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Brenner-Nordzulauf: Projektleiter sieht keinen zwingenden Bedarf für neue Trasse im Inntal

Torsten Gruber, Projektleiter der Bahn (ganz links), warb immer wieder engagiert um das Vertrauen der Bürger: Die fünf Grobtrassen würden völlig ergebnisoffen untersucht. Thomae
  • VonJohannes Thomae
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Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Der Projektleiter der Bahn geht nicht zwingend davon aus, dass tatsächlich eine neue Bahntrasse durchs Inntal gebaut werden muss. Erst soll die Bestandsstrecke digitalisiert werden und danach werde man weitersehen. Verblüffung bei den Zuhörern.

Rohrdorf – „Der erste Schritt ist die digitale Ertüchtigung der Bestandsstrecke. Währenddessen und auch danach wird man sehen, wie sich der Verkehr entwickelt und ob der tatsächliche Bedarf den Bau einer Neubaustrecke notwendig macht“.

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Mit diesem Satz verblüffte Torsten Gruber die Bürger, mit denen er sich am Ende der Rohrdorfer Infoveranstaltung der Bahn um Brenner-Nordzulauf unterhielt, doch erheblich: „Das habe ich so noch nicht gehört“ sagte zum Beispiel Dieter Dimmling, Mitglied der Bürgerinitiative Bürgerforum Inntal.

Stufenlösung ganz explizit vorgestellt

Zumal der Projektleiter der Nordzulaufsplanungen diese Stufenlösung nicht einfach so nebenbei einbrachte, sondern ganz explizit vorstellte und auf einem Blatt skizzierte: Setze man von vornherein allein auf die Bestandsstrecke, so erläuterte Gruber, sei man mit ihr auch am Ende aller Ausbauentwicklung. Die gestufte Entwicklung aber böte bei entsprechendem Verkehrsbedarf mehr Möglichkeiten, eben die einer zusätzlichen Erweiterung.

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Gruber wiederum zeigte sich über die Verblüffung seiner Zuhörer erstaunt. „Diese Sicht hat die Bahn doch schon seit Längerem kommuniziert“, meinte er, neu sei eigentlich nur, dass Anfang Juli von Verkehrsminister Andreas Scheuer tatsächlich grünes Licht für den digitalen Ausbau gegeben worden sei.

Vollendete Tatsachen bei Brenner-Nordzulauf?

Für viele Besucher aber wäre damit, hätten sie davon gewusst, vielleicht ein anderes Licht auf die Veranstaltung geworfen worden. Waren sie doch in großer Anzahl der Meinung, beim Brennernordzulauf vor vollendete Tatsachen gestellt zu sein. Viele bezweifelten – wie schon auf den anderen Infoveranstaltungen zu beobachten – sogar, dass hier im weiteren Verlauf tatsächlich noch ergebnisoffen fünf Trassen untersucht würden: „Die haben die Trasse, auf die es hinausläuft, doch längst in der Schublade“, war eine Meinung, die man immer wieder vernehmen konnte.

Zweifel am Zuhören

Von einer Hoffnung, mit den grundsätzlichen Zweifeln am Bedarf der Neubaustrecken von der Bahn gehört zu werden, schon gar keine Spur: „Spricht man diese Bedenken an, zieht sich die Bahn meist darauf zurück, dass sie nur einen Planungsauftrag der Politik ausführt“, sagte ein Teilnehmer, „man hätte aber dennoch gern das Gefühl, auch hier wenigstens angehört zu werden. „Wir sind eigentlich nur gekommen“, sagt Monika Stuffer, „damit wir uns hinterher nicht vorwerfen müssen, wir hätten nicht alles versucht. Der Wunsch wäre natürlich, dass die Bahn die gehörten Bedenken an die Politik weitergibt, aber viel Zuversicht haben wir nicht.“

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Große Chance auf Trasse im Garten

Andere Besucher hatten noch konkretere Sorgen, wie zum Beispiel Martin Thanner, über dessen Anwesen die Trasse laufen würde, sollte eine westlich des Inns zum Tragen kommen. Zwar sei es nicht der Fall, dass man schon jetzt jede Nacht schlaflos wach liegen würde, aber die 2/5 Chance, dass man betroffen sein könnte, führe doch dazu, dass im Moment jede Renovierungsarbeit am Haus zurückgestellt werde. Dabei gehört er mit seiner Frau noch zu den Aufgeschlosseneren unter den möglicherweise unmittelbar Betroffenen, weil er grundsätzlich für eine Stärkung der Bahn ist: „Wenn zweifelsfrei klar wäre, dass für die Neubaustrecken ein Bedarf da ist, der nicht auf der Bestandsstrecke abgewickelt kann, dann müssten wir es einfach akzeptieren“

Bedarf muss nochmal ernsthaft auf den Prüfstand

Auch hier aber sitzt der Zweifel, dass wirklich rein nach Faktenlage entschieden wird, tief. Bezeichnend in dem Zusammenhang auch die Reaktion vieler, denen man von Torsten Grubers Skizzierung einer Stufenlösung erzählte. In das Erstaunen über die Aussage mischte sich vor allem Zweifel: Es wäre schön, wenn im weiteren Entscheidungsverlauf die Bedarfsfrage von der Politik tatsächlich noch einmal ernsthaft auf den Prüfstand käme, so der Tenor. Im Moment aber stelle sich die Frage, ob es sich hier nicht einfach um eine Änderung in der Kommunikationsstrategie handele.

Planung zeigt bisher „wenig Augenmaß“

Auch Dieter Dimmling, der Mann von der Bürgerinitiative, ist skeptisch, nicht zuletzt, weil die Planung seiner Ansicht nach bislang von wenig Augenmaß zeuge: „Wäre es anders, hätte man eine Trassenvariante, die Rohrdorf und das Juwel Neubeuern dermaßen in Mitleidenschaft zieht, gar nicht erst in die engere Auswahl nehmen dürfen.“

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