„Brenner-Nordzulauf bedroht Existenzen“: 15 Seiten Widerspruch der Gemeinde Brannenburg

Geht es nach den vorgestellten fünf Grobtrassen zum Brenner-Nordzulauf, dann müsste bei Realisierung der westlichen Varianten Varianten der Bahnhof Brannenburg (unser Bild) verlegt werden. Bürger, Pendler und Besucher der Inntalgemeinde wären dadurch massiv betroffen, so der Gemeinderat.
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Geht es nach den vorgestellten fünf Grobtrassen zum Brenner-Nordzulauf, dann müsste bei Realisierung der westlichen Varianten Varianten der Bahnhof Brannenburg (unser Bild) verlegt werden. Bürger, Pendler und Besucher der Inntalgemeinde wären dadurch massiv betroffen, so der Gemeinderat.

Es fängt mit dem Verlegen des Bahnhofs an und hört mit der Vernichtung von Feldern noch lange nicht auf. Die drei westlichen Trassen des Brenner-Nordzulaufs sind für die Gemeinde, das Inntal und die Almen verheerend. Deswegen wehrt sich Brannenburg heftig.

Von Maria Stuffer-Chunpetch

Brannenburg – Einstimmig und ohne Debatte votierte der Brannenburger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung für die von einer internen Arbeitsgruppe verfassten Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren für den Brenner-Nordzulauf. In drei Treffen von mehreren Gemeinderäten und externen Fachleuten wurde die umfangreiche Stellungnahme erarbeitet, die die gravierenden Auswirkungen für Brannenburg bündelt. Das 15-seitige Schreiben legt dar, weshalb die vorgeschlagenen westlich des Inns verlaufenden Varianten Gelb, Türkis und Oliv mit allen Untervarianten als nicht raumverträglich betrachtet werden.

Bahnhof müsste verlegt werden

Eines der Hauptargumente gegen die drei Trassen ist die Verlegung des Bahnhofs Brannenburg, die sich durch den Bau der Verknüpfungsstelle die Verknüpfungsstelle Breitmoos ergeben würden. Dies wird durch den Bau einer Hochleistungstrasse mit größeren Kurvenradien nötig. Zusätzlicher Flächenverbrauch durch neue Zufahrtswege, Parkplätze, eine geringere Attraktivität der Bahn für Pendler und zusätzlicher Individualverkehr seien dabei zu erwartende negative Folgen.

Flächenfraß in der Landwirtschaft

Auch für die Landwirtschaft hätten die Trassenvarianten gravierende Auswirkungen, heißt es in der Stellungnahme. Der Neubau eines dritten und vierten Gleises verbunden mit einer Verknüpfungsstelle verbrauche große Mengen an nicht ersetzbaren landwirtschaftlichen Flächen. Dazu kämen weitere Flächen für die Einrichtung der Baustellen und Lagerflächen für Abraum- und Baumaterial. Durch den Mindestabstand zur Autobahn gehe weiterer Nutzgrund verloren, ein Ausgleich durch die dann aufgelassene Bestandsgleisstrecke sei aufgrund deren Kontaminierung nicht möglich. Dies schränke das Angebot an möglichen Pachtflächen weiter ein und führe zu Preissteigerungen, was existenzbedrohende Folgen für mehrere Betriebe hätte, heißt es in der Stellungnahme. Es drohe eine Zerstörung der gesamten Kulturlandschaft des Inntals mitsamt seiner Almgebiete. Bei allen Trassenvorschlägen würden jeweils bis zu 255 Hektar Fläche versiegelt.

Die Stellungnahme verweist auch auf den Standort der Kläranlage, die sich im Bereich der vorgesehenen Neubautrassen befindet. Für eine möglicherweise in absehbarer Zeit gesetzlich geforderte Erweiterung müssten unbedingt Flächen freigehalten werden.

Durch die möglichen Trassenführungen werde das Landschaftsbild unwiederbringlich zerstört und es drohe insbesondere mit einer Verknüpfungsstelle eine dramatische Änderung und Entstellung.

Gravierende Folgen für den Tourismus

Als staatlich anerkannter Luftkurort befürchtet Brannenburg gravierende Nachteile im Tourismus: Ein erheblicher Attraktivitätsverlust durch das geänderte Landschaftsbild, steigende Schadstoffbelastung und zusätzliche Lärmbelästigungen seien zu erwarten, was sinkende Übernachtungszahlen und damit weniger Einnahmen für zahlreiche Betrieb zur Folge hätte. Eine umweltschonende Anreise per Bahn käme bei einer Verlegung des Bahnhofes sowohl für Tagesgäste als auch Urlauber kaum mehr in Frage.

Inntal verträgt keine Neubaustrecke

Mit den bereits jetzt vorhandenen Infrastrukturen (Autobahn, Innstaustufe, Eisenbahn, Öl-Pipeline, zwei Staatsstraßen und die überirdische Hochspannungsleitung) habe das Inntal seine Belastungsgrenze erreicht und vertrage deshalb keine zusätzliche Neubaustrecke, heißt es weiter in der Stellungnahme.

Trasse mitten im Landschaftsschutzgebiet

Zudem liege die geplante Trasse in vollem Umfang im Landschaftsschutzgebiet Inntal-Süd, in dem laut Beschreibung alle Handlungen verboten sind, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen. Verwiesen wird dabei auch aufdie starke Gefährdung oder Auslöschung der speziellen Tier- und Pflanzenwelt insbesondere innerhalb der Moorflächen.

Gefahr für Tiefenbach/Breitmoos und den Hochwassersschutz

Auch müsse die Bedeutung intakter Moorflächen für den Klimaschutz aufgrund der Fähigkeit zur Speicherung von CO2 beachtet werden. Der instabile Untergrund in den Moorgebieten Tiefenbach/Breitmoos könnte für so ein Bauwerk zu kaum abschätzbaren Problemen führen. Auch der dort vorherrschende hohe Grundwasserspiegel (rund 80 Zentimeter unter der Geländeoberfläche) und die im gesamten Gemeindegebiet vorherrschende Ablaufrichtung des Grundwassers in Richtung Inn seien weitere Argumente gegen das Vorhaben. Besonders für den Hochwasserschutz sei das Überschwemmungsgebiet Tiefenbach/Breitmoos von immenser Bedeutung für die Gemeinde.

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