Brenner-Nordzulauf: „Unterirdisch“ findet Rainer Auer unteriridisch

Torsten Gruber (Mitte), vier Jahre Projektleiter Brenner-Nordzulauf der DB im Sommer 2019 im Gespräch mit betroffenen Bürgern über die unter Stephanskirchen hindurchführenden Trassen einer Neubaustrecke kennt nur zwei Gründe für Tunnelbau: Topografie und Besiedelung. Politikerwünsche zählen nicht dazu. Hampel

Leere Versprechen machen, nur um bei den Wählern gut dazustehen und sie zu beschwichtigen, das findet der Bürgermeister von Stephanskirchen überhaupt nicht gut. Gerade dann nicht, wenn es um ein Projekt wie den Brenner-Nordzulauf geht. Der längst nicht so weit im Tunnel verläuft, wie Abgeordnete das gerne sagen.

von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Bürgermeister Rainer Auer (parteilos), seit Langem ein erklärter Befürworter des Ausbaus der vorhandenen Strecke im Inntal für denBrenner-Nordzulauf, wird sauer, wenn mal wieder ein Bundes- oder Landtagsabgeordneter verspricht: „Wenn wir um die Trasse nicht herumkommen, dann tue ich alles, dass sie unterirdisch verläuft.“ Das sei eine „fahrlässige Beschwichtigung, die den Bürgern Sand in die Augen streue, so Auer im Gemeinderat.

Nur zwei Gründe für Gleise im Tunnel

Torsten Gruber, vier Jahre lang Projektleiter bei der Deutschen Bahn für den Brenner-Nordzulauf habe einmal gesagt, dass es für die Bahn nur zwei Gründe gibt, Tunnel zu bauen: Ein Gelände, das für Züge sonst nicht zu bewältigen ist beziehungsweise in dem eine oberirdische Trasse keinen Platz hat. Oder aber eine dichte Besiedlung, durch die keine Trasse geführt werden kann. „Andere Gründe gibt es nicht, auch keine politischen Wünsche“, so Auer. Entsprechende Aussagen von Politikern seien also Augenwischerei, Beschwichtigungstaktik und aus seiner Sicht in einer Demokratie ausgesprochen ungut.

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Für Stephanskirchen trifft der Punkt „Besiedlung“ zu, die Gemeinde wird – Stand jetzt – von der Gemeindegrenze bei Eitzing bis zum Inn bei Leonhardpfunzen untertunnelt, sollte eine der durch Stephanskirchen führenden Trassen umgesetzt werden. Dann ist ja alles gut, alles gar nicht so schlimm? Nein, denn der Tunnel unter Stephanskirchen wird laut Auer „mit höchster Wahrscheinlichkeit“ nicht bergmännisch – also unterirdisch – gebaut, sondern offen.

Breite Spur der Verwüstung

Was für die Gemeinde und ihre Bürger eine jahrelang Lärm- und Schmutzbelästigung entlang einer breiten Schneise bedeutet. „Wenn der Tunnel dann zugeschüttet ist, haben wir eine breite Spur der Verwüstung.“

Gemeinde unterstützt Brennerdialog

Auch deshalb unterstützt die Gemeinde Stephanskirchen immer wieder Aktionen derBürgerinitiative Brennerdialog, wie allein in diesem Jahr die Mahnfeuer im Januar, den Sternmarsch zur Demonstration am Max-Josef-Platz in Rosenheim oder die Petition an den Bundestag, bei der über 30 000 Unterschriften gesammelt wurden. Auch beim derzeit laufenden Raumordnungsverfahren der Regierung von Oberbayern sei die Gemeinde sehr aktiv, so Auer.

Gemeinde übt Widerstand

Stephanskirchen übt aber auch selber Widerstand: Gegen eine Duldungsanordnung für eine Bohrung auf einem gemeindlichen Grundstück an de Baierbacher Straße wurde Widerspruch eingelegt. Den hat das Eisenbahnbundesamt Mitte Januar zurückgewiesen, Stephanskirchen wird nun vor dem Bundesverwaltungsgericht klagen.

Zur gleichen Zeit, wie der Widerspruch abgelehnt wurde, kam ein neuer Duldungsbescheid. Diesmal zu seismischen Untersuchungen an der Baierbacher Straße. Auch hier legte die Gemeinde Widerspruch ein.

Gemeinde gibt Wissen an Hilfesuchende weiter

Karl Mair (Parteifreie Bürger) wollte wissen, ob die Gemeinde ihr Wissen teilt. Ja, versicherte Auer, „wir geben unseren Standpunkt und das im Laufe der Jahre angesammelte juristische Wissen an alle Grundbesitzer weiter, die sich hilfesuchend an uns wenden.“

Damit war‘s der Gemeinderat vorerst zufrieden, zu beschließen gab es aktuell nichts.

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