Urteil gesprochen

Jahrelang die Partnerin gequält - Brannenburger lacht vor Gericht über Aussagen der Frau

Da einige Taten des Angeklagten bereits lange zurücklagen, konnte die Haftstrafe von 15 Monaten auf Bewährung ausgesetzt werden.
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Da einige Taten des Angeklagten bereits lange zurücklagen, konnte die Haftstrafe von 15 Monaten auf Bewährung ausgesetzt werden.
  • vonTheo Auer
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Als Prostituierte eingesetzt, jahrelang vom Partner verprügelt, der von ihrem Geld lebte - und schließlich schlug der Partner einer 35-Jährigen auf sie ein, während sie ihre kleine Tochter auf dem Arm hatte. Nun stand der 43-Jährige Mann vor Gericht.

Brannenburg – Seit 2009 lebten die Stationshelferin aus dem Inntal und der 43-jährige Türke zusammen. Die damals 24-jährige Frau kam aus einer Drogentherapie und geriet in die Abhängigkeit des Mannes, der sie als Prostituierte einsetzte und – so berichtete sie – von ihren Einkünften lebte.

Anzeige nach vielen Jahren

Zwar habe er sie häufig verprügelt, aber zwei herausragende Ereignisse brachte sie im März 2020 zur Anzeige. Insbesondere deshalb, weil sie zwischenzeitig Mutter eines nun 3-jährigen Mädchens geworden war. Sie bezog sich dabei auf zwei besonders krasse Vorfälle, bei denen er sie in einem Falle mit einem Schlagstock verprügelt hatte und zu einem anderen Zeitpunkt geschlagen hatte, während sie das Kleinkind auf dem Arm vor seinen Schlägen schützen musste.

Er versetzt ihren Schmuck

Des Weiteren lautete die Anklage auf Diebstahl und Betrug, weil er ohne ihr Wissen wertvollen Schmuck aus ihrem Besitz zu Pfandhäusern in München und Rosenheim getragen hatte.

Ursprünglich war in dieser Sache gegen ihn ein Strafbefehl über elf Monate Haft ergangen. Dagegen hatte er Einspruch eingelegt, sodass die Anklage nun vor dem Strafgericht Rosenheim unter dem Vorsitz von Richter Stefan Fritz zur Verhandlung kam.

Er verweigert die Aussage und lacht

Der derzeit arbeitslose Angeklagte verweigerte – was sein gutes Recht ist – vor Gericht jede Aussage. Kopfschüttelnd oder vor sich hin lachend verfolgte er die Aussagen der früheren Lebensgefährtin.

Diese verheimlichte keineswegs ihre 2009 überwundene Drogenabhängigkeit und daraus herrührende vergangene Straftaten.

Schutz gesucht und nicht gefunden

Nach der Therapie jedoch nachgewiesenermaßen drogenfrei hatte sie bei dem Angeklagten Schutz gesucht was der, nach ihrer Aussage, gnadenlos ausnutzte.So war auch belegt dass sie in der Zeit ihren Zusammenlebens mit dem Angeklagten einen Nasenbeinbruch erlitten hatte.

Verteidiger zerrt Vergangenheit hervor

Der Verteidiger Rechtsanwalt Jakob Gerstmeier war bemüht die Aussagen der Tatopferzeugin in Zweifel zu ziehen und zog dazu deren problematische Vergangenheit heran. Auch warum sie solange bei dem Angeklagten verblieben war und sich nicht bereits früher von ihm gelöst hatte diente ihm als Argument deren Aussagen in Zweifel zu ziehen. Im Falle der versetzten Schmuckstücke unterstellte er das Einverständnis der Anzeigenerstatterin. Somit habe es weder einen Diebstahl, noch bei den Pfandhäusern sich um einen Betrug gehandelt. Der Verteidiger hielt in seinem Plädoyer alle Beschuldigungen für unbewiesen, und forderte Freispruch in allen Anklagepunkten.

Staatsanwältin fordert Haft für einschlägig Vorbestraften

Die Staatsanwältin hielt die Vorwürfe wegen gefährlicher und einfacher Körperverletzung, sowie des Diebstahls und Betruges für bewiesen und forderte eine Haftstrafe von 18 Monaten, zumal der Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft ist. Sie verneinte auch das Vorhandensein besonderer Umstände, die bei einer Strafe von über einem Jahr zu einer Aussetzung zur Bewährung nötig wäre.

Gericht: Das Opfer ist glaubwürdig

Die Aussagen der Tatopferzeugin seien in allen Kernbereichen konstant und glaubwürdig gewesen, so der Richter. Selbst Umstände die zu ihrem Nachteil hätten ausgelegt werden können habe sie offen und ungeschminkt berichtet. Auch hätten die vorhandenen Beweismittel für ihre Glaubwürdigkeit gesprochen.

Bwährung und Sozialstunden

Der Angeklagte wurde zu 15 Monaten Haft verurteilt. Weil etliche Taten aber bereits zeitlich lange zurück lagen, könne die Strafe noch zur Bewährung ausgesetzt werden. Dabei habe der Verurteilte aber 250 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten.

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