Chiemsee-Bürgerbus sucht Verstärkung: Wegen Corona sind nur 16 der 27 Fahrer im Einsatz

Der Bürgerbus an der Haltestelle der Chiemgau Thermen in Bad Endorf.
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Der Bürgerbus an der Haltestelle der Chiemgau Thermen in Bad Endorf.

Der „Bürgerbus Chiemsee“ ist ein wichtiger Bestandteil des ÖPNV im Chiemgau. Das zeigte der Neubeginn des Fahrbetriebs, der ausschließlich mit ehrenamtlichen Fahrern funktionierenden Linie nach einer Corona-Zwangspause am 1. Juni. Doch nicht alle Fahrer konnten sich wieder hinters Steuer setzen.

Von Inge Graichen

Bad Endorf/Amerang/Obing/Chiemgau – Mit dem Lockdown ab 23. März stand der Bürgerbus still. Die Bedrohung durch die Corona-Pandemie betraf das Chiemseeagenda-Projekt für mehr Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln besonders stark. Die meisten der ehrenamtlichen Fahrer gehören der Risikogruppe für einen schweren Verlauf von Covid-19 an: Sie sind über 65 Jahre, einige haben zudem Vorerkrankungen.

Start mit strengen Hygieneregeln

„Die Entscheidung der Fahrerinnen und Fahrer, sich noch nicht hinters Steuer zu setzen, ist absolut berechtigt und verständlich“, sagt Johann Zagler, Koordinator des Bürgerbuses und Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) für den Bereich Landkreis Rosenheim. Sich selbst oder andere in Gefahr bringen, sei laut Zagler natürlich keine Option. Erst nach dem Abflauen des Infektionsgeschehens und der Entwicklung von Hygienekonzepten in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens habe der Fahrbetrieb des „Bürgerbus Chiemsee“ wieder starten können, vor allem die Einführung der Maskenpflicht für die Fahrgäste im ÖPNV ermöglichte den Einstieg. Außerdem wird im Bürgerbus der Beifahrersitz freigelassen und die drei Sitzreihen werden möglichst nur mit jeweils zwei Personen belegt, obwohl im ÖPNV sonst bei Bus und Bahn aufgrund der Maskenpflicht das Abstandsgebot nicht zwingend eingehalten werden müsste. So wird das Ansteckungsrisiko noch weiter verringert.

Bus fährt nach Winterfahrplan wegen Fahrermangel

Allerdings wird gegenwärtig nur im „Wintermodus“ mit den Fahrttagen Montag, Mittwoch, Freitag gefahren, nicht wie sonst von April bis Oktober täglich von Montag bis Freitag. Denn es sind nicht 27 Fahrerinnen und Fahrer im Einsatz wie in Vor-Corona-Zeiten, sondern nur 16. Die anderen wollen wegen der Pandemie ihr Ehrenamt vorerst ruhen lassen. So ist die Fünf-Tage-Woche nicht zu bewältigen. Bis zum eigentlichen Beginn des Winterfahrplans (1. November bis 31. März) bleibt es daher auch bei der reduzierten Bedienung der Linie.

Hohe Fahrgastzahlen belegen Bedarf

Dass Bedarf für den Beitrag des „Bürgerbus Chiemsee“ zur Mobilität der Bevölkerung in der Region besteht, beweisen laut Zagler die stabilen Fahrgastzahlen. Während bei anderen Buslinien die Fahrgastzahlen bis zu 80 Prozent zurückgegangen waren, seien es beim Bürgerbus im Juni gleich wieder durchschnittlich 23 Fahrgäste je Einsatztag gewesen. Kein großer Unterschied zum Juni 2019 mit 27 Fahrgästen und erst recht nicht zur Durchschnittszahl von 25 im Gesamtjahr 2019, wie von Hans Zagler zu erfahren ist.

Engagierte Fahrerinnen und Fahrer gesucht

Der „Bürgerbus Chiemsee“ verkehrt seit über 15 Jahren in den zehn Gemeinden Amerang, Pittenhart, Obing, Eggstätt, Bad Endorf, Rimsting, Prien, Breitbrunn, Gstadt und Seeon-Seebruck ausschließlich mit ehrenamtlichen Fahrern aber als öffentliche Linien mit eigener Linienkonzession des RVO und eigener Liniennummer 9480. Die Corona- Situation zeigt, dass nicht jeder Fahrer jederzeit zur Verfügung stehen kann. Deswegen ist die RoVG immer auf der Suche nach – gerne auch jüngeren - engagierten Bürgern, die sich an der schönen und verantwortungsvollen ehrenamtlichen Aufgabe beteiligen wollen, jenen Bürgern ein Stück Mobilität zu erhalten, denen aus verschiedensten Gründen nicht ständig ein eigener Pkw zur Verfügung steht. Jeder der glaubt, das könnte das Richtige für ihn sein, kann sich bei der RoVG, Hans Zagler, unter der Telefonnummer 08031-3921400 oder per Mail unter johann.zagler@lra-rosenheim.de melden.

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