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Nach Roman von Josef Einwanger

Christian Lerchs neuer Film „Das Glaszimmer“ kommt ins Kino

Krieg und Nazi-Herrschaft machen auch vor den Kindern in einem niederbayerischen Dorf nicht Halt. Felix (Xari Wimbauer, links) und Karri (Luis Vorbach).
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Krieg und Nazi-Herrschaft machen auch vor den Kindern in einem niederbayerischen Dorf nicht Halt. Felix (Xari Wimbauer, links) und Karri (Luis Vorbach).

Am Donnerstag, 28. April, startet der neue Film von Christian Lerch nach einem Roman des in Kiefersfelden lebenden Schriftstellers Josef Einwanger – und unfreiwillig ist er brandaktuell in Zeiten eines neuen Krieges.

Wasserburg/Kiefersfelden – „Das Glaszimmer“ spielt in einem niederbayerischen Dorf, in dem 1945 kurz vor Kriegsende Anna (Lisa Wagner) und ihr elfjähriger Sohn Felix (Xari Wimbauer), die aus dem zerbombten München flüchten, Unterschlupf finden. Es ist Annas Heimatdorf.

Schnell wird klar, dass Anna und Felix, die in München in einem liberalen Musikerumfeld zuhause waren, nicht so recht in das kleine Dorf passen. Ihr Nachbar Feik (Philipp Hochmair), ein alter Schulfreund von Anna, hat sich zum strammen Nazi entwickelt, der das ganze Dorf wie ein Kleintyrann beherrscht.

Ein geheimnisvoller Rückzugsort

Während Anna nur schwer die überzeugte Nationalsozialistin im Dorf spielen kann, will Felix um jeden Preis vermeiden, als Außenseiter zu wirken, und so lässt er sich schnell durch die Nazi-Propaganda von Feik und seinem Sohn Karri (Luis Vorbach) blenden. Zum Glück findet Felix im neuen Haus einen geheimnisvollen Rückzugsort: ein magisches, funkelndes „Glaszimmer“. Und er findet eine Kameradin, die kleine Martha (Hanna Yoshimi Hagg). Erst nachdem Felix die Ungerechtigkeiten des Krieges zu spüren bekommt, erkennt er, dass Familie und Freundschaft wichtiger sind als jegliche Ideologie.

Lesen Sie auch: „Das Glaszimmer und ein Brief an den Führer“

Das titelgebende Glaszimmer besteht aus funkelnden Glasscherben, die an Schnüren hängen: Der Regisseur hätte es noch magischer, noch farbig funkelnder ausgestalten können. Gedreht wurde im Landkreis Dorfen, kleine Teile in Wasserburg, das zu Braunau wird, Hitlers Geburtsort, wohin Felix und Martha einen Brief bringen, der an Hitler adressiert ist: Er solle doch den Krieg beenden. Feik zwingt später Felix, diesen Brief, der auf die Rückseite eines Hitlerbildes geschrieben ist, zu verbrennen – das Hitlerbild – und damit symbolisch Hitler – verbrennt ebenfalls.

Ein Film über Väter

Es ist auch ein Film über Väter: Karris Vater ist der Endsieg-fanatische Ortsgruppenleiter Feik, von Philipp Hochmair als sich aufplusternder Mini-Hitler glänzend gespielt. Marthas Vater hat sich aufgehängt, weil er die Gräuel des Krieges nicht ertragen hat. Und Felix‘ Vater (Hans Löw) ist ein Deserteur, der seinen Tod vortäuscht und sich sich bis in dieses Dorf durchschlägt. Als Felix ihn wiedertrifft, beschimpft er den vermeintlich toten Vater zuerst als feigen Deserteur, ohrfeigt ihn sogar und umarmt ihn dann doch als lebenden Vater. Und als die Dorfbewohner einen abgestürzten amerikanischen Flieger viehisch totgeprügelt haben, findet Martha bei ihm ein Familienfoto und sagt dann nachdenklich: „Das war auch ein Papa!“

Aber vor allem ist es ein Film von und mit Kindern, ein Film, in dem Kinder die Hauptrollen spielen und aus deren Perspektive erzählt wird. Die Kinder retten Felix‘ Vater am Ende auch mit einem Trick. Die subjektive Kamera folgt ihnen bei ihren Streifzügen und kindlich-grausamen Spielen, oft bewusst wackelig wie auf schnellen Kinderbeinen.

Die Kinderdarsteller sind hervorragend ausgewählt: Luis Vorbach spielt den verrohten Klein-Nazi Karri beängstigend intensiv. Umso überraschender ist seine Wandlung am Ende, als er Felix‘ Vater nicht verrät. Xari Wimbauer bleibt als rothaariger Felix immer ein bisschen verträumt und skeptisch-verhaltend, selbst als er zu Beginn mitmacht bei den Kriegsspielen, und Hanna Yoshimi Hagg kann mit ihren großen dunklen Augen fast mehr ausdrücken als mit Sprache. Ganz anrührend ist die hochschüchterne Szene, als Felix und Martha spielerisch körperliche Nähe erproben: Erst hauen sie sich wie sich balgende Welpen, bis die „Schläge“ immer langsamer und immer zärtlicher und Marthas Augen immer tiefdunkler werden.

Friedlich gackernde Hühner

Als Gegenbilder zum Krieg setzt der in Wasserburg geborene Christian Lerch immer wieder friedlich gackernde und pickende Hühner ins Bild und am Ende flattern frisch entpuppte Schmetterlinge, die der Flüchtlingsjunge Tofan (David Benkovich) gehütet hatte, wie Friedenstauben in den Himmel: ein kindlicher Wunschtraum, den auch Erwachsene gerne träumen würden.

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