Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ortstermin des Stephanskirchner Bauausschuss

Auswirkungen auf Mensch und Tier? Landwirt in Fussen rüstet sich für Brenner-Nordzulauf

Ortstermin auf dem Bauernhof: Während Bürgermeister und Bauamtsleiter in der Brise mit den Plänen kämpfen, schauen sich die Ausschussmitglieder die Lage des geplanten Austragshauses mit Lehrlingsunterkünften und Ferienwohnungen in Fussen an.
+
Ortstermin auf dem Bauernhof: Während Bürgermeister und Bauamtsleiter in der Brise mit den Plänen kämpfen, schauen sich die Ausschussmitglieder die Lage des geplanten Austragshauses mit Lehrlingsunterkünften und Ferienwohnungen in Fussen an.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
    schließen

Züge, die unter seinem Hof durchsausen? Sieht Hans Hamberger, Landwirt im Stephanskirchner Ortsteil Fussen, nicht so dramatisch. Für die Menschen. Bei den Tieren ist er sich da nicht so sicher. Mehr Sorgen macht er sich um die Entwicklung der Landwirtschaft. Und rüstet sich für alle Fälle..

Stephanskirchen – Ein Kälbchen auf wackeligen Beinen, alte Obstbäume, glücklich Hühner, gelber Raps und im Hintergrund die Berge – so lässt man sich den Blick aus der Ferienwohnung gefallen. Und 20 Meter unter der Erde rauschen die Züge auf dem Brenner-Nordzulauf.

Hans Hamberger, Landwirt in Fussen, sieht das für sich und seine Familie sowie potenzielle Feriengäste gelassen. „Die Trasse ist jetzt 30 Meter weiter weg vom Hof gerutscht. Ich glaube nicht, dass wir da viel von merken.“ Er hat eher Bedenken, dass die violette Trasse des BNZ Auswirkungen auf seine Tiere hat. Die dürften unter Erschütterungen eher leiden, glaubt er, „sie spüren ja auch Wetterumschwünge viel deutlicher als wir.“

Platz machen für den Hofnachfolger

Also hält er fest an seinem Plan, gegenüber dem vier Jahrhunderte alten Wohnhaus ein Austragshaus für seine jüngste Tochter, seine Frau, seine Mutter und sich zu bauen. Dazu Lehrlingszimmer und vermutlich zwei, drei Ferienwohnungen.

„Da sind wir uns aber noch nicht ganz schlüssig“, so Hamberger. Das wolle sich die Familie noch einmal gut anschauen und darüber nachdenken. „Wir“, das sind drei Generationen Hamberger, denn der älteste Sohn studiert derzeit an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, dessen Partnerin auch, die Hofnachfolge ist gesichert.

Nachdenken über neue Standbeine

Was Hamberger, der Ortsobmann des Bauernverbandes in Stephanskirchen ist, über die Zukunft der Landwirtschaft nicht so sicher sagen kann, wie er auch den Mitgliedern des Bauausschusses erklärte, als diese zum Ortstermin auf dem Hof in Fussen waren. Denn wohin die Entwicklung ginge, sei derzeit nicht abzusehen.

Die Privatmolkerei Bauer, an die Hamberger seine Milch liefert, habe gerade mitgeteilt, dass in wenigen Jahren ein Viertel der Produktion auf Hafermilch umgestellt werde. „Wir sind ein vorwärtsdenkender Betrieb, hängen aber momentan ziemlich in der Luft“, so Hamberger. Deswegen müssten sie immer wieder über neue Standbeine nachdenken. Aktuell eben Ferienwohnungen.

Das Büro in den Stall ausquartiert

Angesichts der Größe des Haupthauses kam die Nachfrage aus den Reihen des Bauausschusses, ob denn wirklich ein weiteres Gebäude mit drei Vollgeschossen notwendig sei. Sei es, so Hamberger. Denn aufgrund des Alters des Hofes seien die Räume eher klein und das Treppenhaus nehme zudem Platz weg.

Für drei Generationen plus Lehrling reiche es gerade so aus. Für mehr nicht. „Wir haben das Büro derzeit im Stall. Der Steuerberater ist immer froh, wenn wir unsere Unterlagen schnell wieder abholen“, erklärte Hamberger schmunzelnd. Das Büro im Stall gehe auf Dauer auch nicht mehr, weil der Papierkram ständig zunehme.

Drei Vollgeschosse in der Senke

Bei der ersten Behandlung im Bauausschuss hatten sich Gemeinderäte wie Bauverwaltung an den drei Vollgeschossen gestört. Das legte sich etwas, denn beim Ortstermin auf dem Hof wurde deutlich, dass das geplante Austragshaus in einer Senke liegt, weder das Haupthaus noch das Haus des Nachbarn überragt. Die Bauverwaltung regte an, das geplante Gebäude etwas zu drehen, es parallel zur Fassade des Haupthauses auszurichten. Damit war Hamberger einverstanden.

Das könnte Sie auch interessieren: Stephanskirchen: Gewürzbouquet statt Lackausdünstung in der Landlmühle (Plus-Artikel ovb-online.de)

Bei der weiteren Beratung über den Bauantrag im Sitzungssaal des Rathauses sagte Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie), dass er den Bedarf sehe, den Vollerwerbsbetrieb, bei dem drei Generationen von der Landwirtschaft leben, für die Zukunft zu rüsten. Er könne sich das Austragshaus mit Lehrlingsappartements und Ferienwohnungen durchaus vorstellen. Stephan Mayer (Parteifreie) war froh um den Ortstermin, denn Hamberger habe gut erklärt, was er wie und warum plane.

Privilegierung muss noch geklärt werden

Bedenken bezüglich der Privilegierung gab es in der Bauverwaltung, vor allem wegen der Wohnung für die dritte Generation und des zweiten Lehrlingsappartements. Aber das zu klären sei Sache des Amtes für Landwirtschaft und des Landratsamtes. Wie immer in Stephanskirchen, wenn Privilegierungsfragen noch offen sind, wurde der Antrag bis zur Klärung dieser Fragen abgelehnt – und der Bürgermeister einstimmig ermächtigt, die Zustimmung zu erteilen, sobald die Privilegierung gesichert ist.

Kommentare