Ich und Corona: Für Hans Peter Lendle aus Vogtareuth ist Ostersonntag Totensonntag zugleich

Nachdenkliche Gedanken begleiten Hans-Peter Lendle in Zeiten der Corona-Krise durch seinen Tag. „Wie lange geht das gut?“, so seine bange Frage. Privat

Vogtareuth – Hans-Peter Lendle, Vogtareuth, ist Rentner „und gehört damit der Risiko-Gruppe an“, wie er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen sagt.

Schon vor der Corona-Krise hat er gerne Lieder, Gedichte oder Texte verfasst – sei es zum Vergnügen, um Kritik zu äußern oder eine Belastung zu verarbeiten.

Wie lange kann man das aushalten?

Hier „sein“ Corona-Tag: „Erwacht. Gut geschlafen. Ein kurzer Albtraum hat sich verflüchtigt. Von früher. Berufsbedingt.

Andere haben schlecht geschlafen. Deren Albtraum beginnt. Jetzt. Er wird den ganzen Tag dauern und sie wohl auch im Schlaf verfolgen. Berufsbedingt. Solche, die sich um Kranke, Alte, Hilflose kümmern. Einige müssen inzwischen über Leben und Tod von Patienten entscheiden. Weil ganz anderen Gewinn wichtiger ist als Vorsorge für Menschen. Wie lange kann man so etwas aushalten?

Ein Werktag. Traumhaft strahlend blauer Himmel.

Bestimmt gute Luft

Bestimmt gute Luft! Rundum zartes Grün. Auch mit den verordneten Einschränkungen habe ich immer noch viele Möglichkeiten, den Tag zu gestalten. Aber er fühlt sich an wie Ostersonntag und Totensonntag zugleich.

Fröhlich einem Hobby frönen passt nicht. Mithelfend tätig sein ist mir verwehrt: Bin Rentner in der Risikogruppe. Andere müssen zur Arbeit gehen, dabei für sich ein Risiko hinnehmen und für weitere ein Risiko sein. Sie sorgen für Wasser, Energie, Nahrung, Hilfe im Notfall und für das Funktionieren des Staatsapparates. Für mich im Einfamilienhaus in einem Dorf sieht fast alles aus wie ganz normal. Fernsehen ausgenommen.

Das Risiko verringern

Ich bin von der Regierung aufgefordert, durch Nichts-Tun ein Risiko zu verringern. Dabei bleibt offen, ob mein Zuwiderhandeln die Entwicklung tatsächlich verschlechtern würde beziehungsweise ob die Einhaltung eine günstige Wirkung haben wird. Das ist keine vertraut digitale wenn-dann-sonst - Regel mit unmittelbarer Wirkung, sondern eine unscharfe Prognose-Regel: Wenn viele - dann vielleicht - sonst eher. Der Unterschied ist radikal, so eine Regel nicht leicht verständlich. Vor allem, weil niemand weiß, wie viele nötig sind, um durch Einhaltung Wirkung zu erzielen.

Weniger Kranke?

Und weil die potentielle Wirkung erst um Tage verzögert erkennbar ist. (Bei der Erderwärmung ist die Lage ähnlich, da geht es eben um Jahre). Und Missachtung oder Wirkungslosigkeit kann katastrophale Folgen haben.

Mit dem Sinn, dem Ziel ist es auch so eine Sache: Weniger Kranke? Nicht direkt: Wenn zu viele Glieder des Staatswesens zugleich erkranken, ist seine Existenz gefährdet. Daher die radikale Reaktion.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Solange Vorsorge oder Heilung nicht möglich sind, müssen seine Glieder möglichst nacheinander erkranken. Zeitgewinn verbessert die Chancen, ein Medikament zu finden und einzusetzen. Ideal wäre, wenn die Viren durch Vermehrung immer schwächer würden, sodass die Seuche von allein endete. Noch gilt: Jetzt im Schonraum verbleiben zu dürfen hat seinen Preis.

Später. Wenn die Überlebenden wieder gesund und immun sind. Oder beim Testimpfen. Es ist ein Experiment. Mit jedem von uns. Ausgang ungewiss. Garantiert teuer.

Und offen ist: Bleiben durch die verfügten Maßnahmen hinreichend viele Menschen gesund, um Staat und Minimal-Wirtschaft am Laufen zu halten?

Wie lange geht das gut? Bis die Seuche ein Ende hat? Ich hoffe es. Zu Recht, hoffentlich!

Kommentare