Coronavirus: Was ist, wenn mein Arzt infiziert ist? Ein Beispiel aus Brannenburg

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  • vonBarbara Forster
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Vor zwei Tagen war Dr. Leticia Siqueira-Kroder, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Phlebologie aus Brannenburg, noch voller Tatendrang. Doch jetzt ist alles anders: Sie ist selbst mit dem Coronavirus infiziert. Sie und ihr Personal müssen 14 Tage in Quarantäne – was heißt das für die Patienten?

Brannenburg – „Ich stehe im telefonischen Kontakt mit anderen Ärzten“, sagt Siqueira-Kroder gegenüber den OVB Heimatzeitungen. Ihre Patienten werden nun an Kollegen aus der Umgebung verwiesen. Auf Bandansage werden Anrufer darüber informiert, dass die Praxis vorerst geschlossen sei und in der Zwischenzeit zwei Arztkollegen zur Verfügung stehen.

Überrascht sei die 59-Jährige gewesen. „Ich fühle mich nicht krank.“ Aber genau das sei der Beweis dafür, dass jeder eine potenzielle Gefahr darstelle. „Ohne es zu wissen“, sagt die Fachärztin.

Häufiger Kontakt mit Patienten

In den vergangenen vier Wochen hatte sie häufigen Kontakt mit Patienten. Zum Teil musste sie diese ohne ausreichende Schutzbekleidung behandeln. Der Grund: Die Schutzbekleidung reiche vorne und hinten nicht. „Das Gesundheitsministerium hätte uns ausreichend informieren müssen“, stellt Siqueira-Kroder klar. 

Bestenfalls hätte es auch dafür sorgen müssen, dass die Ärzte ausreichend mit Atemschutzmasken und Schutzoveralls ausgestattet sind.

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In Brannenburg sei sie eine der wenigen Ärzte, die überhaupt Tests durchführten. Denn ohne Schutzbekleidung könne man auch keine Patienten testen. Vier Schutzoveralls habe Siqueira-Kroder vom Ärztlichen Kreisverband Rosenheim gespendet bekommen. Ein paar Schutzbrillen und Schutzmasken habe sie mithilfe von Patienten und Privatleuten „zusammengekratzt“. Mit ein wenig Glück bekämen sie von einem Flintsbacher 100 Masken. „Die bezahlen wir auch, das sind keine Spenden“, sagt die Ärztin. Allerdings sei noch nicht klar, wann sie  diese bekommen würden.

Leute auf der Straße getestet

Die fehlende Schutzkleidung sei das eine. Das andere: „Wir haben die Leute auf der Straße getestet. In der Kälte“, sagt Siqueira-Kroder. Ihre Praxis befinde sich im ersten Stock eines Wohnhauses. Und die Anwohner wären schlichtweg dagegen gewesen, dass Patienten das Wohnhaus betreten – aus Angst vor Ansteckungsgefahr. Leute mit Husten oder Fieber hätten die Praxis sowieso nicht mehr betreten dürfen, sagt die Ärztin. „Aber viele haben sich nicht daran gehalten.“ Was neben Schutzkleidung wichtig sei: ein Raum, wo man die Leute behandeln und testen kann, erklärt die Allgemeinmedizinerin.

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Am Mittwoch hätte sich die 59-Jährige eigentlich mit Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch getroffen. Der Rathauschef wollte helfen, geeignete Räumlichkeiten  für Untersuchungen und Tests zu finden. Und wie Jokisch mitteilte: Er wurde fündig. In der Wendelsteinhalle könne er den alten Leseraum zur Verfügung stellen. Alternativ könne auch einer der Schulungsräume in der Volkshochschule in Brannenburg genutzt werden.  Für Jokisch sei es „überhaupt keine Frage“, dass er den Ärzten in dieser Zeit Unterstützung anbiete. Das sei im Moment „sehr, sehr wichtig“.

Nach Ostern sei ein neues Treffen mit der Ärztin geplant, sagt Jokisch. Dann wolle man die Details besprechen.

"Nicht ausreichend geschützt" 

Leticia Siqueira-Kroder will auch weiterhin für ihre Patienten da sein. Mit manchen stehe sie derzeit noch in telefonischen Kontakt. „Die Leute haben keine Ruhe.“ Viele seien aufgewühlt, hätten Angst. Und die Allgemeinmedizinerin versuche, zu beruhigen.

Wichtig sei allerdings auch, dass sie zur Ruhe komme – um in zwei Wochen ihre Praxis hoffentlich wieder aufsperren zu dürfen. Zuvor müsse sie jedoch einen weiteren Selbsttest durchführen.

Wie sich die Brannenburgerin infiziert habe, wisse sie nicht: „Ich kann nur vage vermuten, dass es daran liegt, dass wir nicht ausreichend geschützt waren.“ Als Arzt müsse man eben nahe an die Patienten herantreten. Deshalb betone sie nochmals: Schutzkleidung sei das A und O.

Ärztin will in 14 Tagen wieder arbeiten

Zehn Schutz-Overalls, acht Atemschutzmasken und vier Schutzbrillen seien auf Lager. „Und das war`s“, sagt die Ärztin. Das sei ein Witz. Während Schutzbrillen und Overalls wiederverwendet werden können, sofern die auf Corona getesteten Personen negativ waren, müssen Atemschutzmasken weggeworfen werden. „Das wäre zu gefährlich.“  Und so, wie es ihrer Praxis gehe, gehe es vielen, sagt Siqueira-Kroder. Mit vielen Ärzten aus Rosenheim und Umgebung sei sie vernetzt.

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Für die nächsten zwei Wochen, muss sich Leticia Siqueira-Kroder schonen.  Wieder gesund werden. Aber, verspricht sie: „Dann mache ich weiter.“ Was sie dafür allerdings dringend benötigt: Schutzbekleidung.

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