Corona-Krise: Gemeinde Oberaudorf rückt von Neubauplänen am Heimfeld ab

Blick auf den Kindergartenanbauund die Alte Schule in Niederaudorf. Corona-bedingt verändert sich die Einnahmesituation der Gemeinde Oberaudorf. Der Gemeinderat hat deshalb den Beschluss auf Neubau eines Kindergartens auf dem Heimfeld (ehemaliges Hallenbadgelände) aufgehoben. Lotter

Vor zwei Jahren hat sich der Oberaudorfer Gemeinderat für den Neubau eines Kindergartens auf dem Heimfeld (ehemaliges Hallenbadgelände) entschieden. Aufgrund der Corona-Krise, die die Gemeinde vor große finanzielle Herausforderungen stellt, rückt der Gemeinderat von diesen Planungen ab.

Von Barbara Forster

Oberaudorf –  Für das Projekt wurden laut Bernhardt Baukosten in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro angesetzt – abzüglich eines Förderbetrags von 1,35 Millionen Euro durch den Freistaat Bayern. Das Baugrundstück habe einen Wert von circa 3 Millionen Euro.

Da es durch die aktuelle Corona-Krise allerdings zu „Verzögerungen“ käme, sei es unwahrscheinlich, dass der Neubau im für die Förderung vorgesehenen Zeitraum fertiggestellt werden kann. Das bedeutet: Die Kosten könnten sich auf bis zu 6,9 Millionen Euro erhöhen, teilte der Rathauschef mit.

„Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Einnahmen der Gemeinde im Zuge der Corona-Krise deutlich verringern“, äußerte sich Bernhardt. Als Beispiel nennt er die Kurtaxen oder Gewerbesteuern. Man habe plausible Mindereinnahmen im Haushalt angesetzt. Bernhardts Schlussfolgerung: „Der Kindergarten-Neubau ist nicht realisierbar“.

Leitung bleibt in einer Hand

Dem Gemeinderat wurde der Neubau nochmals zur Beratung vorgelegt. Einstimmig habe man für einen neuen und günstigeren Standort für den geplanten Kindergarten gestimmt.

Der Fokus liege nun auf der „Alten Schule Niederaudorf“. Die Örtlichkeit wäre insofern praktisch, da man alle Kindergartengruppen an einem Standort hätte, erläutert der Rathauschef. Es wäre bereits ein Verbindungsgang zwischen dem Kindergarten „Schatztruhe“ und der „Alten Schule Niederaudorf“ vorhanden. Der Vorteil dabei: Man könne auf eine weitere Kindergarten-Leitung verzichten.

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Im Erdgeschoss der „Alten Schule Niederaudorf“ gebe es schon eine Betreuungsgruppe und im ersten Stock, so Bernhardts Überlegung, könnte man durch einen Umbau zwei weitere Räume für Betreuungsgruppen schaffen. Im zweiten Stock des gemeindeeigenen Gebäudes wäre dann noch genügend Platz, um Räume für Ortsvereine mit einzukalkulieren. Die Grobplanungen dafür liefere ein Architekturwettbewerb aus dem Jahr 2016.

Für das Projekt werden etwa 672 000 Euro pro Stockwerk veranschlagt.

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Laut Bernhardt ist eine Förderung in Höhe von 50 Prozent der förderfähigen Kosten denkbar. Die Ausgaben würde sich dadurch von 6,9 Millionen Euro auf etwa 1,3 Millionen Euro – abzüglich Förderung – verringern. Der Kindergartenneubau im Heimfeld hätte aufgrund der räumlichen Trennung vom Kindergarten Niederaudorf „deutliche Erhöhungen der laufenden Kosten“ nach sich gezogen, erläutert Bernhardt. „Ich halte es für sinnvoll, dass das genutzt wird, was uns schon gehört“, merkt er an. Es wäre unüberlegt, ein neues Gebäude zu errichten und dafür ein altes, bestehendes zu vernachlässigen. Die Kinder seien aktuell im Untergeschoss des Kindergartens „Schatztruhe“ untergebracht. Eine weitere „Notgruppe“ befinde sich derzeit in einem angemieteten Container, erläutert Bernhardt. Das Thema Kinderbetreuung sei eine „Pflicht- und Herzensaufgabe der Gemeinde“. Deshalb müsse und wolle man unabhängig der Gemeindefinanzen ausreichend Plätze bereitstellen. Dabei müsse aber auf eine „ausgewogene und nachhaltige Finanzierung“ geachtet werden.

Suche nach Lösung für Vereine

Im Moment seien mehrere Audorfer Ortsvereine im ersten Stock der „Alten Schule Niederaudorf“ untergebracht. Bernhardt zeigt sich zuversichtlich, dass man für die Vereine eine zufriedenstellende Lösung finden werde. Deshalb hat der Oberaudorfer Gemeinderat in seiner Sitzung am 21. April 2020 den Gemeinderatsbeschluss von April 2018 (Neubau einer Kindertagesstätte im Heimfeld) aufgehoben und die Gemeindeverwaltung beauftragt, das bisherige Förderprogramm auf die „Alte Schule Niederaudorf“ zu übertragen. Die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs 2016 sollen baldmöglichst im neuen Gemeinderat diskutiert werden.

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