liegestütze mussten reichen.

„Alles miteinander blöd“: Markus Berwanger spürt gelegentlich seine Corona-Erkrankung bis heute.

Marianne Loferer konnte sieben Wochen nicht arbeiten

Müde? Erschöpft? Kennt Marianne Loferer, stellvertretende Bürgermeisterin in Riedering und Stellvertreterin des Landrats, nur zu gut. Auch sie gehört zu den frühen infizierten. Zwei Wochen im Klinikum – „ich war froh, als ich dort war und nicht mehr allein zuhause, aber Angst habe ich nie gehabt“ – und dann, wieder daheim, wollte es nicht aufwärts gehen.

„Ich bin ein sehr positiver Mensch“: Marianne Loferer steckt die langen Corona-Folgen gut weg.

Ihren neuen Job trat Marianne Loferer einen Monat später an, als geplant. Sieben Wochen konnte sie nicht arbeiten. Als sie dann wieder zur Arbeit ging, kurioserweise just in dem Krankenhaus, in dem sie Wochen zuvor gelegen hatte, „da war ich die ersten Wochen schon müde und erschöpft. Die Kollegen haben sehr viel Rücksicht genommen.“

Kaum negativ und schon wieder fit

Das war bei Bernd Fessler nicht nötig. Kaum hatte er endlich einen negativen Test, war er wieder im Rathaus. Seine Mitarbeiter hätten ihn toll unterstützt, „tun das noch“, aber er fühlte sich wieder fit. Ein paar Wochen später folgte ein Check beim Kardiologen, „ich wollte wissen, ob ich wieder laufen und in die Berge gehen kann.“ Er konnte und ging.

Beim Training nicht übers Ziel hinausschießen

Da war Markus Berwanger noch bei 60 Prozent seiner Leistungsfähigkeit. „Erst im August war ich wieder fit. Jetzt kann ich auch mein geliebtes Krafttraining wieder machen“, sagt er. Aber auch, dass er aufpassen muss, dabei nicht übers Ziel hinaus zu schießen, „dann tun mir sofort die Rippen weh.“

Und Wetter wie im Moment, kühl, feucht, nebelig, das macht ihm – und auch seiner ebenfalls erkrankten Lebensgefährtin – zu schaffen. „Da merken wir beide, dass da was war. Dass wir eine Krankheit hatten, die die Lunge betraf.“

Spätfolge oder keine Spätfolge?

Marianne Loferer hat bis heute mit den Auswirkungen zu kämpfen. Im September landete sie noch einmal im Krankenhaus, Bauchspeicheldrüsenentzündung. Organisch war nichts zu finden. „Da sagt natürlich kein Arzt, dass das eine Spätfolge von Corona ist. Es sagt aber auch kein Arzt das Gegenteil.“

Antikörper geben gutes Gefühl

Nach einem Arbeitstag im Klinikum ist sie noch heute erschöpft, nervt das Treppensteigen. „Und wenn dann abends noch Gemeinderatssitzung ist, dann reicht‘s.“ Sie ist gut drauf und alltagsfit, „aber nicht so belastbar wie vor der Erkrankung“.

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Und dennoch ganz froh, dass sie die Corona-Erkrankung hinter sich hat: „Ich bin ja beruflich täglich dem Thema ausgesetzt, wir wissen ja nicht, ob wir einen Verdachtsfall hereinbekommen oder nicht. Da gibt es mir schon ein gutes Gefühl, Antikörper zu haben und deswegen nicht gleich wieder gefährdet zu sein.“

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