Corona-Pandemie: Den Aschauer Markt gibt es heuer nur auf Bildern und Schriftstücken

Luftballons sind ein Symbol für den Aschauer Markt. Bürgermeister Simon Frank (Zweiter von rechts) und Gemeindearchivarin Ilse Goßner (rechts) schicken mit den Luftballons die Bitte in den Himmel, dass der 466. Aschauer Markt im kommenden Jahr wieder wie gewohnt stattfinden möge.
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Luftballons sind ein Symbol für den Aschauer Markt. Bürgermeister Simon Frank (Zweiter von rechts) und Gemeindearchivarin Ilse Goßner (rechts) schicken mit den Luftballons die Bitte in den Himmel, dass der 466. Aschauer Markt im kommenden Jahr wieder wie gewohnt stattfinden möge.

Ein unsichtbarer Feind namens Corona hat es geschafft, uns Aschauern die liebeste Veranstaltung zu nehmen“, klagte die Aschauer Gemeindearchivarin Ilse Goßner bei der Eröffnung der Sonderausstellung zum Aschauer Markt im Foyer des Rathauses. Zu lesen ist auch von einer Bitte an die Rosenheimer.

Von Heinrich Rehberg

Aschau – „„Es bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr der Aschauer Markt wieder in alter Tradition stattfinden kann.“ Bürgermeister Simon Frank verwies in seiner kurzen Ansprache auf die lange Geschichte des Marktes: „Der Jahrmarkt ist mit Sicherheit kein lebensnotwendiges Fest, aber halt äußerst traditionell und beliebt bei Alt und Jung und seit 465 Jahren verbrieft. So etwas sagt man nicht kurz entschlossen ab“. Bürgermeister Frank bedankte sich bei der Gemeindearchivarin für die Zusammenstellung der Exponate: „Ilse Goßner ist ganz tief ins Aschauer Gemeindearchiv abgetaucht, um die Belege für den Aschauer Markt und seine Herkunft zu finden“.

Amerika war gerade einmal 63 Jahre entdeckt und Martin Luther erst neun Jahre verstorben, da feierten die Aschauer schon das erste Mal ihren Markt am Niederaschauer Kirchenberg. Die originalen Gründungsakten von 1555 liegen im gemeindlichen Archiv im Aschauer Rathauskeller natürlich nicht mehr vor. Damals führte Pankraz von Freyberg mit Genehmigung des bayerischen Herzogs Albrecht V. den Markt „als Wochenmarkt in Niederaschau ein“. Die Bewohner des Prientales mussten damit einerseits nicht mehr nach Prien oder Mauerkirchen zu den dortigen Märkten gehen, um sich mit Getreide und Vieh zu versorgen, auf der anderen Seite unterlagen sie dem Marktzwang und mussten ihre Erzeugnisse auf den heimischen Markt bringen, auch wenn sie anderswo höhere Preise hätten erzielen können.

Bei dieser langen Tradition ist es kein Wunder, dass es keiner besonderen Werbung für diesen Markt braucht, der seit Jahrhunderten stets am ersten Sonntag im September stattfindet. So war es nur verständlich, dass der damalige Bürgermeister von Niederaschau Nikolaus Peteranderl im Jahr 1935 ganz selbstbewusst ein Schreiben an den Oberbürgermeister von Rosenheim sandte, in dem er ihn aufforderte, der Stadtrat möge das dort neu eingeführte Herbstfest auf einen anderen Termin verlegen, da zu diesem Termin im September in Aschau seit Jahrhunderten der Markt stattfinde.

Im Wettstreit mit dem Herbstfest?

Ob der Hauptsonntag des Herbstfestes tatsächlich Auswirkungen auf den Aschauer Markt hatte oder noch hat, ist allerdings nirgends dokumentiert und harrt noch einer wissenschaftlichen Aufarbeitung. Der Schriftverkehr zwischen Aschau und Rosenheim aus den 30-er Jahren ist in der Ausstellung vollständig einsehbar. Rund 150 Fieranten aller Sparten haben in den vergangenen Jahren jeweils beim Markt ihre Waren angeboten und versucht, die Besucher von der Qualität ihrer Waren zu überzeugen. Rund 100 Absagen musste die Gemeindeverwaltung Aschau jedes Jahr an weitere Interessenten versenden.

Trotz seiner 465 Jahre, die der Aschauer Markt „auf dem Buckel“ hat, habe sich die Veranstaltung durch die Jahrhunderte stets den Bedürfnissen seiner Kunden angepasst. Er habe sein Aussehen verändert, dabei aber stets seinen Charakter gewahrt. „Und so soll`s auch in den kommenden 465 Jahren bleiben“, hofft Bürgermeister Simon Frank.

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