AUS DEM GEMEINDERAT

Brummis im Minutentakt: Nußdorf ist machtlos gegen den Ausweichverkehr von der A93

Ist die A93 Richtung Süden erst einmal dicht, dann nutzen viele LKW-Fahrer die Ausweichroute über Nußdorf und Erl zum Leidwesen der Anwohner, um dem kilometerlangen Stau zu entkommen.
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Ist die A93 Richtung Süden erst einmal dicht, dann nutzen viele LKW-Fahrer die Ausweichroute über Nußdorf und Erl zum Leidwesen der Anwohner, um dem kilometerlangen Stau zu entkommen.
  • vonVolkhard Steffenhagen
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Immer mehr Verkehrsteilnehmer nutzen die Route über Nußdorf und Erl, um dem Stau auf der A93 auszuweichen. Darunter viele Lastkraftwagen. Die Gemeinde Nußdorf möchte den Ausweichverkehr stoppen. Doch weder das Landratsamt Rosenheim noch Innenminister Joachim Herrmann ziehen bei diesem Vorschlag mit.

Nußdorf – „Die zunehmende Verkehrsbelastung an den Wochenenden in unserem Dorf durch den Ausweichverkehr bei Stauungen auf der Autobahn erschwert in deutlichem Maße die Lebensqualität und auch die notwendigen Besorgungen am Wochenende“, klagte Dr. Hans Hausner aus Nußdorf und wandte sich im Februar 2020 schriftlich an den Gemeinderat, der sich in seiner jüngsten Sitzung mit diesem Thema beschäftigte. Zwischenzeitlich liegen Stellungnahmen des Landratsamtes und des Innenministeriums vor, die keine Änderung der Situation versprechen.

Lkw donnerndurch die Ortschaft

Immer mehr Verkehrsteilnehmer nutzen die Route über Nußdorf und Erl, um dem Stau auf der A 93 auszuweichen. Darunter viele Lastkraftwagen. Grund dafür sind nicht nur Blockabfertigungen an der deutsch-österreichischen Grenze, sondern auch Verkehrsunfälle wie kürzlich in Oberaudorf. Nicht selten zieht sich der Lkw-Rückstau entlang der gesamten A 93, der schon oft auf der A 8 am Irschen- oder Samerberg beginnt. Eine Geduldsprobe für die Lastwagenfahrer – weshalb sie Ausweichmöglichkeiten über Landstraßen nutzen. So donnerten vor einigen Tagen die Brummis im Minutentakt durch Nußdorf. Hans Hausner bat deshalb den Gemeinderat, im Verkehrsministerium vorstellig zu werden, um – ähnlich wie in Tirol – den Ausweich- und Umgehungsverkehr durch die Gemeinden zu stoppen. „Auch sollte der Schwerlastverkehr generell nur für den lokalen Bezug freigegeben sein“, so Hausner.

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Die Gemeinde Nußdorf wandte sich zunächst an das Landratsamt, welches die Anfrage wiederum an die Regierung von Oberbayern weiterleitete. In seinem Begleitschreiben stellt das Landratsamt fest, dass es sich bei der Staatsstraße 2359 und der Kreisstraße RO 1 um Straßen handle, die zusammen mit den weiteren Bundes-, Staats- und Kreisstraßen ein durchgängiges Straßennetz bilden würde, das dem überörtlichen Verkehr diene, was auch ihrer gesetzlichen Verpflichtung entspreche.

Sperrungen für den Transit nach Tiroler Vorbild auch in Bayern möglich?

Die durchschnittliche tägliche Verkehrsbelastung, die 2015 gemessen wurde, belegt, dass die Verkehrszahlen auf der RO 1 mit 2280 Fahrzeugen täglich im unteren Durchschnitt der Kreisstraßen im Landkreis liegen würden. Auch die St2359 gehöre mit 4698 Fahrzeugen zu den nicht so stark befahrenen Staatsstraßen im Landkreis. Aktuellere Zahlen würden nicht vorliegen. Man könne jedoch nicht ausschließen, dass die St2359 sowie die RO 1 bei Stauungen auf der Inntalautobahn vermehrt befahren werde. Aufgrund von Höhenbeschränkungen am Oberaudorfer Burgtor, empfehlen viele Navis die Strecke über Nußdorf und Erl.

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Die gewünschten verkehrsrechtlichen Anordnungen kann die Untere Straßenverkehrsbehörde rein rechtlich nicht umsetzen. Das Problem des Ausweichverkehrs bei Staus auf der Autobahn sieht das Landratsamt aber durchaus. Deshalb wurde die Regierung von Oberbayern gebeten, zu prüfen, ob Regelungen, wie sie in Tirol bereits existieren, auch in Bayern eingeführt werden können.

Im November erhielt die Gemeinde einen Brief von Innenminister Joachim Herrmann. Demnach würden dem Ministerium keine Erkenntnisse vorliegen, dass diese Straßen als Ausweichmöglichkeit genutzt werden, insbesondere nicht durch Lastkraftwagen. Und Pkw würden nur bei Staus die A 93. Vor diesem Hintergrund könne man ein Fahrverbot für den Transitverkehr, insbesondere für den Lkw-Verkehr, nach dem Vorbild Tirols, nicht in Betracht ziehen.

„Nicht falschen Vorbildern folgen“

„Wir sollten hier nicht falschen Vorbildern folgen, sondern vielmehr ist Tirol zum Einlenken zu bewegen“, schreibt Herrmann. Der Innenminister lehnt eine Sperrung der Staatsstraßen für den Ausweichverkehr ab, dies sei weder erforderlich noch zielführend. Vielmehr müsse die Autobahn-Umleitungsstrecken zwingend vorgehalten werden, da es im Inntal keine Alternativen gebe.

Auch das Landratsamt sieht keine Umsetzungsmöglichkeit, da die Strecke nicht zu den stark frequentierten zähle. Ein nächtliches Lkw-Fahrverbot in Raubling wurde inzwischen aufgehoben. So beschloss das Gremium, die Rechtslage mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen. Der Beschluss erfolgt 13:2 Stimmen.

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