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Aus dem Schöffengericht

Alkohol, Drogen und Gewalt: Gestörte Beziehung in Brannenburg erhält eine „Denkpause“

Wenn seine Probleme und ihre Probleme aufeinandertreffen, bekommt Justizia Arbeit.
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Wenn seine Probleme und ihre Probleme aufeinandertreffen, bekommt Justizia Arbeit.
  • VonTheo Auer
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Anfang 2019 fand ein Paar zusammen, das beiderseits psychisch und physisch belastet ist. Der 37-jährige Angestellte und die 25-jährige Verkäuferin schafften es nicht, gemeinsam ihre Probleme zu bewältigen.

Brannenburg – Immer wieder kam es bei dem Paar zu Streit und häuslicher Gewalt, was die Polizei ständig zu Einsätzen zwang. So fielen die Beiden am 15. August 2019 im Bahnhof Rosenheim auf, wo sie sich eine heftige Auseinandersetzung mit der Bahnpolizei lieferten. Oder am 17. Oktober 2019, als der 37-Jährige nackt durch Brannenburg lief und sich unter wüsten Beleidigungen der Hilfe durch eine Polizeistreife widersetzte. Dies führte dazu, dass ihn das Amtsgericht Rosenheim im Oktober 2020 zu einer Gefängnisstrafe von 14 Monaten verurteilte. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, weil er Stein und Bein schwor, dass sich derlei nicht wiederholen würde.

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Bereits im Juli dieses Jahres beobachtete ein Passant eines Abends, dass ein Mann auf offener Straße seine Begleiterin niederschlug. Er informierte die Polizei. Da dies in der Nähe der Wohnung dieses Paares stattfand, fuhr die Polizei gleich dort hin. Und traf die Beiden betrunken und streitend an.

Weil der Mann ausfallend wurde, erklärten ihm die Beamten, dass er bis zu seiner Ausnüchterung in Sicherheitsgewahrsam genommen würde. Was ihn völlig ausrasten ließ. Ein Polizist berichtete im Zeugenstand, er habe noch nie einen derart rücksichtslosen und brutalen Widerstand erlebt.

Noch heftiger war die Situation am Abend des 15. Augusts 2021. Gegen 19 Uhr, das Unglückspärchen war wieder alkoholisiert und nach eigenen Angaben unter Drogen, flüchtete sich die Verkäuferin während eines Streits ins Schlafzimmer. Der Angeklagte drückte die Türe ein, prügelte und würgte die Frau, bis diese blutend am Boden lag.

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Erneut kam die Polizei dazu. Unter wüsten Beleidigungen und heftigstem Widerstand musste man den 37-Jährigen in Gewahrsam nehmen. Dieses Mal verfügte der Haftrichter, dass er in Untersuchungshaft bleibt.

Nun kam die Sache vor das Schöffengericht Rosenheim unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Barschat. Der Angeklagte zeigte sich reuig und geständig. Er schämte sich auch seines Verhaltens, das ihm mittels der Aufzeichnungen der polizeilichen Bodycams vorgeführt wurde.

Er versuchte immer wieder, dem Gericht klar zu machen, dass das nicht sein wahres Ich sei: „Das bin ich nicht wirklich. Tatsächlich ist das gar nicht meine Art.“ Er erklärte wiederholt, er wolle seinen Alkoholgenuss unter Kontrolle bringen.

Seine Lebensgefährtin hatte ihm zwischenzeitig ganz offensichtlich verziehen. Sie weigerte sich im Zeugenstand, über die Vorgänge dieses Abends auszusagen, wollte ihn nun vor einer Verurteilung schützen. Was nach seinem Geständnis sinnlos war.

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In seinem Plädoyer verwies der Staatsanwalt darauf, dass selbst die offene Bewährung den Angeklagten nicht daran gehindert hatte, genau dieselben Straftaten in so kurzer Zeit zu wiederholen. Der Angeklagte habe nichts dazu gelernt und das auch nicht zu erwarten. Er beantragte eine Haftstrafe von drei Jahren.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Peter Dürr, erklärte, dass sein Mandant unwidersprochen ein Alkoholproblem habe. Dieses aber mittels einer Haftstrafe wohl nicht zu beheben sei. Dazu seien sicherlich andere Maßnahmen von Nöten. Einen konkreten Strafantrag nannte er nicht, stellte das Urteil in das Ermessen des Gerichtes.

Zweieinhalb Jahre Zeit zum Nachdenken

Dieses verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Die Richterin drang darauf, der Angeklagte müsse seine Situation begreifen. „Sie sagen immer wieder, sie seien nicht so. Das Gegenteil ist richtig: Genau so sind Sie. Erst wenn Sie das begreifen und Ihr Verhalten unter Kontrolle bringen, können Sie lernen, straffrei zu leben. Die Haftstrafe soll Ihnen dabei helfen.“

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