Wer bringt Butter und Blumenkohl? Nachbarschaftshilfen im Krisenmodus

Frau Nachbarin, bringen Sie mir Quark mit? Wer diese Hilfe nicht hat, wendet sich an Nachbarschaftshilfe und ähnliche Organisationen. dpa
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Frau Nachbarin, bringen Sie mir Quark mit? Wer diese Hilfe nicht hat, wendet sich an Nachbarschaftshilfe und ähnliche Organisationen. dpa

Sie gehören zu einer Risikogruppe und haben nette Nachbarn, die Butter oder Blumenkohl mitbringen? Glückwunsch! Viele Risikopatienten, vor allem ältere Menschen, haben dieses Glück nicht. Sie sind auf fremde Hilfe angewiesen.

von Sylvia Hampel

Prutting/Söchtenau/Vogtareuth – In Corona-Zeiten schlägt die Stunde der Nachbarschaftshilfen, Bürgerhilfen und sozialen Arbeitskreise. Gerade auf dem Land, wo nicht alles im Ort zu bekommen ist.

„Wir machen schon lange Einkaufsfahrten“, sagt Elisabeth Voringer-Kaffl, Vorsitzende des AK Soziales in Prutting. Oft werden diese auch mit Besuchsdiensten verbunden. Das sei so vermutlich nicht mehr zu leisten, wenn die Zahl der Hilfesuchenden größer werde. Denn nur sieben ihrer Mitglieder seien für derartige Hilfeleistungen im Einsatz.

50 mehr wären nicht zu schaffen

„Wenn sich jetzt plötzlich 50 Leute bei uns melden, schaffen wir das nicht. Da bräuchten wir mehr Helfer.“ Ein Dutzend oder auch 20 bekämen sie wohl so verteilt, dass die sieben Aktiven es stemmen können. Wer jemanden braucht, der für ihn einkauft, schreibt eine Einkaufsliste und wendet sich unter der 0 80 36/14 84 an Elisabeth Voringer-Kaffl. Und wer Einkaufsfahrten übernehmen möchte, meldet sich auch bei ihr.

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Sie kennen einen Einkaufsdienst oder einen anderen Hilfsdienst, der sich vor Ort um Menschen kümmert, die besonders von der Coronakrise betroffen sind? Schreiben Sie uns eine E-Mail mit den Kontaktdaten an redaktion@ovb-online.de. Weitere Hilfsangebote in der Region finden Sie hier.

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In Söchtenau kümmert sich die Nachbarhilfe darum, dass Senioren zum Arzt oder zum Einkaufen kommen, jetzt übernimmt sie auch die Einkaufsfahrten, selbst zur Apotheke, sagt Bernhard Summerer, der diese Fahrten einteilt. Von jetzt auf gleich sei es schwierig, Fahrten zu organisieren, da viele seiner 20 Helfer berufstätig sind. Aber generell könne er relativ schnell reagieren, zwei Tage Vorlauf wären gut. „Und im Notfall fahren meine Frau oder ich auch mal selber.“

Lieferung am selben Tag nur mit mehr Freiwilligen möglich

Eine Lieferung am selben Tag sei nur bei mehr Freiwilligen möglich. Wer einen Einkäufer braucht oder einer werden will, kann das Bereitschaftshandy der Nachbarhilfe unter 01 75/9 91 72 62 anrufen. Das liegt bei Summerers „und meine Frau geht eigentlich immer dran“.

Die frisch gegründete Bürgerhilfe Vogtareuth hat ein Problem. Sie möchte gerne aktiv werden, trifft auch schon alle Vorbereitungen dazu und beratschlagt über Einkaufsdienste. Sie könnte morgen loslegen, sagt ihr Vorsitzender, Thomas Gögerl. Theoretisch, denn der Verein ist so jung, dass noch ein Zuschussantrag beim Sozialministerium liegt.

Hilfe gefährdet den Zuschuss für den Verein

Und solange der nicht entschieden ist, darf der Verein nichts unternehmen, sagt der Vorsitzende. Damit gefährde man die Bewilligung des Zuschusses. 100 Prozent sicher seien sich die Verantwortlichen noch nicht, sagt der Vorsitzende, aber in diesem Ausnahmefall überlegten sie schon, ob sie nicht auf den Zuschuss pfeifen und denjenigen helfen, die die Hilfe brauchen. „Und dann müssen wir hoffen, dass das Ministerium die Ausnahmesituation berücksichtigt und uns keinen Strick daraus dreht.“

Solange das nicht geklärt ist, sollten sich Vogtareuther, die Einkaufshilfe brauchen, besser unter der Telefonnummer 08038/9063-12 in der Gemeindeverwaltung melden und sich informieren.

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