FLINTSBACHER FASTENTÜCHER AUFWENDIG RESTAURIERT

Christus von Rissen befreit

Durch Einwebenvon Fäden geschlossener Riss.
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Durch Einwebenvon Fäden geschlossener Riss.

Sie sind eine historische Kostbarkeit und präsentieren sich jetzt in leuchtender Farbkraft und befreit von großen Rissen – die Flintsbacher Fastentücher. Diplom-Restauratorin Veronika Disl schildert im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen die umfangreichen Arbeiten an den drei Leinwänden.

Flintsbach - An rostigen Nägeln befestigt, Farbe, die abblättert, große Löcher und Risse in den Leinwänden, provisorische Flicken aus Klebeband, sich lösende Fäden an den Rändern, abgeriebene und gelockerte Malschicht – in einem so schlechten Zustand befanden sich die drei Flintsbacher Fastentücher.

Jahrelang schlummerten sie im Nebenraum der Sakristei der Kirche St. Martin in Flintsbach bis man sie auf Initiative des Freundeskreises Pfarrmuseum wieder hervorgeholt hat. Man erinnerte sich: Die Tücher wurden früher in der Fastenzeit vor dem Haupt- und den beiden Seitenaltären gezeigt. „Dem Freundeskreis ist es ein Anliegen, die Tücher wieder in das aktive kirchliche Leben einzubeziehen“, so Vorsitzender Manfred Benkel im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Der schlechte Zustand jedoch erforderte eine umfangreiche und zeitaufwendige Restauration. Monatelang hat die Diplom-Restauratorin Veronika Disl aus München an den Tüchern gearbeitet, damit ein Aufhängen in der Kirche wieder möglich wurde.

Die vermutlich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammenden Tücher verdeutlichen auf drastische Weise das dramatische Geschehen in der Karwoche.

Das erste Bild der Sequenz zeigt Jesus im Garten Gethsemane. Die Jünger schlafen und ein Engel reicht Jesus den Kelch als Symbol des Neuen und Alten Bundes, während im Hintergrund an der Pforte Zuschauer das Geschehen beobachten.

Im zweiten Bild ist die Geißelung Jesu zu sehen. Der entblößte Körper ist ein Zeichen der Erniedrigung, der Unmenschlichkeit, während die Dornenkrone auf den Hohn und Spott verweist, die dem Gottessohn angetan werden.

Die Kreuztragung steht im Mittelpunkt des dritten Bildes – jeder hat sein Kreuz zu tragen, auch wenn er – wie dargestellt – von mitfühlenden Menschen begleitet wird, während andere mit gewissem Abstand die Szene beobachten.

Gelockerte Malschichten

Das Gespräch mit Restauratorin Veronika Disl zeigt, welchen Aufwand die Arbeiten erfordern, um die Tücher wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Die Arbeiten teilten sich auf in Konservierung und Restaurierung.

Um die Flintsbacher Kostbarkeiten nachhaltig erhalten zu können, mussten sie – natürlich in Handarbeit – zunächst von Staub und Schmutz gereinigt werden. Gelockerte Malschichten wurden entfernt ebenso Klebebandflicken, die die Tücher in Teilen nur notdürftig zusammen hielten. Falten, Knicke und Unebenheiten wurden planiert, Löcher und Risse geschlossen, abstehende Fäden fixiert.

Ein Augenmerk lag auch auf der Optimierung der Aufhängevorrichtungen. Neue Stangen nach historischem Vorbild wurden angebracht, die Tücher mit Messingschrauben fixiert. Löcher im Originalgewebe wurden durch Intarsien ersetzt.

Die Restaurierung gliederte sich auf in Retusche (malerische Ergänzungen) in der Leinwand, von Abrieben in der Malerei und von störenden Wasserrändern sowie die optische Integration der Anstückung am linken Bildrand (Kreuztragung) in das Original, um ein stimmiges Gesamterscheingungsbild zu erreichen.

Die Arbeiten sind noch nicht beendet. Am heutigen Samstag werden die Tücher abgenommen und treten in Kürze wieder die Reise in die Münchner Werkstatt an. Dort werden dann die restlichen Renovierungsarbeiten durchgeführt. Manfred Benkel, Vorsitzender des Freundeskreises Pfarrmuseum, ist stolz auf den gehobenen Schatz. Wer die Tücher gestaltet hat, das lässt sich heute nicht mehr sagen. Nur eine Gravur „M.S“ deutet auf den Künstler hin, der so eindrucksvoll das Geschehen gemalt hat. Auch die Recherche in alten Kirchenbüchern hat nichts über den unbekannten Maler ans Licht gebracht. „Da ist nichts vorhanden. Keine Rechnung, einfach nichts“, so Benkel.

Inzwischen haben schon viele Einheimische und Gläubige aus der Region die Fastentücher in der Flintsbacher Kirche bewundert. Die Mitglieder des Freundeskreises haben erneut ihr Ziel erreicht, mit historischen Kostbarkeiten das gegenwärtige kirchliche Leben in der Gemeinde zu bereichern. Es sei durchaus möglich, so Benkel, dass noch mehr Schätze gehoben werden. Letztlich gehe es darum, alte Bräuche der Nachwelt zu erhalten – mit den Fastentüchern ist dies erneut gelungen.

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