Nachruf

Brannenburg: Die Welt bereist, die Berge gefunden – Nachruf auf Opernsängerin Gertrud Freedmann

Gertrud Freedmann.
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Gertrud Freedmann.

Dass Gertrud Freedmann ein besonderes Talent war, war schon früh entdeckt worden, weshalb sie bei den Englischen Fräulein in Regensburg zur Schule ging, um ihre Stimmausbildung voranzutreiben. Mit ihrer Stimme machte sie Karriere. Am 14. Januar 2021 starb die frühere Opernsängerin in Brannenburg.

Brannenburg – Die Musikalität lag in ihrer Familie. Ihrem Vater, Paul Hierl, war als Lehrer die Musik nicht fremd, auch ihrer Mutter Anna-Maria nicht, die „zum Hausgebrauch“ gerne Klavier spielte. Wirklich hochkarätig die Verwandtschaft großmütterlicherseits, zu der die Komponisten Hans Koessler und Max Reger gehörten.

Die Karriere von Gertrud Freedmann nahm schnell Fahrt auf. Noch während sie ihre musikalische Ausbildung in München und am Konservatorium in Augsburg vervollkommnete, hatte sie erste feste Engagements, zunächst am Stadttheater Passau, dann in Mainz. Von Mainz aus dann der Sprung in den bayerischen Opernolymp, die Bayerische Staatsoper, mit einer Festanstellung als „erste Soubrette“.

Über zwanzig Jahre blieb sie ein festes Ensemblemitglied der Staatsoper, ging mit auf große Tourneen, nicht nur in viele deutsche Städte, sondern auch nach England, Portugal und Japan. Die Ernennung zu Bayerischen Kammersängerin folgte im Jahr 1970.

Gertrud Freedmann in jungen Jahren.

Eigentlich würde man vermuten, dass Gertrud Freedmann vieles davon vermisste, als sie in den Achtzigern die Bühne und München verließ und dauerhaft in Brannenburg zu wohnen begann. Doch ihre Tochter Veronika Walter hat diese Zeit ganz anders in Erinnerung. „Ich glaube“, sagt sie, „dass sie in gewissem Sinn sogar erleichtert war, denn der Spagat zwischen einer künstlerischen Karriere und dem Wunsch, eine möglichst gute Mutter zu sein, kann schon sehr belasten.“

Hilfreich dabei wohl auch, dass sie keine eitle Person war. Stolz war sie nur auf eines: Bis ins hohe Alter viel jünger auszusehen, als sie tatsächlich war, weshalb sie aus ihrem Geburtsjahr auch stets ein kleines Staatsgeheimnis machte. Selbst er, so erzählt ihr Mann Wilhelm Walter, habe erst kurz vor der Heirat, beim Aufgebot, erfahren, dass seine zukünftige Frau um einiges älter war als er selbst, was er bis dahin nie gedacht hatte.

Ihrem Wunsch entsprechend verrät er auch nur, dass sie irgendwann in den Dreißigern geboren wurde. Auch auf ihrer Grabstele im Waldfriedhof Niederaudorf, nah den Bergen, deren Anblick sie umso mehr liebte, je älter sie wurde, wird kein Geburtsdatum stehen, nur ihr Sterbedatum, der 14. Januar.

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